Donnerberg : Holzernte mitten in der alten Siedlung

Knapp zwei Jahrzehnte liegt es zurück, da betrachtete der damalige Kämmerer die Waldstreifen in der Donnerberger Siedlung noch als Kapitalanlage: Gute drei Millionen Euro wollte er laut Haushaltssanierungskonzept mit einem Verkauf aus Bauland zur Sanierung von Stolbergs marodem Stadtsäckel einnehmen.

Gescheitert ist sein Plan, weil sich keine politische Mehrheit finden ließ, die Grünstreifen abzuholen. Im Gegenteil: Nach einem Antrag auf Landschaftsschutz 2006, der aber aufgrund der Auflagen zurückgezogen wurde, versprach 2010 der Stadtrat nicht nur, die Grünstreifen zu erhalten, sondern wies sie ganz offiziell als Wald im städtischen Forsteinrichtungswerk aus. Seitdem darf dies nur mit Genehmigung der Forstbehörden und unter Ersatzpflanzungen geändert werden.

Und dennoch wird in diesen Tagen im Donnerberger Wald gerodet. Die Trockenheit des vergangenen Jahres und der Borkenkäfer sind es schuld. Wie in vielen weiteren Revieren des Stadtwaldes muss Förster Theo Preckel auch auf dem Donnerberg handeln, um dem Forstschädling bekommen zu können. Ein Forstunternehmen aus Simmerath ist am Dienstag mit einem Harvester angerückt, um befallene und tote Bäume zu entnehmen.

Das ist eine spezielle Maschine zur Holzernte, die die Bäume fällt und gleich in die gewünschten Längen sägt. In dem dicht bewachsenen Waldstreifen zwischen der Donnerberger Grundschule, Michael-, Heidestraße und Lupinenweg kommt eine kleinere Version des Harvesters zum Einsatz. Denn Preckel will möglichst nur die betroffenen Bäume auf den rund fünf Hektar entnehmen. Die Masse des Laubholzbestandes soll nicht nur erhalten bleiben. „Er wird sich in Zukunft auch besser und kräftiger entwickeln können“, sagt der Förster. Wo erforderlich, will er mit größeren Bäumen nachpflanzen.

Überall an den Nadelbäumen hat es sich der Borkenkäfer unter der Rinde gemütlich gemacht. Foto: Jürgen Lange

Allerdings sind bereits auch eine Reihe der durstigen Birken betroffen und bereits abgestorben. Die Nadelhölzer – vor allem Fichten und Douglasien – sollen komplett geerntet werden, weil sich der Borkenkäfer längst kräftig ausgebreitet hat.

Die Schulferien und das trockene Wetter sind der Anlass, die Arbeiten in diesen Tagen auszuführen. Das dient einerseits der Sicherheit während der Arbeiten in dem  großräumig abgesperrten Waldstück mitten in der Siedlung, das die Donnerberger gerne nutzen. Andererseits wird durch das trockene Wetter der Waldboden durch den Maschineneinsatz nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen.

Förster Theo Preckel plant, in Teilen des Grünstreifens neue Bäume anzupflanzen. Foto: Jürgen Lange

Gleichwohl hinterlässt so ein Harvester seine Spuren in den Beständen. Deshalb lässt Preckel sie im Nachhinein noch aufarbeiten. Bei der Ernte der geschädigten Bäume lässt der Förster die Stämme gleich so parat schneiden, dass sie möglichst noch verwertet werden können.

Die besseren Stämme können noch als Profilzerspanerholz dienen: Sie werden passgenau zu Brettern zugeschnitten, wobei der Verschnitt meist noch der Papierindustrie zugeführt werden kann. Schlechtere Teile der Ernte können noch für die Herstellung von OSB- oder Spanplatten verwandt werden.

Selbst eine Reihe von Birken ist nach dem trockenen Sommer abgestorben. Auch sie werden gefällt. Foto: Jürgen Lange
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