Auf dem Zincoli-Gelände entsteht Siberichs-Autohaus

Zincoli-Gelände : Vom Brachland zum Hotspot für Autos

„Da vorne kommt der Verkauf hin. Die Halle schließt sich dann an“, sagt Stefan Sieberichs und zeigt dabei auf das Grundstück, das sich an der Ecke Mauer- und Cockerillstraße befindet. Auf dem sogenannten Zincoli-Gelände tut sich derzeit eine ganze Menge.

Der Grund: Auf der rund 8000 m2 großen Fläche soll ein Autohaus entstehen. Die Eröffnung soll in einem Jahr stattfinden.

Der erste Schritt wurde in der vergangenen Woche gemacht. Die Bäume wurden gefällt. Sie sollen in den kommenden Tagen abgetragen werden. Am Freitag will Sieberichs dann die ersten Vorbereitungen für den Bau treffen. Schließlich soll Mitte der kommenden Woche mit den Fundamenten begonnen werden. So ist der Plan. Das ist jedoch nicht die einzige Fläche in Stolberg, die sich vom Brachland zum florierenden Gewerbestandort entwickeln soll. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt stand nun ein Sachstandsbericht zum Flächenpool NRW auf der Tagesordnung.

Zum Hintergrund: Bereits im September 2014 hatte sich die Stadt Stolberg um eine Aufnahme in das Landesprogramm Flächenpool NRW beworben. Dabei handelt es sich um ein Instrument zur Brachflächenmobilisierung. So sollen die Chancen zur Reaktivierung von Standorten gesteigert werden. In der ersten Bewerbungsphase wurde der Antrag der Stadt aufgrund einer begrenzten Teilnehmerzahl nicht berücksichtigt. Ende März 2015 wurde die Aufnahme der Stadt als eine von zwölf Städten in das Programm bestätigt. Bereits vorab wurden drei modifizierte Flächen festgelegt. Nach rund drei Jahren Laufzeit gab es nun Zwischenstandsberichte zu den sogenannten Potentialflächen.

Die erste davon gliedert sich in zwei Teilbereiche, die sich nördlich und südlich der Cockerillstraße befinden. Südlich davon liegt das ehemalige Zincoli-Gelände, das sich in städtischem Eigentum befindet und mittelfristig mit Hilfe eines formellen Bauleitverfahrens als attraktive gewerbliche Bauflächen ausgewiesen und entsprechend vermarktet werden soll. Der Aufstellungsbeschluss für das Bauleitverfahren ist für Anfang 2019 geplant.

Im Oktober 2019 möchte Stefan Sieberichs sein Autohaus eröffnen. Während Verkauf und Halle sich an den beiden kreuzenden Straßen befinden, soll die Zufahrt über die Einfahrt zum Dienstleistungszentrum erfolgen. Warum Sieberichs, der bis zu drei Standorte gleichzeitig betrieben hat, sich für einen Neubau entschied? Ganz einfach: zu wenig Platz. Aufgrund fehlender Grundflächen sei das Unternehmen an seine Grenzen gestoßen. „Als Kompetenzcenter für Nutzfahrzeuge und Behindertenfahrzeuge fehlt uns einfach die Fläche, um unser Unternehmen im Sinne unserer Kundschaft weiter auszubauen und unsere Produkte in entsprechender Auswahl anzubieten“, sagt Sieberichs. Der Standort in Eschweiler wurde bereits im April geschlossen. Auf der Suche nach einem geeigneten Gelände für den Neubau, entschied sich Sieberichs – selbst ein Ur-Stolberger – in der Kupferstadt zu bleiben. Der neue Standort befindet sich nur 200 Meter Luftlinie vom derzeitigen Unternehmen entfernt. Doch nicht nur auf diesem Gelände soll sich künftig eine Menge tun.

Verkauf von Oldtimern

Südlich der Cockerillstraße – genauer gesagt an der Alten Kesselschmiede – befinden sich die ehemaligen Tennishallen, die 2016 von dem ehemaligen Betreiber an einen privaten Investor verkauft wurden. Dort sind Ausstellungs- und Verkaufsräume für Oldtimer geplant.

Nördlich der Cockerillstraße befindet sich der Gewerbepark Münsterbusch, der hauptsächlich durch ein Verpackungsunternehmen genutzt wird. Nach etlichen Abstimmungsgesprächen mit den zuständigen Fachbehörden aufgrund der immissionsschutzrechtlichen Problematiken durch den ehemaligen Standort der Stolberger Zink AG für Bergbau und Hüttenbetrieb ist für den gesamten Standort ein Bauleitplanverfahren geplant. Dieses soll das städtebauliche Ziel haben, die bestehenden Gewerbebetriebe langfristig planungsrechtlich zu sichern und die noch vorhandene Freifläche auf dem Haldenplateau als eine attraktive Gewerbefläche für größere Gewebenutzungen zu entwicklen. Der Aufstellungsbeschluss für das Bauleitplanverfahren ist für Ende 2018 geplant.

Neben einer ersten Standortinventur und den regelmäßig stattfindenden Abstimmungsgesprächen sei ein aktives Eingreifen oder Steuern durch den Flächenpool NRW nicht notwendig gewesen, da die geplanten Entwicklungen mit den städtebaulichen Zielvorstellungen der Stadt übereinstimmen würden. Ein Abschlussbericht sei nach erfolgreich abgeschlossener Bauleitplanung vorgesehen, heißt es von Seiten der Stolberger Verwaltung.

Wohnungen im Bau

Die zweite Potentialfläche gliedert sich ebenfalls in zwei Teilbereiche. Auf dem östlichen Teilbereich entlang der Mauerstraße siedelten ein Lebensmitteldiscounter und ein Drogeriemarkt im vergangenen Jahr an. Die Entwicklung an diesem Standort erfolgte durch einen privaten Investor und unter etlichen Beratungsgesprächen mit der Verwaltung. Ein Bauleitplanverfahren war zur Realisierung des Vorhabens nicht nötig. Auf der westlichen Teilfläche – dem Standort der ehemaligen Kartonagenfabrik Hoyer – wurde ebenfalls durch einen privaten Vorhabenträger eine städtebauliche Entwicklung eingeleitet. Die Realisierung einer modernen Wohnanlage mit Eigentumswohnungen ist derzeit im Bau. Auch dieses Vorhaben sei in Abstimmung mit den betreffenden Fachämtern der Stadt, so dass ein aktives Eingreifen zur Reaktivierung dieser Brachflächen durch den Flächenpool NRW nicht erforderlich war. Ein Abschlussbericht wurde bereits erstellt.

Zur Reaktivierung der dritten Fläche am Stolberger Hauptbahnhof zu einer attraktiven gewerblichen Fläche wurden schon 2015 mit den rund zehn Eigentümern erste Auftaktgespräche durch die Stadt und den Flächenpool NRW initiiert. Das Fazit: Es bestand zwar Intresse für eine langfristige Entwicklung und Standortsicherung der Betriebe. Das Problem war allerdings, dass wesentliche Flächen für eine großräumige Entwicklung dieser Potentialfläche ohne ein schlüssiges und tragfähiges Gesamtkonzept nicht zur Verfügung stehen.

Aufgrund der im Jahr 2016 gestarteten Erarbeitung der Machbarkeitsstudie zum „Industriedrehkreuz Weisweiler-Inden-Stolberg" sowie den Bestrebungen zum „Euregio Railport Stolberg“ wurde nach den Gesprächen mit Flächenpool NRW vereinbart, dass die Ergebnisse aus diesen Planungsprozessen aufgrund des engen räumlichen und inhaltlichen Zusammenhangs abzuwarten seien und erst mit den vorliegenden Resultaten wieder an die Eigentümer herangetreten werden soll. Die Machbarkeitsstudie liegt mittlerweile vor und soll der Öffentlichkeit Ende des Jahres präsentiert werden. Eine Fortsetzung der Eigentümergespräche – beispielsweise mit den Eigentümern der mindergenutzten Gebäudehallen an der Probsteistraße – sind ab dem kommenden Jahr vorgesehen.

Innenausbau im April

Und wie geht es nun weiter an der Ecke Mauer- und Cockerillstraße? Bis Mitte April 2019 soll alles stehen. „Dann geht es erst richtig los“, sagt Stefan Sieberichs. Schließlich stehen dann der Innenausbau und die Gestaltung der Außenanlage auf dem Programm. Dabei legt Sieberichs Wert darauf, dass Arbeiten auch von ortsansässigen Firmen ausgeführt werden. Und damit nicht genug.

Während auf dem Dach des Gebäudes eine Photovoltaikanlage installiert wird, steht auch eine Ladestation für Elektroautos zur Verfügung. Das Thema Elektromobilität soll auch im Betrieb von Stefan Sieberichs in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Es soll eine separate Halle für Elektrofahrzeuge geben. Wahrscheinlich will der Stolberger seine Produktpalette auch noch um eine Motorradmarke erweitern. Insgesamt soll die Halle 13 Tore besitzen. „Ich wollte, dass jede Bühne ihr eigenes Tor hat“, sagt Sieberichs. Zum Vergleich: Momentan besitzt der Betrieb ein Tor. Sieberichs freut sich, dass die Arbeiten nun losgehen.

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