Tag der Flüsse: Auf den Stellenwert der Inde aufmerksam werden

Tag der Flüsse : Auf den Stellenwert der Inde aufmerksam werden

Wer in seiner Freizeit gerne spazieren geht und dabei dem leisen Plätschern eines Flusses lauschen möchte, ist in der Region nicht selten an der Inde unterwegs. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Flussbild ständig gewandelt, nicht zuletzt wegen vieler Renaturierungsmaßnahmen.

Was den Fluss so besonders macht und warum wir Menschen ihn wertschätzen sollten, haben wir anlässlich des Tages der Flüsse am Sonntag zusammengestellt.

Die Inde ist einer der wenigen Flüsse in der Grenzregion. Aachener Bürger zum Beispiel suchen in ihrer Stadt vergeblich nach grünen Ufern und größeren Wassermengen. Außer der Inde zieht es die Menschen nur noch an die Rur oder die kleineren Flüsse — den Vichtbach und die Wurm. Damit ist die Inde besonders als Naherholungsgebiet von großer Bedeutung, aber auch die Industrie und der Fluss haben eine lange Geschichte.

Diese ist wechselseitig: Schon früh hat die Inde durch ihre vielen Erzvorkommen die örtliche Messingproduktion angekurbelt. Besonders im Raum Stolberg gibt es eine lange Tradition der Gewinnung und Verarbeitung von Metall. Vor allem Kupferlegierungen werden in der Region produziert, was Stolberg den Beinamen Kupferstadt einbrachte.

Das Zinkvorkommen im Fluss spiegelt sich auch in der Vegetation wider, vor allem im Frühjahr können Spaziergänger auf den Wiesen rund um die Inde das gelbe Galmeiveilchen bewundern. Es ist besonders an den hohen Schwermetallgehalt im Boden angepasst und ein Charakteristikum der Dreiländerregion rund um Aachen. Auch einige Fischarten haben im Fluss ihren bevorzugten Lebensraum gefunden. Typisch für die Inde sind kühles Wasser und viel grober Kies, was die natürliche Umgebung für Äschen und Bachforellen ist. Sie fühlen sich im Wasser der Inde besonders wohl.

Industrie beeinträchtigt Flusslauf

Aber nicht nur die Inde hat Einfluss auf die Industrie, umgekehrt ist die Beeinträchtigung mindestens genauso groß. In Stolberg-Atsch wurde der Fluss zweigeteilt um das Industriegebiet herumgeführt, was zumeist in einem gefassten Profil geschah. Damit war eine eigendynamische Entwicklung der Inde nicht möglich. Auch aufgrund des Braunkohletagebaus hat es immer wieder Einflüsse auf den Fluss gegeben, auf zwölf Kilometern wurde er sogar gänzlich umgelegt.

„Die Inde ist ein sehr stark menschlich überprägtes Gewässer“, sagt Marcus Seiler, „der Mensch hat den Fluss seinen Bedingungen unterworfen.“ Der Pressesprecher des Wasserverbandes Eifel-Ruhr (WVER) weist auf die große Beeinträchtigung der Industrie hin, zeigt aber gleichzeitig, dass auch viele Bemühungen anstehen, dem Fluss seinen natürlichen Rahmen zurückzugeben. „Wo eine enge Besiedlung ist, kann man nicht viel tun, aber jenseits des urbanen Bereiches nehmen wir viele Renaturierungsmaßnahmen vor“, so Seiler.

Ein immer wiederkehrendes Problem sind die Müllablagerungen am Flussufer. Außer Hausmüll laden die Übeltäter auch Autoreifen, Einkaufswagen oder Fahrräder ab. Foto: Caroline Niehus

Unter anderem gab es solche in den vergangenen Jahren in Stolberg-Atsch, Eschweiler und Weisweiler sowie Kirchberg bei Jülich. Bei Atsch wurde der Fluss aus der festen Führung auf eine Freifläche gelegt und aufgeweitet, wodurch eine Auenlandschaft von 20000 Quadratmetern entstand. In Eschweiler und Weisweiler wurde die Inde auch aufgrund des Tagebaus aus ihrem schnurgeraden Verlauf in „ein naturnahes Gewand in eine schlängelnde Linie verlegt“, wie Seiler erklärt. Auch im Mündungsbereich bei Kirchberg wurde das letztes Stück vor der Mündung in die Rur renaturiert.

Insgesamt dauern die Maßnahmen am 47 Kilometer langen Fluss laut WVER noch an. Seiler gibt als Ziel aus: „Die Inde soll sich eigendynamisch entwickeln.“

„Schnell reagierendes Gewässer“

Im Vergleich zur Rur stellt Marcus Seiler einen erheblichen Unterschied fest. Die Inde ist nicht reguliert: Wenn es stark regnet, könne die Rur über Talsperren und Rückhaltebecken gesteuert werden, an der Inde gehe das nicht. „Sie ist ein sehr schnell reagierendes Gewässer“, erklärt Marcus Seiler. Bei Starkregen steige die Inde extrem schnell an, was zu Hochwassern und Überschwemmungen führe. Genauso schnell sinke der Pegel aber auch wieder, wenn der Regen aufhöre.

Die Wasserqualität der Inde hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert, vor allem durch den Betrieb von Kläranlagen sei die Belastung mit schädlichen Stoffen wie Dioxin deutlich zurückgegangen. Er warnt allerdings davor, die angelegten Wege rund um das Ufer zu verlassen. Denn dort wachse die Herkulesstaude, auch Riesenbärenklau genannt. Wenn die Flüssigkeit der Pflanze mit den weißen Blüten auf die Haut gelange, können in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Verbrennungen die Folge sein.

Ein weiteres Problem sieht Seiler in der vorsätzlichen Verschmutzung durch Menschen: „Müllablagerung ist ein Dauerproblem an Fließgewässern.“ Das sei allerdings an allen Flüssen so, nicht nur an der Inde. Neben dem üblichen Hausmüll finden die Mitarbeiter bei ihren Kontrollen auch immer wieder Autoreifen, Einkaufswagen oder Fahrräder. In der Bekämpfung dieser Taten ist der WVER aber leider machtlos, „die Täter findet man eigentlich nie“, klagt Seiler.

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