Stiftung „Kegelverein 1888“: Archivale des Monats Juni aus dem Stolberger Stadtarchiv

Stiftung „Kegelverein 1888“ : Archivale des Monats Juni aus dem Stolberger Stadtarchiv

Im Jahr 2019 präsentiert das Stadtarchiv Stolberg monatlich als „Archivale des Monats“ eine der Stiftungen der Bürgerinnen und Bürger, die von 2016 bis 2018 abgegeben wurden. Zwölf historische „Schätzchen“ sollen interessante Einblicke in die Stadtgeschichte geben. Im Juni geht es um Kegelbücher, hölzerne Kegel, Kugeln.

Und auch ein repräsentativer Tischaufsatz ist vorhanden. Es ist die Vereinssammlung des Kegelvereins 1888.

Begonnen hatte die Geschichte des Vereins im Jahr 1888, als sich neun Stolberger Bürger zusammentaten und am 1. Oktober des Jahres die „Statuten des Stolberger Kegelklubs“ aufstellten. Paragraph 1 formulierte knapp den Zweck, nämlich „Freitag-Abends 8 Uhr zu kegeln.“

Dieses Dokument ist zusammen mit dem Genehmigungsschreiben des Bürgermeisters Friedrich von Werner der Beginn der über hundertjährigen Aufzeichnungen. Nach der Auflösung des Kegelvereins übergab Kurt Leufgens als letzter Vorstand des Traditionsvereines, dem nach und nach weitere Kegelclubs beigetreten waren, die umfangreichen Materialien dem Stadtarchiv. Zum 100-jährigen Jubiläum 1988 hatte man eine umfassende Chronik zusammengestellt, die nun Teil eines Einblicks vergangener Alltagskultur und lokaler Sozialgeschichte ist.

Mitglieder waren namhafte Kaufleute, Angestellte und Künstler, wie beispielsweise Franz-Josef Peters, der aus Messing und Kupfer einen Tischaufsatz für die Zusammenkünfte der Mitglieder an Kegelabenden gestaltete. Die schlichte Gestaltung in typisch Stolberger Messing und Kupfer stellt eine Kegelkugel dar, die die „1888“ des Vereinsnamens in Form von drei Kegeln trägt. Aus der Feder des Mitglieds und Architekten Heinrich Bildstein stammt ein großartiges, grafisches Werk von 1955, das die Kegler neben einem Foto mit wenigen, gekonnten Strichen individuell abbildet. Natürlich eine reine Männergesellschaft.

Die Chronik erzählt von den Touren des Vereins, an denen natürlich auch die Gattinnen teilgenommen haben. Aus der Anfangszeit der Jahrhundertwende erzählen Rechnungen und andere Dokumente von Kegelabenden, die bei Möllmann, Schiffers oder Scheufen stattfanden.

Als festes Domizil hatte der Kegelverein später die Gaststätte Haus Rosental. Wie die Gaststätten sich wandeln, ändern sich auch die Freizeitbeschäftigungen und soziale Strukturen. Es werden andere Spiele gespielt und nicht wenige davon nur online oder in der digitalen Welt. Das Kegellied des Vereins von 1913, anlässlich des 25jährigen Bestehens entstanden, oder das Lied zum Stiftungsfest 1927 sind herausragende Dokumente ihrer Entstehungszeit. „Es blättert im Namenregister, Herr Lütcke, der Präsident.

Dort findet der kluge Magister, dass ein Festtag sich eingestellt. Schon stellt er sich hin in Positur, Hält eine Rede voll Witz und Humor“, heißt es da beispielsweise. Vereine spiegeln im Besonderen das gesellschaftliche Leben wider. Schließlich sind sie in Deutschland wie in ganz Mittel- und Nordeuropa ein besonders weit verbreitetes Phänomen und in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert ein verbrieftes Grundrecht. Für alle möglichen Zwecke sind sie seitdem immer zahlreicher geworden und heute bei einer Anzahl von über einer halben Million. Die Objekte und Dokumente des Kegelvereins 1888 erzählen von der Stolberger Ausprägung eines beliebten Volkssports des 20. Jahrhunderts.

Das Stadtarchiv beherbergt und sammelt als Historisches Kompetenzzentrum und ‚Gedächtnis der Stadt‘ Akten, Urkunden, Bilder, Bücher, Zeitungen, Nachlässe und andere Sammlungen der Stadtgeschichte. Historische Unterlagen aus allen Stadtteilen stehen dort interessierten Bürgern für Forschung, Wissenschaft und Bildungsarbeit zur Verfügung.

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