Digitalisierung der Medizin: Bethlehem Gesundheitszentrum präsentiert Tele-Intensivmedizin-Visite für Besucher

Digitalisierung der Medizin : Bethlehem Gesundheitszentrum präsentiert Tele-Intensivmedizin-Visite für Besucher

Die Digitalisierung macht vor keinem Bereich mehr Halt. Überall werden neue Technologien entwickelt und eingesetzt - so auch in der Medizin. Ganz vorn dabei ist das Bethlehem Gesundheitszentrum, das sich vor allem in der Intensivmedizin mit der Tele-Visite engagiert.

Da viele Menschen sich noch nichts darunter vorstellen können, hat das Krankenhaus anlässlich des Tages der Patientensicherheit den Fokus auf Digitalisierung gelegt. Im Foyer konnten Besucher sich ein Bild von der Arbeit mit den neuesten Technologien machen. Ein Schwerpunkt lag auf dem Einsatz der Tele-Visite, die anhand eines Dummy-Patienten simuliert wurde.

Bei diesem handelte es sich um einen 67-jährigen Mann, der mit Atemproblemen in die Notaufnahme eingeliefert wurde. Der zuständige Arzt hat ihn bereits ins künstliche Koma versetzt, nun soll durch die Tele-Visite festgestellt werden, wie die Behandlung am besten weitergehen soll. Dazu melden sich Oberarzt Andreas Bootsveld und Stationsleiter Bernd Meuthen bei der Zentrale im Aachener Uniklinikum. Dort sitzt Anke Offermann, die bereit ist, die Situation des Patienten gemeinsam mit den Ärzten vor Ort zu analysieren und dann zu bewerten.

Die Kommunikation funktioniert über eine HD-Kamera, die sowohl die Kollegen in Stolberg als auch in Aachen steuern können. So können die Experten in rund 20 Kilometer Entfernung jedes Detail genau unter die Lupe nehmen, auch zoomen oder den Patienten Fragen zu stellen ist grundsätzlich möglich - sofern diese ansprechbar sind.

Ärzte und Patienten zufrieden

Die Erfahrung, die die Mitarbeiter im Bethlehem-Krankenhaus in den letzten gut zwei Jahren gemacht haben, sind im Grunde durchweg positiv. „Die Patienten schätzen das Prinzip sehr, es gibt ihnen Sicherheit“, erklärt Bootsveld, der Projektleiter der Televisite in Stolberg ist. Sowohl Angehörige als auch die Patienten selbst hätten das Gefühl, dass alles zur Verfügung steht, was die Medizin hergibt.

Dazu gehört auch das Forschungswissen der Unikliniken, das den Krankenhäusern sonst verwehrt bliebe. In Nordrhein-Westfalen nehmen insgesamt 20 Krankenhäuser und zwei Unikliniken an der Studie teil, bei der die Telemedizin getestet wird. Aachen und Münster betreuen jeweils zehn Krankenhäuser. Die Visiten im Bethlehem-Krankenhaus werden vom Aachener Uniklinikum aus begleitet.

Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, Meuthen freut sich über den kollegialen Austausch über das eigene Haus hinweg. Es eröffne beiden Seiten oft noch neue Perspektiven. Die Kollegen auf der anderen Seite seien außerdem selbst in praktischer Arbeit, es handelt sich um Oberärzte, die im Wechswel eine Woche in der Zentrale verbringen. „Es geht nicht um das reine Bücherwissen, sondern auch um Erfahrungswissen“, ist sich Bootsveld sicher. Er hält es für wahnsinnig wichtig, dass auch ein Praktiker weiterhilft. Die reine Theorie reiche ab einem gewissen Punkt nicht mehr aus. Der Oberarzt weiß: „Bei ethischen Entscheidungen hört es mit Checklisten auf.“

Einen weiteren Vorteil sieht Bootsveld in der Kontrolle. „Falls im Stress mal etwas untergehen sollte, ist immer jemand da, der nochmal draufguckt“, so der Projektleiter. Außerdem sei die Treue zu den Leitlinien im Mehr-Augen-Prinzip noch etwas größer.

Wenn man Bootsveld nach den Nachteilen der neuen Technologie fragt, muss er lange überlegen. Wirkliche Probleme wollen ihm beim besten Willen nicht einfallen, „höchstens, dass es mit Mehrarbeit verbunden ist, die etwas Zeit kostet.“ Dabei handelt es sich um das Anlegen eines elektronischen Datenblatts, das die wichtigsten Organfunktionen wiederspiegelt und in einem Punktesystem funktioniert.

Das Fazit fällt jedoch absolut zufrieden aus. Meuthen findet: „Es vereinfacht die Arbeit ganz deutlich und macht sie zusätzlich noch sicherer.“ An digitalisierten Abläufen komme in den nächsten Jahren niemand mehr vorbei. Schmunzelnd fügt er hinzu: „Wenn mal ein Computer ausfällt, ist das natürlich nervig, aber genau so ein Problem ist es, wenn man die Handschrift des Arztes nicht lesen kann.“

Das Team um Bootsveld erhofft sich durch den Einsatz der Tele-Visite auf der Intensivstation, dass die Sterblichkeit sinkt und sich die Aufenthaltsdauer verringert. „Von der ersten Stunde an standen wir inhaltlich hinter der Telemedizin“, so der Oberarzt.

„Ich würde es auf jeden Fall nutzen“

Die Besucher, die am Tag der Patientensicherheit ihren Weg ins Foyer des Bethlehem-Krankenhauses fanden, waren sichtlich interessiert an den innovativen Möglichkeiten. Einer von ihnen war Wolfgang Reuter, der aus privater Neugier gekommen war. Er arbeitet in der IT-Branche und verfolgt die Entwicklung im medizinischen Bereich seit einiger Zeit aufmerksam.

„Mein erster Eindruck ist sehr positiv“, betont er. Reuter sei sicher, dass es zur Verbesserung des Patientenbefindens beitrage. Er selbst würde von der Tele-Visite Gebrauch machen, wenn er in die Situation käme: „Ich würde es auf jeden Fall nutzen!“ Gedanken über die Privatsphäre macht er sich keine, er gehe davon aus, dass die Patientendaten vertraulich behandelt würden.

Diese Vermutung kann Meuthen bestätigen. „Land und Klinikum können es sich nicht leisten, dass eine Datenpanne passiert.“, erklärt der Leiter der Intensivstation. Die Daten seien alle geschützt und könnten niemals Patienten zugeordnet werden, da keine Namen in die persönliche Akte im System eingetragen werden. Trotzdem weiß Meuthen: „Das ist eine Riesenherausforderung für die EDV!“

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