Stolberg: Bundeswehr rettet Gelbbauchunken mit dem Panzer

Stolberg: Bundeswehr rettet Gelbbauchunken mit dem Panzer

Wo andere zum Schutz der Tierwelt Kröten über die Straße tragen, da setzt die Bundeswehr Panzer ein. Und beweist, dass man mit einem 880-PS-Ungetüm namens „Leopard” nicht nur gestrandete Fahrzeuge bergen, sondern durchaus auch einen Beitrag zum Artenschutz leisten kann.

In der von der Natur vereinnahmeten Landschaft des Truppenübungsplatzes Buschmühle herrschte am Donenrstag nicht die sonst von Spaziergängern so geschätze Ruhe. Im Gegenteil, so mancher dürfte sich heftig erschreckt haben bei dem Lärm, den der in Aachen stationierte Bergepanzer da verursachte. Doch in diesem Fall diente der Eingriff in die Natur dem Schutz derselben.

Geholfen werden soll der in NRW nur noch äußerst seltenen und vom Aussterben bedrohten Gelbbauchunke. Die laicht gerne in frischen, kleinen Gewässern, wo ihre Kaulquappen sicher sind vor Feinden wie Libellenlarven, Fischen oder Fröschen.

Und weil sich erwiesen hat, dass militärisch genutzte Übungsplätze nicht nur eine oft hohe Artenvielfalt aufweisen, sondern gerade auf diesem in Buschmühle die Gelbbauchunke ideales Laichterrain vorfindet, hat Herbert Theißen von der biologischen Station der Städteregion kurzerhand die Bundeswehr angerufen: „Die Gelbbauchunke sucht sich immer Rohgewässer, wie sie entstehen, wenn sich in frisch gezogenen Panzerspuren kleine Tümpel bilden”, sagt Theißen.

Unterstützer für sein Anliegen, auf dem Gebiet der Stolberger Buschmühle noch einmal solche Rillen nachzuziehen und damit die Tümpel zu revitalisieren, , fand der Biologe in Friedrich Bauer, Leiter des Freiflächenmanagements des Aachener Dienstleistungszentrums der Bundeswehr, und dem zuständigen Oberstabsfeldwebel Nikolaus Neuville.

Diese erklärten sich bereit, alte Panzerfahrspuren noch einmal mit dem Leopard zu befahren. „Im Jahr 2002 ist das zum letzten Mal geschehen, danach hatten wir eine besonders hohe Population gezählt”, gibt Theißen zu Protokoll. Die ist in den folgenden Jahren aber erheblich zurückgegangen, auch weil der Übungsplatz nicht mehr von Panzern befahren wird.

Wurden in mühsamer Arbeit 2003 noch 103 ausgewachsene Exemplare gezählt, fanden die Naturschützer in diesem Jahr nur 28 Unken. „Wir haben sicher nicht alle erfasst”, sagt Theißen zwar, spricht aber dennoch von einem Alarmsignal: „Man sagt, dass eine Population ab 50 adulten Unken sicher ist.” Mit anderen Worten: Das Vorkommen der Unken im Münstertal ist akut gefährdet.

An festgelegten Stellen auf dem 226 Hektar großen Gelände hat der rund 40 Tonnen schwere Panzer am Donnerstag die verlandeten Spuren wieder befahren. „Dadurch wird der Boden verdichtet und die Verlandungsvegetation gestört”, sagt Friedrich Bauer.

„Im Laufe des Winters können sich die Spuren wieder mit Wasser füllen und im kommenden Sommer Laichgewässer bilden, wie die Gelbbauchunke sie liebt.” Ohne den Panzereinsatz drohten die Tümpel endgültig zu verschwinden - und damit auch elementare Teile des Lebensraums der Gelbbauchunke.

Die Unken selbst wurden am Donnerstag übrigens nicht gestört. Die Tiere sind nämlich längst in ihrem Winterquartier.