Das stand vor 50 Jahren in den Zeitungen in Stolberg und Eschweiler

Heute vor 50 Jahren in der Zeitung : Brasilianer machen Halt bei Dalli und ein Schulleiter sorgt für Lacher

Fußballer, die sich ihre Haare schneiden müssen, St. Jöris als heißes Pflaster in Sachen Gewalt und Brasilianer, die sich in Stolberg wohl fühlen: Was stand genau heute vor 50 Jahren in dieser Zeitung? Das wollen wir in unserer neuen Serie darstellen.

Diese soll in unregelmäßigen Abständen erscheinen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir starten mit dem 10. September 1969. Damals, als ein Liter Benzin laut Zeitungsanzeige noch 49,9 Pfennige kostete...

Die Revolution der Jugend war bereits in vollem Gange. Doch das gefiel längst nicht Jedermann. Vor allem in der Sportszene regte sich Widerstand  – wie in unserer Zeitung unter der Überschrift „Militär-Schnitt für Fußball-Beatles“ zu lesen war. Einige Fußball-Manager englischer Clubs legten ihren langhaarigen Spielern nahe, sich die Haare zu schneiden. Dafür hatte ein Bericht der Schiedsrichter-Vereinigung gesorgt, in der damals zu lesen war: „Schiedsrichter sind meist ordentliche Menschen und die Langhaarigen wirken halsstarrig und das wirkt sich auf manche Schiedsrichter-Entscheidung aus.“ Aha.

Die Unparteiischen schienen also doch gar nicht so neutral zu sein, wie von ihnen gefordert. Das führte dazu, dass einige Trainer ihren Spielern schon vor Saisonbeginn den „Militär-Schnitt“ verordneten, andere ließen sie einfach auf der Bank sitzen, wenn sie lange Haare besaßen.

Sparschweine verkauft

Und nun vom Swinging London der 1960er Jahre nach Dürwiß. Das war damals noch kein Teil von Eschweiler, sondern eigenständig. Und der Bund der Vertriebenen war zu dieser Zeit überaus aktiv. Zehnten Geburtstag feierte die Ortsgruppe Dürwiß damals und verkaufte nicht Kaffee und Kuchen oder Gegrilltes. Raten Sie einmal, womit man damals Geld einnahm. Mit dem Verkauf von Sparschweinen. Mit 1448 DM gab der Vorsitzende des Bundes, Richard Palmhoff, den Erlös aus der in den Gaststätten und Geschäften ausgestellten 58 Sparschweinen bekannt. Die Sparschweine waren von der Sparkasse geleert und gleichzeitig wieder mit einem Los gefüllt worden. Und innerhalb kürzester Zeit waren sie schließlich vergriffen. Ob Sparschweine auch heute noch so gut ankommen würden, dürfte bezweifelt werden.

Natürlich waren auch vor 50 Jahren schon Polizeimeldungen ein wichtiger Bestandteil der Zeitung. Damals ereignete sich Folgendes: In einer Wohnung in St. Jöris kam es zu Streitigkeiten zwischen Eheleuten, in deren Verlauf der Mann seine Frau geschlagen haben soll. Nach dem Eintreffen der Polizei und einem erneuten Wortwechsel verließ der Mann die Wohnung. Ende der Meldung. St. Jöris schien damals wohl ein heißes Pflaster zu sein. Schließlich gab es noch einen zweiten Streit zwischen Eheleuten, zu dem sogar die Polizei ausrücken musste. Da in diesem Fall der Ehemann unter starkem Alkoholeinfluss stand, wurde er bis zu seiner Ausnüchterung mit auf die Wache genommen.

Apropos heißes Pflaster. Folgende Meldung stand damals auf der Seite „Aus aller Welt“: „Es begann wie ein klassischer Bankraub. In Portland (US-Bundesstaat Oregon) schob ein Mann dem Kassierer einen Zettel zu: ‚Ich habe eine Pistole. Sie stecken alles Geld in eine Papiertüte’“. Ganz schön dramatisch, was sich da ereignete. Das Ende der Geschichte war dann vor allem überraschend: „Der Kassierer sagte: ‚Ich habe keine Papiertüte.’ Der verwirrte Räuber ergriff die Flucht.“

Per Anhalter fahren war früher durchaus gang und gäbe. Allerdings wurde das offenbar nicht jeder Nation zugetraut, wie folgende Überschrift einer kleinen Reportage vom 10. September 1969 vermuten lässt: „Auch Sowjetmenschen fahren per Anhalter“. Gut, dass unsere Zeitung aufgeklärt hat. Das tat sie auch in Sachen Ernährung. Erneut sagt die Überschrift schon alles: „Brot verhütet Krankheit“. Gut zu wissen oder frei auf die heutige Zeit mit Diskussionen rund um Feinstaub & Co. übertragen: „Brot statt Böller!“

Wie informativ die eine oder andere Formulierung ist, darf wohl hinterfragt werden. Das wird auch am Beispiel des Artikels „Brasilianer fühlen sich bei uns sehr wohl“ deutlich. Sechs Theologen aus Brasilien waren vor 50 Jahren zu Gast in Stolberg und arbeiteten in den Dalli-Werken. Den Grund dafür – nämlich, dass sie sich etwas Geld für ihr Studium dazuverdienen wollten – erfährt man natürlich, wenn auch erst später im Text. Wichtig war dem Autor oder der Autorin damals folgende Tatsache: „Die jungen Männer, die sich in Rom auf den Priesterberuf vorbereiten, sind sehr fleißig und dankbar.“ Schön.

Fleißig war damals übrigens auch der Tennisspieler Rod Laver im Jahr 1969, wie am 10. September gemeldet wurde. Laver hatte nämlich kurz zuvor die US Open (Finalsieg gegen Tony Roche) gewonnen – und damit alle Grand-Slam-Turniere in diesem Kalenderjahr. Sein Preisgeld betrug 64.000 DM. Zum Vergleich: Rafael Nadal bekam für seinen US-Open-Sieg am vorigen Wochenende einen Scheck über umgerechnet etwa 3,4 Millionen Euro.

Ein Eschweiler in Mausbach

Ja, früher war dann doch auch manchmal weniger mehr. Nehmen wir nur einmal das Fernsehprogramm. Es gab Erstes Programm, Zweites Programm und – na, wissen Sie’s? – richtig: Drittes Programm. Und da noch Platz in der Zeitung war, wurde auch ein Film aus Holland, der um 21.05 Uhr begann, angekündigt. Im Ersten lief übrigens damals um 20 Uhr wenig überraschend die Tagesschau. Und danach? Zunächst die Sendung „Star unter Sternen“, die eine Begegnung mit der bekannten Zarah Leander versprach und im Anschluss „Die Moden-Show“. Antonia Hilke präsentierte dort die neue Pariser Herbst- und Wintermode – immerhin 45 Minuten lang. Schade, dass das Testbild nicht noch angekündigt wurde...

Gut anzukommen schien damals die Rede von Rektor Loven – zumindest in Mausbach. Der gebürtige Eschweiler, der dort tätig war, hielt bei einem Gottesdienst für die Jugend die Predigt und erinnerte damit eher an eine Büttenrede. Er begann so: „Liebe Freunde, ich hätte bald gesagt Hallo Fans. Ich habe das nicht getan mit Rücksicht auf die, die meinen, man dürfe in der Kirche nicht lachen und man müsse das Gesicht in Falten legen, als wären die Vorfahren die Bremsen am eigenen Leichenwagen.“ Tusch! Heiter ging es dann weiter. „Ihr seid nicht besser und nicht schlechter, ihr seid nur anders.“ Tusch! Und: „Hoffentlich sagt ihr nicht nachher, der hätte besser seinen Mund als eine Predigt gehalten.“ Tusch, Tusch, Tusch!

Mehr von Aachener Nachrichten