Bestattungen: Lieber beerdigen statt verbrennen

Allerheiligen : Bestattungskultur: Lieber beerdigen statt verbrennen

Der Anteil der Feuerbestattungen steigt. Grund dafür sind hohe Kosten für Erdgräber und ihre aufwendige Pflege. Die Verstreuung der Asche wird aber dennoch zelebriert – manchmal auf ganz ungewöhnliche Weise.

Der Ballon fliegt weit hinauf in den Himmel. Irgendwann, wenn er längst nicht mehr von der Erde aus zusehen ist, wird er platzen und die Asche, die er in sich trägt, zerstreuen. Eine Bestattung im Heliumballon ist nur eine von vielen ungewöhnlichen Möglichkeiten, einem Menschen die letzte Ehre zu erweisen.

An sich sind den Wünschen wenig Grenzen gesetzt, erklärt die Bestatterin Iris Braun aus Stolberg. Das Verstreuen der Asche auf See, aus dem Flugzeug oder in den Schweizer Bergen sind genauso möglich, wie einen Teil der Asche in einem Diamanten verarbeiten zu lassen. Allerdings sind solche speziellen Anfragen eher die Ausnahme, sagt die Bestatterin, die meisten ihrer Kunden würden sich eher für eine einfache Bestattung entscheiden.

Das bedeutet auch, dass die klassische Beerdigung im Sarg unbeliebter wird: „Etwa 90 Prozent sind Feuerbestattungen“, schätzt die Stolbergerin. Ein Trend, der nicht nur für die Kupferstadt gilt: Seit Jahren wächst in Deutschland der Anteil der Verbrennungen. Wegen der steigenden Nachfrage eröffneten in den vergangenen acht Jahren 20 neue Krematorien in der Bundesrepublik.

Das hat einen einfachen Grund: Urnengräber sind deutlich günstiger als Erdgräber. So liegen die Gebühren in Stolberg bei 4282,45 Euro für ein Einzelgrab und 2622,90 Euro für ein Urnengrab. Im Vergleich zu anderen Städten gelten diese Preise als sehr hoch. Das liege vor allem daran, dass es in Stolberg 16 Friedhöfe gibt, die bewirtschaftet werden müssen, meint Iris Braun.

Aber sie stellt auch fest, dass die Menschen heute nicht mehr bereit sind, viel für eine Bestattung auszugeben: „Die Bestattungskultur hat nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher“, weiß Braun, die seit 34 Jahren in ihrem Beruf ist. Außerdem ist ein Urnengrab wesentlich pflegeleichter als ein Erdgrab. Auch die Ruhefrist spiele eine Rolle bei der Entscheidung, erklärt die Expertin. Die liegt nämlich für Erdgräber bei 30 Jahren und Urnengräber bei 20 Jahren. „Wenn die Angehörigen selbst schon alt sind, befürchten sie, dass sie sich nicht mehr um das Grab kümmern können.“

Dennoch gibt es auch noch diejenigen, die sich für eine klassische Beerdigung entscheiden. Dabei wird es für einen Bestatter noch intimer, als es der Beruf sowieso schon her gibt. Denn neben der Beratung der Angehörigen und der Planung der Trauerfeier muss ein Bestatter sich bei einer Beerdigung im Sarg auch um den Leichnam kümmern. Dieser wird eingebettet, hygienisch versorgt und angekleidet. Die Verbrennung dagegen wird extern von einem Krematorium übernommen.

Dass man sowohl den Verstorbenen als auch Angehörigen sehr nah kommt, hat Iris Braun nie etwas ausgemacht. Sie ist damit aufgewachsen, führt heute in dritter Generation das Bestattungsunternehmen, das ihr Großvater 1960 gründete. „Ich kenne es gar nicht anders“, sagt die 53-Jährige. „Für mich ist es das Wichtigste, die Angehörigen nicht allein zu lassen.“ Daher gehört es für sie auch zum Job immer ein offenes Ohr zu haben. Viele Kunden erzählen private Dinge aus dem Leben, lange Krankheitsgeschichten oder sprechen über ihre Gefühle. „Man baut gegenseitiges Vertrauen auf“, beschreibt es Braun.

Als Bestatterin hört sie viele traurige Geschichten, trennt aber Berufliches von Privatem. Dennoch auch nach vielen Jahren Berufserfahrung gehen ihr gewisse Geschichten nahe, vor allem wenn es um Kinder geht, sagt sie. 

Aber genauso gibt es auch Fälle die zum Schmunzeln bringen. „Ich könnte ganze Bücher schreiben“, sagt Braun. Sie unterliegt aber natürlich der Schweigepflicht. Was zunächst vielleicht kurios wirkt, aber nichts Ungewöhnliches sei, ist die Bestattung im Karnevalskostüm. „Der Wunsch kommt öfters mal. Karnevalslieder laufen dann aber natürlich nicht bei der Beerdigung.“