Stolberg: Bethlehem-Gesundheitszentrum: Der neue Chef als Überraschungsgast

Stolberg : Bethlehem-Gesundheitszentrum: Der neue Chef als Überraschungsgast

Mit der großen Neuigkeit hielt Dr. Arif Mirza nicht lange hinterm Berg. Kurz nachdem der kommissarische Leiter der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Stolberger Bethlehem-Gesundheitszentrum die Teilnehmer am Infoabend über Gelenk-Prothesen willkommen geheißen hatte, wies er auf den Mann im schwarzen Anzug neben ihn.

„Das ist Dr. Herbert Röhrig, derzeit noch Leitender Oberarzt in der Bonner Uniklinik. Zukünftig wird er zu meiner großen Freude als Chefarzt in unserem Haus tätig sein.“ Das Rätselraten um den Nachfolger des im Streit ausgeschiedenen Professor Dr. Klaus Bläsius hat somit — für Beobachter überraschend und in der Art eher beiläufig — ein Ende.

Vieles an dem Infoabend (Mirza: „Wir wollen mit Ihnen über Qualität in der Medizin und in der Endoprothetik reden“), den Röhrig mit Orthopädie-Oberarzt Dr. Ralf Münker gestaltete, wirkte, als sei der Kompetenz und der Persönlichkeit Röhrigs ein Podium bereitet worden. Doch bevor er schon mal durchblicken ließ, wohin mit ihm im Krankenhaus die Reise hingehen soll, gab der „Neue“ einmal Einblick darin, was ihn veranlasst hat, vom Rhein in die Kupferstadt zu wechseln.

Ausdrücklich bekannte sich der ausgewiesene Fachmann für Gelenkchirurgie zu den „Wurzeln meiner Familie in Aachen“ und berichtete, sich das Brot der frühen Jahre als junger Mediziner im St.-Antonius-Krankenhaus zu Eschweiler und in der Aachener Uniklinik verdient zu haben. Seine große Freude: „Ab 1. Juni darf ich wieder in der Heimat arbeiten.“

Selbstbewusst und dabei in einer nicht bloß Kollegen verständlichen Sprache stellte Röhrig alsbald sein Können und seine Vision von der Entwicklung der Orthopädie im Zusammenwirken mit anderen Abteilungen des Gesundheitszentrums dar.

Dass es in Bonn im Jahr 750 Operationen mit Gelenkersatz gibt, rund 350 Mal davon durch ihn, ließ der Neu-Stolberger genau so wenig unerwähnt wie die Tatsache, dass er als so genannter Auditor über die Zertifizierung von Krankenhaus-Abteilungen als „Endoprothetik-Zentrum“ mit hohen Qualitätsstandards wacht. Kein Zweifel: Unter Röhrigs Leitung soll auch das Bethlehem, das das Gütesiegel von der Organisation „EndoCert“ bereits erhalten hat, den Mitbewerbern vor allem aus Simmerath und Eschweiler Paroli bieten.

Im nachfolgenden Gespräch mit den rund 50 Zuhörern in der „Essbar“ des Gesundheitszentrums zeigte der Chefarzt in spe, dass er nicht nur im medizinischen Bereich beschlagen ist und darüber fachlich wie rhetorisch tadellos referieren kann, sondern auch in freier Rede sein Tun und seinen Berufsstand zu vertreten weiß.

Ohne mit der Wimper zu zucken oder die Stimme zu heben, gab er einem Teilnehmer Kontra, der da meinte, Ärzte schielten doch ohnehin nur auf das, was ihren Geldbeutel füllt. „Ob ich 350, 50 oder null Operationen vornehme, wirkt sich nicht auf mein Konto aus“, entgegnete Röhrig sachlich.

Im Anschluss an die Ausführungen seines Vorredners und künftigen Chefs (der in Köln geboren wurde und in Hückelhoven aufgewachsen ist) vermittelte Oberarzt Münker seinen Zuhörern, warum Gelenkersatz notwendig wird und wie Endoprothesen auf dem Operationstisch dem Körper des Patienten einverleibt werden.

Auch hier herrschte eine zugängliche Sprache, die jedweder Angst vor dem Eingriff die Spitze nahm. Infoabend wie der im Bethlehem-Gesundheitszentrum geben den Zuhörern ein Gefühl der Sicherheit — und zeigen, dass die Experten hier den Elfenbeinturm der „Halbgötter in Weiß“ schon lange verlassen haben.

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