Archivale von Stolberg: Ein Blick zurück in die 1980er

Der Burghausverein ’81 : Ein neues Kulturprogramm etablieren

Im Jahr 2019 präsentiert das Stadtarchiv Stolberg monatlich als „Archivale des Monats“ eine der Stiftungen der Bürger der Kupferstadt, die von 2016 bis 2018 abgegeben wurden.

Zwölf historische „Schätzchen“ sollen interessante Einblicke in die Stadtgeschichte geben und stellvertretend allen Stiftern als Dank für ihre vielfältige Unterstützung gelten .

„Die Stolberger Kulturrevolte schuf das Burghaus – nach vielen Kämpfen jetzt eine feste Bleibe“, überschrieb die Stolberger Volkszeitung am 30. August 1982 den Bericht zur bevorstehenden Eröffnung eines avantgardistisch ausgerichteten Kulturzentrums auf der Burg. Vor zwei Jahren präsentierte das Stadtarchiv bereits ein Poster einer Veranstaltung des Vereins Burghaus 81 aus der Plakatsammlung.

Zwischenzeitlich wurde das Vereinsarchiv mit Sitzungsprotokollen, Zeitungsausschnitten, Fotos, Plakaten und umfangreichem Schriftverkehr mit Künstlern und Agenturen übereignet. Aussagekräftig sind die detaillierten Vorstandsprotokolle, die nachvollziehen lassen, wie das Kulturangebot des Vereins gestaltet wurde.

Fotos dokumentieren, die Anfangsjahre: der von der Stadtverwaltung geförderte Ausbau des Burghauses, das Liedermacherfestival auf dem Unteren Burghof sowie die vom Verein in der späteren ‚Burggalerie‘ initiierten Kunstausstellungen avantgardistischer Künstler. Denn diese wollte die vielfältige Gruppe Kulturschaffender in der Kupferstadt etablieren.

1979 formierten sich Engagierte um Gottfried Dahmen in der Gruppe „Kommens kicke“ (‚Kommt einmal gucken‘), denn „Kultur musste und muss auch von der Basis ausgehen, zumal hier genügend Künstler leben und wirken und es guten Nachwuchs gibt“, wie Dahmen im damaligen Artikel zitiert wird.

Offizielle Vereinsstruktur

Mit Inbesitznahme des Burghauses erhielt die Gruppe Heim, offizielle Vereinsstruktur, städtische Unterstützung wie auch den Auftrag, das kommunale Kulturprogramm mit Konzerten, Lesungen, Kabarett, Ausstellungen, Workshops und Theater zu füllen. Das bestehende „verkrustete Kulturprogramm“ wollte man aufbrechen, nun mit offiziellen Weihen. Am 6. September 1982 betonte Harald Feiber in den Stolberger Nachrichten den Umstand, dass die Eröffnung des Vereinsheimes unter Anwesenheit von Bürgermeister Hermann-Josef Kaltenborn sowie der Beigeordneten und Fraktionsvorsitzenden des Rates erfolgte. Vorsitzender war Herbert Titz, auf den kurze Zeit später Reiner Nießen, Stifter des Vereinsarchivs, folgte.

„Wir wollen der Plastik- und Wegwerfkultur etwas entgegensetzen“, bekundete dieser in einem Bericht im Jahr 1984. Mehrere Seiten füllen jeweils die jährlichen Auflistungen der Veranstaltungen des Vereins.

Allein beispielsweise 1983/84 ein Gitarrenfestival, Schülerkonzerte, Liederabende, Jazzkonzerte und das zur Institution gewordene Liedermacherfestival, dazu Ausstellungen von Malerei, Grafik, Kunsthandwerk und Fotografie. Weiter ein Weihnachtsmarkt im Burghaus, Autorenlesungen, Exkursionen, Kabarett- und Kabarettabende und Vorträge. Man „bespielte“ fast die ganze Burg: im Vertragsvordruck des Vereins erschienen die Optionen „Burghaus“, „Rittersaal“, „Bergfried“ oder „Burggalerie“.

Rainer Schulze zu Gast

1989 hatte der Vorstand bspw. den ostdeutschen Sänger und Kabarettisten Rainer Schulze engagiert. 1987 war er erstmals in Westdeutschland aufgetreten. Das Dokument der „Künstler-Agentur der Deutschen Demokratischen Republik“, Abteilung „Unterhaltung/Entsendung“ ist ein kleines Stück deutsch-deutscher Zeitgeschichte.

Viel Weiteres neben dieser zufälligen und nur an der Oberfläche kratzenden Auswahl dieses Kapitels Stolberger Kulturgeschichte könnte und sollte erzählt werden über Mitglieder und Veranstaltungen, aber an anderer Stelle. Viele Protagonisten können noch selbst Auskunft über eine spannende Episode geben, die eine erfrischende, innovative und integrierende Kooperation zwischen unterschiedlichsten Akteuren, Künstlern aus Nah und Fern mit Unterstützung der Stadtverwaltung hervorbrachte.

Das Stadtarchiv beherbergt und sammelt als Historisches Kompetenzzentrum und „Gedächtnis der Stadt“ Akten, Urkunden, Bilder, Bücher, Zeitungen, Nachlässe und andere Sammlungen der Stadtgeschichte. Historische Unterlagen aus allen Stadtteilen stehen dort interessierten Bürgern für Forschung, Wissenschaft und Bildungsarbeit zur Verfügung.

Das Archivale des Monats wird am 15. des Monats auf dem Facebook-Account der Kupferstadt Stolberg veröffentlicht.

Mehr von Aachener Nachrichten