Auflösung 8. Fotorätsel

Auflösung Fotorätsel : Gut Schwarzenburg, eine Burg mit wechselvoller Geschichte

Auf Gut Schwarzenburg an der Marienstraße ist Stolbergs einziger Biohof beheimatet. Christoph und Catharina von Hoegen leiten den Hof, der sich seit 2017 der biologischen Landwirtschaft verschrieben hat und bereits in der sechsten Generation von der Familie von Hoegen bewirtschaftet wird.

Angefangen hat die biologische Ausrichtung des Bauernhofes mit einer Biogasanlage, die 1998 in Betrieb genommen wurde und seitdem das Gut sowie benachbarte Häuser mit Strom und Wärme versorgt.

Das landwirtschaftliche Anwesen der Familie von Hoegen liegt auf einem historisch bedeutenden Terrain. Denn dort befand sich einst die „Schwarzenburg". Die Schwarzenburg war eine Wasserburg und als Turmburg mit drei oder vier Ecktürmen und einer Vorburg ausgestattet. Sie gehörte der Abtei Kornelimünster und was als „Donjon" ein beeindruckendes Bauwerk.

Die Wasserburg wurde erstmals 1404 im Besitz von Rheinhard Soldener von Schwartzenbergh erwähnt. Das Wappen der Schwarzenbergs ist das Kerbkreuz. Die Vernichtung der großen Anlage erfolgte 1688. Französische Truppen des Königs Ludwig XIV. hatten die Burg belagert und anschließend zerstört: Zu diesem Zeitpunkt war Adrian von Beylandt zu Holtheide der Besitzer. In der Folgezeit hatten Dorffer Einwohner das herrschaftliche Gebäude wie einen Steinbruch bis auf die Grundmauern ausgebeutet. Nur das Tor zur Vorburg blieb als sichtbares Zeichen einer großen Vergangenheit erhalten.

Mit rund 600 Einwohner ist Dorff Stolbergs kleinster Stadtteil. Erstmals erwähnt wurde die Ortschaft, die von 1814 bis 1935 zur Gemeinde Büsbach gehörte, im Jahr 1178: Thedoricus von Dorf verschenkte einen Teil seines Grundbesitzes an das Hospital St. Nikolaus in Kornelimünster. Der Ort gehörte bis 1794 zur Reichsabtei Kornelimünster. Die fruchtbaren Böden rund um Dorff ermöglichte eine ertragreiche Landwirtschaft. Und so hatte Dorff mehr Steuern an die Abtei Kornelimünster zu zahlen, als das weitaus größere Büsbach.

Seit 1648 gab es in Dorff ein abteiliches Brauhaus, „Pannes" genannt: Die ertragreichen Böden erlaubten den Anbau der fürs Bierbrauen genutzten Gerste. Das von den Äbten vergebene Braurecht unterstreicht die große Bedeutung, die Dorff einst für das Münsterländchen hatte. Zum 825-jährigen Ortsjubiläum im Jahr 2003 wurde auf dem Lindenplatz das Denkmal „Vici tempora" - lateinisch: „Die Zeiten des Dorfes" des Bildhauers und Künstlers Holger Vanicek errichtet.

Die ruinösen Überreste der Schwarzenburg gingen später in den Besitz der Familien Gatz, von Agris und von Hoegen über. Landwirtschaft betreibt dort derzeit nur noch die Familie von Hoegen. Sie bewirtschaftet momentan rund 100 Hektar Land, das sowohl Eigentum wie gepachtet ist. Dass von den von Hoegens genutzte Weideland reicht von der Marienstraße aus wie ein breiter Trichter in Richtung Breinig. Genutzt werden die Weiden von derzeit 150 Milchkühe und rund 100 Stück Jungvieh. 2015 nahmen die von Hoegens einen neuen Laufstall in Betrieb, der alle Voraussetzungen für eine moderne, biologische Landwirtschaft erfüllt. Vermutlich schlummert die große Vergangenheit der Dorffer Schwarzenburg noch im Boden. Denn von der auf einer künstlichen Insel inmitten eines Wassergrabens errichteten Burg müssten noch Überreste der Grundmauern im Boden vorhanden sein.

(doe)