Auf der Liester: Geschwister-Scholl-Platz wird neu gestaltet

Das Herz der Liester : Holpriges Pflaster auf dem Geschwister-Scholl-Platz wird zur Wiese

„Die Variante 1 erfüllt mit einem ruhigen und harmonischen Erscheinungsbild in besonderem Maße die Anforderungen an einen Quartiersplatz für die Anwohner der Liester“, bilanziert Tobias Röhm die recht eindeutigen Ergebnisse von Planungswerkstatt, Lenkungsgruppe und Ideenwerkstatt.

Entsprechend folgte dem Vorschlag des Technischen Beigeordnete der Ausschuss für Stadtentwicklung bei Enthaltung der Grünen mit breiter Mehrheit, auf dieser Basis die Entwurfsplanung für den Geschwister-Scholl-Platz auf der Liester vom Büro Club 94 erarbeiten zu lassen.

Die Handschrift der Landschaftsarchitekten prägt in Stolberg bereits der neu gestaltete Bastinsweiher. Für die Liester hatten die Kölner Planer zwei Varianten vorgelegt. Die zweite Variante bricht mit diesen städtebaulichen Strukturen der umliegenden Bebauung, zieht den Vorplatz der St.-Hermann-Josef-Kirche bis ins vordere Platzviertel und lässt Raum für eine kleinere Wiese sowie linkerhand einen Spielbereich für Kleinkinder und rechterhand vis-a-vis der Oase einen Bereich für Jugendliche nebst Parkraum. Dieser Entwurf wurde bei der Planungswerkstatt von einer Minderheit der rund 80 Teilnehmer befürwortet.

Die Bürgerwiese

Eine Mehrheit der Bürger sprach sich ebenso wie die Lenkungsgruppe aus Vertretern von Politik und Verwaltung für die erste Variante aus, deren Gestaltung sich an den Linien der Bebauung orientiert. Sie macht den Geschwister-Scholl-Platz zu einer grünen Oase mitten im Quartier. „Bürgerwiese“ nennen die Landschaftsarchitekten ihren Entwurf mit einer großzügigen Rasenfläche, den Baumreihen wie eine Allee umsäumen, im Zentrum des Platzes. Sie soll mit Sitzmöglichkeiten und ihrem Charakter zum Treffen und Verweilen, aber auch zum Spielen einladen.

Gezielt für Jugendliche soll – quasi vis-a-vis des Jugendheims Oase – im südlichen Teil der Bürgerwiese Spielmöglichkeiten wie BMX-Anlage oder Slacklines integriert werden. Weitere zielgerichtete Angebote sollen im Grado-Park geprüft werden.

Gegenüber im nördlichen Teil des Platzes sollen die Kleinkinder ihre Spiellandschaft finden können – dort, wo heute bereits ein Spielgerät steht, aber zukünftig soll die Ecke wesentlich größer ausfallen. Sie soll mit Gehölzen eingefasst und somit ein geschützter Bereich mit Sandkasten und mehreren Spielgeräten werden.

Foto: grafik

Neben der Bürgerwiese soll der gepflasterte Kirchenvorplatz ein Treffpunkt sein, der die Möglichkeiten für Veranstaltungen bietet. Ein Wasserbecmen, Bänke und einzelne Bäume sollen die Fläche repräsentativ gestalten.

Die Vorzone der Ladenzeile soll durch Stufen, aber zudem auch barrierefrei den Höhenunterschied zum Platz überbrücken. Sitzstufen und Bänke sollen für weitere Aufenthaltsqualität sorgen. Eine Bäckerei aus dem Stadtgebiet hat bereits angekündigt, in die frühere Schlecker- bzw. Spar-Filiale einzuziehen.

Südlich zum Pirolweg hin sollen am Geschwister-Scholl-Platz die öffentlichen Stellplätze gebündelt angeboten werden. In der ersten Skizze sind 20 Parkplätze eingezeichnet, aber bei der weiteren Entwurfsplanung soll die Zahl steigen. In Gesprächen ist die Verwaltung bereits mit angrenzenden privaten Eigentümern, um dem drohenden Defizit an Parkflächen im Bereich des Geschwister-Scholl-Platzes begegnen zu können. Denn bei ihrer Bestandsaufnahme registrierten Planer und Verwaltung aktuell rund 50 Parkplätze, die überwiegend von Anwohnern genutzt würden. Durch die Umwandlung eines Teils der Flächenreserven der Mehrfamilienhäuser auf Kosten der Eigentümer in Stellplätze soll der durch die Umgestaltung entstehende Parkplatzschwund ausgeglichen werden können. Gleiches gelte für das Gelände von Kirche und Arztpraxen.

Deutlich erweitert werden sollen die Spielangebote für Kleinkinder auf dem Geschwister-Scholl-Platz. Foto: Jürgen Lange

Zudem möchte zukünftig – die Neugestaltung soll bis Ende 2022 fertiggestellt sein – die Aseag mit ihren Linienbussen den Geschwister-Scholl-Platz ansteuern. Details und genaue Lage der Haltestelle voraussichtlich in Höhe der Kirche müssen noch abgestimmt werden.

Und ein weiteres Anliegen soll in der weiteren Planung Konturen gewinnen, auf das die Anwohner bei Ideen- und Planungswerkstatt ausdrücklich Wert gelegt haben. Die Geschichte der Geschwister Scholl und der Widerstandsgruppe Weiße Rose soll auf dem Platz sichtbar werden.

Weiteres Vorgehen und Kosten

Als nächstes soll die Entwurfsplanung inklusive Kostenrechnung der interfraktionellen Lenkungsgruppe vor den Sommerferien und zum Beschluss dem Ausschuss für Stadtentwicklung in der September-Sitzung vorgelegt werden. Mit der Bewilligung der Fördermittel wird für das dritte Quartal dieses Jahres gerechnet. Die Herstellungskosten werden vom Büro Club 94 mit insgesamt rund 2,5 Millionen Euro kalkuliert. Da der Bau von Parkflächen nicht förderfähig ist, sind im Zuschussantrag die Ausbaukosten mit rund 2,4 Millionen Euro beziffert.

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