Stolberg: „Brotbilder“ zeigen die Entwicklung eines Künstlers

Stolberg: „Brotbilder“ zeigen die Entwicklung eines Künstlers

„Ich male keine Landschaften, ich mache welche.“ Dieses Zitat stammt von Karl Fred Dahmen. Am Sonntag wurde im Museum Zinkhütter Hof eine Ausstellung mit Ölgemälden und Zeichnungen aus der Anfangszeit des 1981 verstorbenen Stolberger Künstlers eröffnet.

Über viel Andrang im großen Saal des Museums freute sich vor allem Karl-Heinz Oedekoven, der die Ausstellung mit seiner Frau Christa organisiert hatte und durch das Programm führte. Nach seiner Begrüßung richtete auch Professor Paul Thomes, Vorstandsvorsitzender der Fördergesellschaft Museum Zinkhütter Hof, einige Worte an die Anwesenden. Thomes beschrieb Dahmen folgendermaßen: „Auf der einen Seite war er ein Stolberger, auf der anderen Seite ein Weltmensch.“

Nicht nur der Vorstandvorsitzende wünschte der Ausstellung viel Erfolg. Auch Patrick Haas, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Stolberg, ging in seiner Ansprache auf Dahmen und dessen Bedeutung für die Stadt ein und dankte den Organisatoren im Namen von Rat und Verwaltung.

Der künstlerische Nachlass von Karl Fred Dahmen wird seit dem vergangenen Jahr von seinen Enkelkindern Ina und Max Dahmen verwaltet. Natürlich waren auch sie zur Eröffnung der Ausstellung gekommen. Eine besondere Aufgabe wurde Enkeltochter Ina Dahmen zuteil. Sie ist die Kuratorin der Ausstellung und gab den Gästen einige ganz persönliche Einblicke in das Leben ihres Großvaters: So erzählte sie, dass sein Frühwerk zum größten Teil aus Auftragsarbeiten bestand, denen der Künstler keine große Aufmerksamkeit schenkte.

Zwar hat Ina Dahmen ihren bekannten Großvater nie persönlich kennengelernt — er starb ein Jahr vor ihrer Geburt — jedoch hinterließ ihre Großmutter ihr über 100 Briefe, die Karl Fred Dahmen seiner Frau während des Zweiten Weltkrieges schrieb. „So konnte ich meinen Großvater dann doch noch kennenlernen“, erklärte die Enkelin.

Rund 20 der insgesamt 50 ausgestellten Werke stammen aus dem Privatbesitz von Stolberger Familien. Dr. Adam C. Oellers vom Suermondt-Ludwig-Museum Aachen gab den Besuchern an diesem Tag eine Einführung in Dahmens Werk. Es sei nicht der allseits bekannte Karl Fred Dahmen, dessen Werke die Gäste in dieser Ausstellung sehen würden. „Es ist eine ausführliche Dokumentation seines Frühwerks vor der abstrakten Phase“, so Oellers.

Auch er berichtete, dass gerade die ersten Arbeiten eines Künstlers kaum Beachtung finden. „Viele Künstler wollen davon meist nichts mehr wissen.“ Die Frühwerke Dahmens seien so genannte Brotbilder, geschaffen für den leicht verkäuflichen Markt. Doch warum sollte man sich überhaupt mit ihnen auseinandersetzen. Oellers gab dafür gleich zwei Erklärungen. „Man lernt den Menschen ganz kennen und man lernt, wie sich der Künstler in seinem Werk entwickelt hat.“

Nach einer kleinen Stärkung gab es für die Gäste dann Por­träts und Aktzeichnungen, Gemälde von Wohnhäusern und der Stolberger Burg zu bewundern. Doch nicht nur Landschaften aus der Region konnten die Besucher anschauen: Karl Fred Dahmen hatte auch seine Reisen an die Nordsee, nach Frankreich und Italien verewigt. Die Gedächtnisausstellung ist bis zum 1. Februar sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 2 Euro.

(se)