Stolberg: „Ausbruch der Leidenschaft”: Blicke auf den weiblichen Körper

Stolberg: „Ausbruch der Leidenschaft”: Blicke auf den weiblichen Körper

Eine eindeutige, manchmal zweideutige künstlerische Sicht auf die Frauen erleben Besucher derzeit in der Steinweg-Galerie. Unter dem Motto „Ausbruch der Leidenschaft” präsentieren dort vier Künstler ihre Werke, die geprägt sind von sichtbarer Vielfalt und sinnlichem Reiz.

Alle ausgestellten Bilder und Skulpturen eint dabei vor allem eins: nämlich der Blick auf den weiblichen Körper.

„Die Ausstellung ist vielleicht für Stolberger Verhältnisse gewagt.” Diese Gedanken von Hans-Werner Schmidt, der bei der Vernissage am Sonntag Mittag die einführende Rede hielt, mögen wahrscheinlich manchem Besucher durch den Kopf gegangen sein. Dennoch: Mit den ausgestellten Werken hat das Galeristen-Ehepaar Christa und Karl-Heinz Oedekoven ein Stück weltläufige Selbstverständlichkeit in seine Galerie am Steinweg geholt. Vier Künstler haben die Oedekovens dazu in einer vielfältigen Ausstellung zusammengeführt.

Eine Art Fortsetzung

Hans-Werner Schmidt, Leiter der Eschweiler Volkshochschule und zugleich privater Kunstsammler, erinnerte in seinen einführenden Worten zuerst an die letzte Ausstellung in der Steinweg-Galerie, deren Titel „Mädels, Models und Madonnen” lautete.

„Mit der neuen Ausstellung "Ausbruch der Leidenschaft" erleben wir jetzt sozusagen eine Art Fortsetzung, nämlich die Sicht auf Frauen - Frauen im Allgemeinen und Frauen im Besonderen”, machte Schmidt, der kurzfristig als Redner für die erkrankte Kunsthistorikerin Dr. Marga van den Heuvel eingesprungen war, deutlich. „Hierbei stehen Menschen im Mittelpunkt, manchmal schön, manchmal erotisch, manchmal auch beunruhigend grenzüberschreitend”.

Den Titel „Ausbruch der Leidenschaft” hat die insgesamt siebte Ausstellung in der Steinweg-Galerie den Marmorskulpturen von Georg Viktor zu verdanken. Der Bildhauer befreit vollendet schöne Frauenkörper vom überflüssigen Marmorgestein aus den Carrara-Steinbrüchen.

Seine „Karyatiden” sind Skulpturen mit einer weiblichen Figur und thematisieren den sinnlich-erotischen Bereich des menschlichen Körpers. Neben freien Arbeiten führt Georg Viktor auch Auftragsarbeiten durch. „Nähere Auskünfte erfragen Sie bitte im Anschluss beim Künstler - aber bitte nur unter vier Augen”, meinte Schmidt zu möglichen Interessenten schmunzelnd.

Bei den Werken von Antonio Máro und seinem Sohn Rafael Ramirez Máro entdeckt man trotz der Verschiedenartigkeit eine gewisse geistige und künstlerische Seelenverwandtschaft. In den Malereien von Antonio Máro, dem Senior, sind figürliche Elemente, wenn überhaupt, nur sparsam eingesetzt: Es überwiegt eindeutig seine eigenständige Art, eine Art Bildsprache.

Rafael Ramirez Máro, von Kindesbeinen an in der Werkstatt des Vaters neugierig und immer aktiv, hat seinen eigenen Weg der Verschmelzung abstrakter Bildelemente mit altmeisterlichem Realismus gefunden.

Extra aus Madrid zur Ausstellungseröffnung angereist war Alejandro Decinti, der in Stolberg eine Auswahl seiner erotischen Ölgemälde präsentiert. „Er hat Arbeiten mitgebracht, die geistreich auf sinnliche Erotik anspielen und damit Entdeckungsreisen zum menschlichen Körper signalisieren”, erläuterte Hans-Werner Schmidt.

Bürgermeister Ferdi Gatzweiler lobte in seinen Grußworten vor allem das Engagement von Christa und Karl-Heinz Oedekoven: „Sie beide haben etwas erreicht, womit ich ehrlicherweise nie gerechnet hätte”, sprach der Bürgermeister das Galeristen-Ehepaar direkt an. „Nämlich in privater Initiative Kunst für viele Menschen in unserer Stadt erlebbar zu machen”.

Daher brauche Stolberg auch weiterhin solche Ausstellungen mit einer so hervorragenden Akzeptanz - eine Bitte, der Christa und Karl-Heinz Oedekoven auch zukünftig sicher gerne nachkommen. Musikalisch untermalt wurde die Vernissage vom Gitarristen Alexander Ramirez, der mit seinem Gitarrenspiel und südländischen Melodien die Gäste begeisterte.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis einschließlich 31. Dezember, Öffnungszeiten der Galerie am Steinweg 1-11: freitags 16 bis 19 Uhr, samstags 12 bis 17 Uhr und sonntags 14 bis 17 Uhr.