Bundeswehr und Naturschutz informiert

Truppenübungsplatz Buschmühle : Erneute Offensive auf größter „Gassi-Wiese“

Spitze Zungen behaupten, es ist Stolbergs größte Gassi-Wiese: Auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Buschmühle tummeln sich mehr Hunde als Soldaten. Die Auen-Landschaft des Münsterbaches und die Heideflächen im Brander Wald sind die Heimat europaweit seltener Pflanzen- und Tiergesellschaften – auch wenn diese in der Kupferstadt und ihrem Umfeld aufgrund der geogenen und industriellen Vergangenheit vergleichsweise reichhaltig anzutreffen sind.

Der Eisvögel brütet in den Höhlen der Steilwände des Bachlaufes, die Gelbbauchunke tummelt sich in Pfützen und Fahrspuren, das Galmeiveilchen blüht reichhaltig und die Borstgräser recken auf breitenFlächen üppig ihre Halme gen Himmel.

Das insgesamt rund 226 Hektar große Areal des Übungsplatzes für den Bundeswehr-Standort auf Stolberger und Aachener Stadtgebiet besteht aus einem Mosaik hochwertiger Lebensräume mit naturnahen Auen, mäandrierendem Bachlauf, Erlenbruchwäldern und Forstbeständen in Randlagen sowie seltenen Offenlandflächen.

 1975 wurden weite Teile des Geländes unter Naturschutz gestellt. Seit 2004 genießen 85 Prozent den Schutz als europäisches Fauna-Flora-Habitat. Und dennoch ist die Buschmühle ein beliebter Ausflugs- und Naherholungsort geblieben.

Immer wieder Konflikte

Das führte schon früher und auch heute immer wieder zu Konflikten zwischen den Belangen der Natur, dem Verhalten der Besucher und denen, die sich um den Schutz des Geländes kümmern müssen. Das sind in erster Linie die Bundeswehr und das Bundesforstamt, aber auch die Naturschutzbehörden der Städteregion und der Stadt Aachen. Gemeinsam mit dem Naturschutzverbund starteten sie jetzt eine neuerliche Informations- und Aufklärungsoffensive, denn es gelten für das Betreten des Geländes klare und strenge Regeln.

„Sie dienen dem Umweltschutz und den Auflagen, die der Bundeswehr obliegen“, sagt Oberst Klaus Engel, der als Standortältester verantwortlich ist für für den Standortübungsplatz. Denn einerseits gehen Gefahren aus vom dem militärischen Übungsbetrieb auf dem Gelände, das auch THW, DRK und Feuerwehr nutzen, und andererseits soll die Natur weiterhin bewahrt und ein Besuch durch die Zivilbevölkerung ermöglicht werden.

Nur der Umstand, dass der Zugang über Jahrzehnte hinweg gar nicht oder nur eingeschränkt erlaubt war und militärisch genutzt wurde, hat die selten gewordenen Biotope bewahrt. Dabei verzeichnet die Buschmühle eine vergleichbare Historie wie das 108 Hektar große Naturschutzgebiet Schlangenberg: beide entstanden auf Basis von Truppenübungsplätzen .

Wenn die rote Flagge am Eingang wehr, wird auf dem Standortübungsplatz geübt. Foto: Jürgen Lange

Seit 1937 nutzt das Militär die Buschmühle als Übungsraum, das Grubengelände des Schlangenbergs nutzten nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst belgische Truppen bevor auch dort die Bundeswehr das Kommando übernahm. Als der Schlangenberg 1975 unter Naturschutz gestellt wurde, wurden die dortigen Motocross-Veranstaltungen untersagt. Dennoch brausten früher uneinsichtige Motorsportler immer wieder mal über die Piste, so wie heute Spaziergänger verbotswidrig gelegentlich die Wege durch das FFH-Gebiet verlassen.

Als die Bundeswehr den Schlangenberg nicht mehr für Übungen nutzen musste, bat der Naturschutz die Soldaten, weiterhin mit schwerem Gerät über die Wege zu befahren: Damit die nährstoffarmen Pfützen in den Fahrspuren erhalten bleiben, die die Unken und Molche so lieben. 2011 wurden die ausufernden Kieferbestände gerodet, damit der Charakter der seltenen Natur erhalten bleibt.

Doch während die Rücksichtnahme auf Flora und Fauna am Schlangenberg überwiegend in den Köpfen der Besucher verankert ist, bietet die Buschmühle über die vergangenen Jahrzehnte hinweg immer wieder Konfliktpotenzial. Weil beispielsweise Halter ihre Hunde nicht an der Leine führen, Reiter verbotswidrig durch die Landschaft reiten oder Sperrzeiten missachtet werden.

Solche nährstoffarme Pfützen in Fahrspuren sind der ideale Lebensraum für die seltenen Gelbbauchunken. Foto: Jürgen Lange

Auf den Wegen bleiben

Auch die Buschmühle diente noch bis in die 1980er Jahre hinein als Geländestrecke für Pkw und Krad – bis mit steigenden Naturschutzauflagen auch dort die Sportevents untersagt wurden. Nach den ersten Unterschutzstellungen erarbeiteten in den 90er Jahren die Behörden Pflege- und Entwicklungspläne für die einzelnen Ziele des Naturschutzes.

Während es in diesen Jahren mehrfach zu kleineren Streitgesprächen zwischen Bundeswehr-Vertretern und uneinsichtigen Besuchern kam, verschärfte sich zur Jahrtausendwende die Situation. An manchen heißen Sommertagen glich die Bauaue gar einem Freibad.

2004 setzt der damalige Standortälteste, Obest Dieter Diekmann, im rahmen der Heraufstufung des Naturschutz- zu einem FFH-Gebiet zu einer ersten Informationsoffensive an. Einerseits gab es Gesprächstermine mit Nutzern, mit Gebotsschildern an den Zugängen wurden die Hinweistafeln des naturkundlichen Lehrpfads ergänzt, und unerwünschte Trampelpfade wurden mit schwerem Gehölz versperrt.

Wie hier 2004 mit Oberst Dieter Diekmann (r.) und Forstamtmann Helmut Münter versuchte die Bundeswehr immer wieder mit Informationen und lenkenden Maßnahmen den Auflagen des Naturschutzes gerecht zu werden. Foto: Jürgen Lange

Nun hat Oberst Klaus Engel nachgerüstet. Deutliche Verbotszeichen wurden ebenso installiert wie ausführliche Informationstafeln über die Schutzwürdigkeit des Gebietes, und dem farbig markiertem Wegenetz, das benutzt werden darf. „Die meisten Besucher halten sich an die Regeln“; konstatiert Engel. Nun wolle man auch die bisher Uneinsichtigen versuchen zu erreichen.

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