Stolberg: Aus Shanghai nach Stolberg: Selma liebt Wurst und Gummibärchen

Stolberg: Aus Shanghai nach Stolberg: Selma liebt Wurst und Gummibärchen

Selma kommt aus der Millionenstadt Shanghai und fühlt sich rundum wohl in Stolberg. Kein Wunder, der Ballungsraum der chinesischen Hafenstadt hat knapp 25 Millionen Einwohner, dagegen ist die Kupferstadt mit ihren rund 58.000 doch recht überschaubar. Zwei Monate ist die 16-Jährige nun schon hier. Sie lebt bei Familie Drummen. Heimweh? „Habe ich nicht mehr“, sagt sie und lacht herzlich.

In Wirklichkeit heißt Selma Mengyuan Zhang, aber wenn man als chinesischer Austauschschüler in unsere Breitengrade komme, gebe es meistens einen europäischen Namen. Und da hat die junge Dame sich kurzerhand ein Namenbuch geschnappt, geblättert und auf den ersten Namen getippt.

„Gut, dass es kein Jungenname war, zum Beispiel Thomas“, scherzte Ferdi Gastweiler am Dienstag. Und die 16-Jährige antwortete dem Bürgermeister nur grinsend: „I was lucky“ (ich hatte Glück).

„Stolberg gefällt mir sehr gut!“

Glück hat die Austauschschülerin, die die 10. Klasse des Goethe-Gymnasiums besucht, auch mit ihrer Gastfamilie. Sie lebt die nächsten Monate bei Annette und Helmut Drummen. Die Eltern von fünf Kindern sind „Austausch und China erprobt“. Malte war in Ningbo, der chinesischen Partnerstadt von Aachen, zu der auch das Bethlehem-Gesundheitszentrum engen Kontakt hält.

Till hat Erfahrungen in Neuseeland sammeln können, während Arne zurzeit im argentinischen Buenos Aires weilt. Tochter Katja hat es nicht ganz so weit verschlagen, allerdings wohnt sie in Hamburg. Die Jüngste aus dem Hause Drummen, Wiebke, wohnt zuhause und hat mit 13 Jahren noch etwas Zeit, bevor es für sie vielleicht auch ins Ausland geht. Ebenfalls (noch) zuhause wohnt der 19-jährige Till.

Und damit kommen wir wieder zurück zu Selma. Sie kommt bestens klar mit ihren Gastgeschwistern. Sie seien ihr gegenüber sehr aufgeschlossen, und das gilt nicht nur für ihre Gastfamilie, sondern gleich für die ganze Stadt: „Stolberg gefällt mir sehr gut!“ Die Menschen, die die 16-Jährige bislang kennengelernt hat, seien sehr freundlich und warmherzig. „Sie sehen mich nicht als Ausländer, sondern als Freund“, sagt Mengyuan Zhang.

Anfangs habe sie noch ihre Familie vermisst, „aber jetzt hat Selma keine Zeit mehr“, sagt Gastmutter Annette und lächelt verschmitzt. Denn der wöchentliche Bericht nach Shanghai falle mittlerweile sehr kurz aus.

Viele Unterschiede hat die aufgeschlossene Chinesin zwischen den Ländern ausgemacht. Die Kultur, das Leben und das Lernen — hier sei alles anders als in der Volksrepublik. Vor allem das Essen. „Ich liebe Wurst und Haribo“, schwärmt die junge Frau. Und was den Unterricht betrifft, bevorzugt Selma den deutschen. Kleinere Klassen und mehr Freizeit kann sie in Stolberg genießen.

In Shanghai sei Schule von 7.30 bis 17.30 Uhr, danach müssten noch Hausaufgaben gemacht werden. Hier bleibe mehr Zeit, um Freundschaften zu schließen und zu pflegen sowie Hobbys nachzugehen. Sie treibt gerne Sport, malt, zeichnet und nimmt zurzeit Klavierunterricht in der Musikschule Merz.

Ihr Lieblingsfach? „Alle“, betont Selma, „wenn es nur nicht die Tests gäbe“, schiebt sie hinterher.

Ganz oben auf ihrer „To Do“-Liste steht das Reisen. Selma war unter anderem schon in Brüssel und Köln und hat dort das Atomium, das Schokoladenmuseum sowie den Kölner Dom gesehen. Nach ihrem Austauschprogramm will sie noch weiter reisen, bevor sie sich ihrem Berufswunsch — Mengyuan Zhang möchte Anwältin werden — widmet.

Und dann möchte sie natürlich auch Gastfreundschaft beweisen und einen deutschen Austauschschüler in Shanghai aufnehmen...