Bürger sammeln Anregungen für das „Herz der Liester“

Umgestaltung Geschwister-Scholl-Platz : Auf dem Weg zum sozialen Mittelpunkt

Auch wenn es wie ein Wahlkampf-Slogan klingt, war mit „Zurück zur Mitte“ die Ideenwerkstatt zur Umgestaltung des Geschwister-Scholl-Platzes betitelt. Denn im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes soll mit Fördermitteln der Platz nicht nur aufgewertet werden, sondern wieder als „Herz der Liester“ aufblühen und sowohl städtebaulich, als auch sozial in den Mittelpunkt rücken. Dementsprechend groß war das Interesse der Anwohner.

Rund 50 Bürger beteiligten sich aktiv an der Ideenwerkstatt und erarbeiteten in Gruppen Anregungen und Wünsche, die von den Landschaftsarchitekten des „Clubs L94“ in der Vorentwurfsplanung berücksichtigt werden sollen. Diese erste Planung mit Vorschlägen und Alternativen will das Architektenbüro Anfang 2019 präsentieren, und wieder sollen die Bürger mitreden dürfen, bevor Ende 2019 der Förderantrag eingereicht werden soll. Im Forum der Gesamtschule an der Walther-Dobbelmann-Straße sammelten die Teilnehmer an der Ideenwerkstatt im ersten Schritt eine Fülle von Vorstellungen.

Mehrere Stimmen betonten dabei, dass es mit der Umgestaltung des Geschwister-Scholl-Platzes nicht getan sein. Auch das Umfeld müsse aufgewertet werden. Dem stimmten die Beigeordneten Robert Voigtsberger und Tobias Röhm vorbehaltlos zu. Ganz oben auf der Wunschliste der Bürger stand ein einheitliches und vor allem barrierefreies Niveau des Platzes. Parkplätze sollten – auch für Menschen mit Handicap – ausreichend vorhanden sein, und bei der Platzgestaltung das Element Wasser aufgenommen werden. Für die Kirche St. Hermann Josef wünschen die Bürger sich eine soziale oder kulturelle Folgenutzung, die Freiflächen der Kirche sollen in das Gesamtkonzept für den Geschwister-Scholl-Platz mit einbezogen werden.

Einbezogen werden sollen auch die unmittelbaren Anwohner, wenn es um die Pflege des Platzes geht – etwa in Puncto Grünflächen und Beete. Ein mit einem Sozialarbeiter besetztes Quartiersbüro wurde diesbezüglich angeregt, ebenso ein Inklusions-Café. Grundsätzlich soll der umgestaltete Platz generationsübergreifend genutzt werden können, angefangen bei Kleinkindern mit Eltern über Jugendliche, für die es einen Treffpunkt geben soll, bis hin zu Senioren. Die Bürger wünschen sich zudem den Wochenmarkt zurück, regten Flohmärkte an, und der Platz soll so gestaltet werden, dass genügend Freiraum für Veranstaltungen bleibt. Auch eine Bühne wurde ins Spiel gebracht.

Die gelben Fähnchen auf dem Modell des Platzes sind mit den Anregungen beschriftet, die Bürger bei der Ideenwerkstatt rege gesammelt haben. Foto: Dirk Müller

Damit der Geschwister-Scholl-Platz kein Anziehungspunkt für zwielichtige Aktivitäten und Personen werde, sei eine gute Einsehbarkeit und ein entsprechendes Beleuchtungskonzept notwendig. An die Geschichte der namensgebenden Geschwister Hans und Sophie Scholl soll auf dem Platz erinnert werden, und eine Bushaltestelle sowie eine Mitfahrerbank sollen in das Konzept mit einfließen. Und der Zugang zum Platz über die Ardennenstraße könne wesentlich ansprechender gestaltet werden, meinten die Bürger.

Dass die leerstehenden Ladenlokale am Rande des Platzes bei den Anwohnern der Liester Begehrlichkeiten wecken, ist verständlich, dass Stadtverwaltung und Landschaftsarchitekten allerdings kaum Möglichkeiten haben, auf die privaten Besitzer einzuwirken, ist auch vorauszusehen. Nichtsdestotrotz könnten verbesserte Rahmenbedingungen ob des aufgewerteten Platzes Gewerbetreibende eher anlocken, als es heute der Fall ist. Denn ein Friseur und ein Kiosk werden von den Bürgern vermisst, und eine Eisdiele sowie eine Konditorei – beides am liebsten mit Außengastronomie – gewünscht.

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