Stolberg-Schevenhütte: Das Herz des Vereins rollt weiter durch Schevenhütte

Stolberg-Schevenhütte: Das Herz des Vereins rollt weiter durch Schevenhütte

Sonnenschein, bunte Wagen und viele Besucher — besser könnte der Abschluss des Stolberger Karnevals kaum sein. Beim Veilchendienstagszug der CG Schevenhütte feiern am Nachmittag Hunderte Jecke ein letztes Mal in diesem Jahr unter dem Motto „Hurraaa — Wir leben noch — Schwein gehabt!!“ zusammen.

Bevor es losgeht, stehen die Kostümierten schon erwartungsvoll am Straßenrand. Zwei Jungs proben schon mal ihren Schlachtruf: „Alaaf“ und „Kamelle“ wollen sie gleich rufen, wenn der Zug an ihnen vorbeikommt. Über die Langerweher Straße quer durchs Dorf und wieder zurück werden die insgesamt 19 Wagen und Fußtruppen ziehen.

Um Punkt 16 Uhr ertönt der Glockenschlag der St.-Josef-Kirche — der Startschuss für den Karnevalszug. Allen voran fahren Prinz Patrick I. und sein Hofstaat, gefolgt von den anderen Stolberger Karnevalsgesellschaften. Die werfen alles, was das Zeug hält. Schließlich müssen beim letzten Karnevalszug alle Süßigkeiten raus, die noch da sind. Schon nach der ersten Durchfahrt des Zuges sind die Taschen vieler Besucher gut gefüllt.

Auch die Geschwister Luca und Jana Sänger haben schon eine Menge zusammen. In einem kleinen Wagen sammeln sie die Süßigkeiten, besonders das Spielzeug begeistert sie. „Wir sind zum ersten Mal hier und es gefällt uns gut“, sagt Claudia Sänger, die Mutter der beiden. „Der Zug ist gerade für die Kinder schön, weil hier mal nicht der Alkoholpegel im Fokus steht. Die Musik ist freundlich und die Stimmung zudem sehr offen.“ Besonders gut gefällt der Familie das Flair von Schevenhütte.

Damit meinen sie vor allem die alten Häuser des östlichsten Ortsteils Stolbergs, die aus örtlichem Schieferstein gebaut sind. Viele Besucher, die an diesem Nachmittag hergekommen sind, mögen die gemütliche Atmosphäre des Dorfes. „Wir kommen jedes Jahr hierher“, sagt Angela Joussen, die mit ihren Kindern vor Ort ist. „Es ist ein schöner, kleiner Zug. Hier stehen die Kinder nicht im engen Gedränge, sondern haben Platz und werden nicht geschubst.“

Doch nicht nur für die kleinen Jecken eignet sich der Schevenhüttener Zug. Auch für diejenigen, die in den anderen Umzügen mitgehen, ist es eine gute Gelegenheit mal selbst zuzuschauen: „Das ist der einzige Zug, den wir uns ansehen können“, erzählt Anja Fuß. „Das jährliche Treffen hier mit Freunden und Familie ist für uns schon zur Tradition geworden.“

Drohendes Ende

Eine Tradition ist der Schevenhütter Veilchendienstagszug tatsächlich. Schon seit vielen Jahrzehnten findet er jedes Jahr statt. Doch 2016 drohte nicht nur der CG Schevenhütte das Ende, sondern auch ihrem Veilchendienstagszug. Grund dafür war der Mangel an Nachwuchs: „Es konnte sich kaum noch jemand finden, der Zeit und Wille hat, sich zu engagieren“, erklärt Arné Holz.

Schließlich wurden alle Veranstaltungen der ältesten Karnevalsgesellschaft Stolbergs und sogar die Tanzgruppe aufgegeben. Doch der Zug blieb. „Wir haben uns mit fünf Leuten als Kern zusammengefunden und beschlossen, den Zug aufrecht zu erhalten“, sagt Holz. Das hat einen einfachen Grund: „Der Zug ist das Herz des Vereins.“ Holz würde sich wünschen, dass sich neuer Nachwuchs für die CG Schevenhütte findet und zukünftig wieder ein richtiger Verein heranwachsen könnte.

Darüber würden sich sicherlich auch einige Stolberger freuen. Denn auch wenn der Zug eher zu den kleineren zählt, ist er jedes Jahr aufs Neue gut besucht. „Die positive Resonanz freut uns dann natürlich“, sagt Holz. Auch in den nächsten Jahren will er den Zug weiterhin aufrechterhalten. Denn er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben — ganz nach dem Motto: „Hurraaa — Wir leben noch — Schwein gehabt!!“

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