Stolberg: Buch erzählt viele Geschichten aus dem anderen Stolberg

Stolberg: Buch erzählt viele Geschichten aus dem anderen Stolberg

Irene Nerlich dürfte auch im hiesigen Stolberg keine Unbekannte mehr sein. Schließlich hat sie in der gleichnamigen Partnerstadt mehr als 15 Jahre lang ein Restaurant geleitet und sich als Kommunalpolitikerin einen Namen gemacht.

Ihre Erlebnisse, die auch die DDR-Zeit einschließen, hat sie jetzt in einem 208-seitigen, reich illustrierten Buch festgehalten, das den Titel „Fräulein, bitte zahlen“ trägt. Ein Werk, das im hiesigen Stolberg sicherlich eine große Resonanz finden wird, weil der Kreis, der die Kontaktpflege mit der Südharzstadt betreibt, längst rund 500 Personen beträgt.

Sicherlich werde einige dabei in der Vergangenheit auch im „Harzhof Nerlich“ Station gemacht haben, den die Autorin mit ihrem Ehemann Hans-Dieter bis 2007 betrieben hat. Darum ist es nachvollziehbar, dass das Nerlich-Werk in begrenzter Auflage jetzt in der Rathausinformation und in der Stolberg-Touristik angeboten wird. Mit dem Buch hat sich die 76-jährige Autorin den langgehegten Wunsch erfüllt, neben der eigenen Lebensgeschichte auch Zeitgeschichte festzuhalten, die den Leser unter anderem in die DDR der 1970er und 1980er Jahre entführt.

Schließlich war Irene Nerlich, die aus Halle an der Saale stammt und ursprünglich Maschinenbau studiert hatte, schon zu DDR-Zeiten in der Gastronomie tätig und war dort für die Buchhaltung und Magazinverwaltung des Küchenbereichs zuständig. So hat sie im Rahmen ihrer Tätigkeit nicht nur große Interhotels kennen gelernt, sondern auch Staatsgäste wie beispielsweise Fidel Castro bewirtet und betreut.

Als Interhotels wurden zu DDR-Zeiten die Beherbergungsbetriebe der gehobenen Klasse bezeichnet, die vorwiegend Gästen aus dem „nichtsozialistischen“ Ausland als Unterkunft dienten. 1972 kam Irene Nerlich mit ihrem Mann nach Stolberg-Harz um dort die Leitung des heute noch bestehenden Hotels „Zum Kanzler“ zu übernehmen.

208 Seiten

Später waren die Nerlichs dann im „Café am Markt“ und im Hotel „Weißes Ross“ tätig. Die Wende im Jahr 1989 erlebte Irene Nerlich dann als Leiterin der Tourist-Information. Die daraus resultierenden Veränderungen führten die Gastronomin in die Kommunalpolitik und mündeten darin, dass die beiden Hotelfachleute schließlich 1992 mit dem „Harzhof“ den Schritt in die Selbstständigkeit wagten.

Diese Erlebnisse, angereichert durch viele Episoden und Anekdoten, hat die 76-Jährige einfühlsam und gekennzeichnet von einem gefälligen Schreibstil auf 208 Seiten zu Papier gebracht. Schwerpunkte des Buches ist die ostdeutsche Gastronomie vor und nach der Wende, sowie die damit verbundenen Erfahrungen.

Dabei wird dem Leser so ganz nebenbei vermittelt, dass die Autorin eine exzellente Organisatorin und Dekorateurin ist, die es versteht, auch bescheidene Mittel für ein hervorragendes Ergebnis zu nutzen. Ein hervorragendes Ergebnis ist auch das Kindermalbuch, das schon zu DDR- Zeiten entstanden war, aber erst nach der Wende veröffentlicht wurde.

Nachzulesen sind diese Geschichten in dem Buch: „Fräulein, bitte zahlen“, dass es nicht nur im Rathaus und in der Tourist-Information gibt, sondern auch bei Hubert Meeßen, Telefon 02402/88280, bestellt werden kann.

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