Stolberg-Breinig: „Das alte Fahrrad” hat noch viele Freunde

Stolberg-Breinig: „Das alte Fahrrad” hat noch viele Freunde

Atmosphärischer hätte der dritte „Breiniger Wortsteinbruch” in der Gaststätte „Zum Rasch” kaum beginnen können: Wendelin Haverkamp schlug die Gitarrensaiten an, während Manfred Maurenbrecher dem E-Piano romantische Töne entlockte, und im Duett sangen sie den Maurenbrecher-Klassiker aus dem Jahr 1984 „In der Nachbarschaft”.

Weitere musikalische Höhepunkte sollten folgen, denn die brillanten Kompositionen Maurenbrechers, seine intelligenten, gefühlvollen Texte verliehen dem Abend eine besondere Klasse.

Der Liedermacher thematisierte Kunst und ihren Wert in Zeiten des zur kostenlosen „Selbstbedienung” einladenden Internets, begeisterte das Publikum mit dem Nostalgie versprühenden Titel „Sonntag” (2006), in dem er sich nach „dem Braten auf dem Herd...der Blasmusik im Radio und dem Bus, der niemals fährt” sehnt. Einmal mehr brandete tosender Applaus im „Rasch” auf, nachdem Maurenbrecher das Lied von der „Arbeit” leidenschaftlich präsentiert hatte. Ein Raunen ging durch die Zuhörer, als er „Das alte Fahrrad” anstimmte, und die poetischen Verse „Ihr seht den Kampf und seht die Wahrheit, ja, setz ruhig noch was drauf - da schiebt ein Mann sein altes Fahrrad, und die Hoffnung hört nicht auf” konnte mancher mitsingen.

Poetische Verse

Natürlich kamen auch die Wortbeiträge nicht zu kurz: Haverkamp hatte wieder einige interessante Neuigkeiten aus dem „Politkindergarten in Westzipfelcity” im Gepäck, zum Beispiel die „holzgewordenen Denkmäler der Kommunalpolitik” betreffend. Diese Bauzäune sollen in Aachen schöner werden, und „Event-Baustellen sollen den Bürgern Freude machen”. „Ich fordere, dass solche Ideen nicht den Politikern überlassen werden dürfen. Was bleibt denn sonst noch für uns Kabarettisten übrig”, mahnte Haverkamp.

Praktisch etablierte er seinen neuen, trendigen „Mitmach-Blog” gleich in der Breiniger Gaststätte, so dass die Gäste nicht zu Hause erst die Computer hochfahren mussten. Scharfzüngig widmete Haverkamp sich den in den Medien scheinbar allgegenwärtigen Verbrauchertipps und amüsierte das Publikum mit einer humoristischen Betrachtung der geballten technischen Errungenschaften in Kraftfahrzeugen: „Ist es nicht toll, dass Autos heute Warntöne von sich geben, weil Omas schwere Handtasche auf dem Beifahrersitz nicht angeschnallt ist?”

Auch dass Autos sich inzwischen selbst verriegeln, und ständig der Motor automatisch ausgeht, lobte er. „Letzteres geschieht aus Gründen des Umweltschutzes. Und wenn jemand in den letzten 100 Jahren etwas für die Umwelt getan hat, dann ja wohl die Autoindustrie”, betonte Haverkamp. Zu den Klängen seiner Gitarre erzählte er die rührende Geschichte eines Vierbeiners und sang den „Polizeihund-Blues”, überraschte die Gäste bei dem Song „Du müsstest dich mal von hinten sehen”, mit einem Happy End. Weitere Duette mit Maurenbrecher wie „Sag mir, wo die Dosen sind” hatten die Lacher ebenso auf ihrer Seite wie köstliche Dialoge.

So sollte der „andalusische Feldhase” deshalb so gut munden, da er frisch zubereitet werden sollte. Am Versuch, das Tier zu schlachten, scheiterte jedoch das kulinarische Projekt, und am Ende wird der Hase gefüttert. Frei nach Reinhard Mey verabschiedeten Haverkamp und Maurenbrecher sich mit „Über den Dächern muss der Taubendreck grenzenlos sein” nach einem Breiniger Wortsteinbruch von großem Format.