Stolberg: Auch die Brücke über dem Münsterbach muss saniert werden

Stolberg: Auch die Brücke über dem Münsterbach muss saniert werden

Brücken machen nicht nur dem Land sorgen; rund 300 Bauwerke müssen innerhalb der nächsten zehn Jahre saniert oder ersetzt werden. Zunehmend bereiten die vielen Brücken über Vicht-, Münsterbach und andere Gewässer auch der Stadtverwaltung Sorgen.

Vor einem Monat ließ Fachbereichsleiter Bernd Kistermann die Brücke über den Omerbach in der Brühlstraße in Gressenich komplett für den Verkehr sperren. Unter der Fahrbahn schaut die Bewehrung aus dem Beton; weitere Untersuchungen sind erforderlich, um auszuloten, ob das Bauwerk noch saniert werden kann.

Jetzt liegen dem Fachbereichsleiter Erkenntnisse über weitere „Sorgenkinder“ auf dem Tisch. Vor die größte Herausforderung stellt dabei Brücke über den Münsterbach in der Hamm die Verwaltung. Sie ist bislang der einzige Zubringer in den Gewerbepark Atsch. Schwerlastverkehr rollt über das Nachkriegsbauwerk — noch. Zunächst wird erst einmal die Fahrspur über die Brücke so verengt, dass sie nur durch ein Fahrzeug und nicht gegenläufig passiert werden kann. Doch dann muss zügig eine Lösung gefunden werden, denn die Eisen der Bewehrung sind teilweise bereits verrostet und mittelfristig wird die Brücke nicht mehr belastbar sein.

Das Problem dabei ist, dass das Bauwerk die Lebensader des Gewerbeparks ist — das Nadelöhr für die An- und Ablieferung der Betriebe. Theoretisch verfügt der Gewerbepark zwar noch über einen zweiten Zugang von der Haldenstraße entlang der früheren Bahnlinie durch den Kohlbusch, aber diese ist für Lastwagen nicht passierbar. Darüber hinaus müsste eine zweite, private Brücke über den schmalen Mühlengraben des Münsterbachs gequert werden, hinter deren Standfestigkeit ebenfalls ein Fragezeichen steht.

„Wir untersuchen derzeit noch intensiv unterschiedliche Lösungsansätze“, erklärte Bernd Kistermann auf Anfrage. Mögliche Kosten sind noch nicht bezifferbar. Eine theoretische Variante dabei wäre der Bau einer Behelfsbrücke, die von der Hamm aus durch die gerodete Münsterbach-Aue den unteren Teil des Gewerbeparks erschließen könnte, so dass eine Andienung der Betriebe während einer Sanierung oder eines Neubaus der Hamm-Brücke gewährleistet bliebe.

Diese Variante müsste mit dem Wasserverband Eifel-Rur abgestimmt werden, der nun im Frühjahr dem Münsterbach dort ein neues Bett graben möchte, um die Hochwasserbrisanz zu entschärfen. Ursprünglich sollten mit diesen Arbeiten bereits im Herbst begonnen werden; ein Problem mit der Ausschreibung sorgte für die Verzögerung.

Darüber hinaus ist die Standfestigkeit von zwei Fußgängerbrücken so beeinträchtigt, dass absehbar gehandelt werden muss. Betroffen ist das Bauwerk über den Vichtbach am Ortseingang von Vicht. Dort sollen zunächst Poller dafür sorgen, dass keine Fahrzeuge unerlaubt über die Fußgängerbrücke fahren können.

Betroffen ist ebenfalls die Fußgängerbrücke, die von der Flora über den Vichtbach zum Ritzefeld-Gymnasium führt. Sie muss erst einmal vermehrt im Auge gehalten werden: Halbjährlich soll ihre Standfestigkeit überprüft werden.

In welchem Ausmaß weitere Brückenbauwerke betroffen sein können, ist noch ungewiss. Die Überprüfung der rund 40 Übergänge im Stadtgebiet ist noch nicht abgeschlossen.

Bereits in der Vergangenheit hatten die Kontrollen für unliebsame Überraschungen gesorgt. Markantestes Beispiel dafür ist die Heinrich-Heimes-Brücke auf der Mühle, über die früher der Andienungsverkehr für das Stolberger Metallwerk abgewickelt wurde.

Enkerei wartet auf Genehmigung

Sie ist so marode, dass zunächst die Tonnage beschränkt wurde. Nachdem sich der Rat zunächst für einen Neubau der Heinrich-Heimes-Brücke entschlossen hatte, fielen die Verhandlungen mit der Unteren Wasserbehörde über eine Genehmigung der Pläne in die Zeit der drohenden Überschuldung. Deshalb hatte sich der Rat jüngst entschlossen, die Brücke für Fahrzeugverkehr komplett zu sperren und über eine Zukunft des Bauwerkes erst wieder in finanziell besseren Zeiten nachzudenken.

Zur Genehmigung bei der Unteren Wasserbehörde liegen derzeit die städtischen Pläne, die Brücke über die Vicht in der Enkereistraße zu ertüchtigen. Die hätte bei ihrer Konstruktion in den 80er Jahren eigentlich für eine Belastung von zwölf Tonnen ausgelegt sein sollen, damit Feuer- und Rettungsfahrzeuge in die Altstadt chauffieren können. Doch eine Überprüfung hatte ergeben, dass sie nicht etwa zwölf, sondern tatsächlich nur gute zwei Tonnen trägt. Dabei stellte sich auch heraus, dass normale Löschfahrzeuge die Brücke überhaupt nicht benutzen können, weil die Kurvenradien zu eng sind.Nun soll die Enkerei-Brücke auf sechs Tonnen ausgelegt werden, so dass zumindest Rettungs- und kleinere Löschfahrzeuge sie benutzen können.

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