Stolberg: Bahnhof Breinig bleibt auf der Wunschliste

Stolberg: Bahnhof Breinig bleibt auf der Wunschliste

Im Herbst werden sie wieder unterwegs sein: Die Talent-Züge der Euregiobahn werden von der Altstadt aus den Breiniger Bahnhof ansteuern.

Das Aachener Obstwiesenfest am 7.September in Breinig sowie die Kupferstädter Stadtparty in der Innenstadt sind die Anlässe, an denen der Aachener Verkehrsverbund (AVV) das Potenzial des vorhandenen Gleisnetzes einmal mehr ausnutzt.

Der über den Haltepunkt Altstadt hinaus führende Schienenstrang wird außerhalb solcher Sonderfahrten lediglich von Güterzügen benutzt, die den Umschlagpunkt Rüst mit langsamen Tempo ansteuern.

Denn Gleisbett wie Viadukte sind mehr als sanierungsbedürftig, falls sie einen regulären Personenverkehr bewältigen sollen. Dafür fehlen zurzeit zwar die Finanzen, aber dennoch mehren sich die Zeichen, dass die Chancen auf eine Reaktivierung der Schienenverbindung von Stolberg nach Breinig und darüber hinaus nach Eupen mittelfristig ein Thema wird.

„Nicht kurzfristig”

„Allein schon wegen der weiter steigenden Energiepreise”, sagt Thomas Fürpeil. Der Geschäftsführer der Stolberger Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) würde am liebsten „so schnell wie möglich eine Haltestelle” in Breinig in das Netz der Euregiobahn integrieren. Denn die Frequenz des Personenverkehrs auf der Schiene ist „absolut erfreulich”.

Und mit wenn im Dezember 2010 der Ring der Euregiobahn mit dem Abschnitt zwischen Stolberg und Alsdorf geschlossen ist, „erwarten wir einen weiteren Sprung in der Personenbeförderung”, verweist Fürpeil allein schon auf die Pendler aus dem Nordkreis, die Köln erreichen wollen. Und das gelte vergleichbar auch für das Münsterländchen.

„Ein Haltepunkt in Breinig würde das Potenzial an Fahrgästen für die Euregiobahn deutlich steigern”, unterstreicht Fürpeil. „Wir stehen jedenfalls Gewehr bei Fuß”, lässt Fürpeil durchblicken, dass die EVS sich durchaus auf einen Einsatz vorbereitet. Was fehlt, seien lediglich ein Auftraggeber bzw. die öffentliche Ko-Finanzierung.

„Die sind kurzfristig aber nicht in Sicht”, bremst Hans-Joachim Sistenich die Erwartungshaltung. Der Geschäftsführer des AVV hatte als Auftraggeber für den Öffentlichen Personennahverkehr bereits einen deutlichen Schwund an Zuschüssen bei der Realisierung des großen Zielkonzeptes Euregiobahn zu verdauen. „Das bis 2011 abzuschließen ist bereits ein Kraftakt”.

Die Neubaustrecke von Weisweiler nach Langerwehe soll im Sommer 2009 in Betrieb gehen. Ende 2010 soll der Ringschluss zwischen Alsdorf und Stolberg erfolgt sein. Ebenfalls soll die Strecke zwischen Heinsberg und Lindern reaktiviert und die niederländischen Strecken über Herzogenrath an Aachen angebunden sein. „Und angepackt werden muss das Problem zwischen Düren und Aachen”, so Sistenich, wo auf zwei Gleisen regionaler und internationaler Güter- und Personenverkehr auf nur zwei Gleisen um ein Fortkommen kämpfen - „bei stetig wachsendem Aufkommen”, warnt Sistenich vor einem Kollaps.

Doch im nächsten Jahrzehnt kann die Anbindung Breinigs durchaus in den Fokus rücken - ebenso wie eine Linie in die Aachener City. „Wir halten alle Türen offen”, betont Sistenich. Vor dem Hintergrund der Klimadiskussion und vor allem durch die Entwicklung der Rohstoffpreise dürfte der Handlungsbedarf im Personennahverkehr deutlich an Dynamik gewinnen.

Belgische Pläne

Für Dynamik auf der Strecke zwischen Stolberg über Breinig nach Eupen sorgen derweil die ostbelgischen Nachbarn. Während Tourismusminister Bernd Gentges die Umwandlung des Vennbahnnetzes in das wohl größte internationale familienfreundliche Radwegenetz zwischen Eupen, Monschau und Luxemburg bis Ende 2011 forcieren will, ist ausdrücklich der Schienenstrang in Richtung Kupferstadt davon ausgenommen. Dabei hat Gentges weniger die Möglichkeiten als touristischen Zubringer nach Eupen im Blick, denn wirtschaftliche Interessen.

In Raeren residiert ein Eisenbahn-Ausbesserungswerk an der Strecke, und die belgischen Eisenbahnen liebäugeln mit einer Umgehung des Nadelöhrs Aachen im Güterverkehr: via Eupen und Stolberg in Richtung Rhein - ein Plan, der bei der IHK zu Aachen auf offene Ohren stößt. Und so würde auch der Bahnhof Breinig eine ungeahnte Resonanz finden.

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