Anneliese Frick feiert ihren 90. Geburtstag

Glückwünsche : Zum 90. Geburtstag kommt der Besuch sogar aus Costa Rica

Ihr Interesse galt stets den gesellschaftspolitischen Fragen und der Evangelisierung. Sie ist eine warmherzige, großzügige und aufmerksame Frau, die ein offenes Ohr für ihre Mitmenschen hat, sie begleitet, ermutigt, unterstützt und tröstet. Und sie weiß, was sie will. Die Rede ist von Dr. Anneliese Frick, die am Sonntag ihren 90. Geburtstag feiert und kein bisschen „leise“ ist.

Ihr Auftrag, die Welt ein wenig besser und freundlicher zu gestalten, ist für sie auch im hohen Alter noch Anreiz genug. Geboren wurde sie vor neunzig Jahren an einem Sonntag in Wuppertal-Elberfeld. Sie wuchs in Krefeld auf und machte nach dem dortigen Abitur eine Ausbildung zum Industriekauffrau.

Dem schloss sich das Studium der Betriebswirtschaft in Köln an, das sie 1960 mit dem Abschluss als Diplom-Kauffrau beendete. Während des Studiums hatte sie schon reduziert bei einer Krefelder Firma gearbeitet, nach dem Studium wurde sie hier Direktionsassistentin.

1961 heiratete sie und zog mit ihrem Mann Willi Frick nach Stolberg. Den beiden wurden drei Söhne geschenkt, und für Anneliese Frick war es selbstverständlich, dass sie zugunsten der Familie die Berufstätigkeit aufgab. Durch eine Vormundschaft für eine Seniorin Ende der 1960er Jahre kam sie mit den sozialen Problemen der Stadt Stolberg in Berührung. Der Vorstand des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) sprach sie für eine ehrenamtliche Mitarbeit an. Die Schwierigkeiten des Vereins als Frauenverband und die Zuständigkeit für Kinder und Jugendliche in Notsituationen berührten sie.

Von 1970 bis 1997 wurde sie zur Vorsitzenden des SkF gewählt und kümmerte sich mit weiteren Vorstandsmitgliedern wie Josefine Kerschgens, Elisabeth Lambertz, Felicitas Drummen, Sabine Mannott und Rosemarie Spix um Verbesserungen von Hilfsmöglichkeiten für die sozial schwachen Kinder und Jugendlichen, Familien und alleinerziehenden Mütter.

In diese Zeit fiel der Ausbau des Agnesheims als Kinder- und Jugendeinrichtung, der differenzierte Ausbau der Beratungsstelle mit der schwangeren Konfliktberatung des SkF und der Bau der Kita Zwergenburg mit dem Ziel, Leben zu retten. 1975 wurde sie als CDU-Mitglied in den Stadtrat gewählt, dem sie bis 1989 angehörte. Ihr Schwerpunkt auch hier war die Familien-, Sozial-, Schul- und Kulturpolitik. Die vielfältigen sozialen Probleme beim SkF, beispwielsweise in der Obdachlosensiedlung Bodelschwinghstraße, machten ihr bald bewusst, dass sie noch mehr Kenntnisse zur Gestaltung brauchte.

Sie hatte die Gelegenheit, in einem Psychologie-Seminar an der Uni Dortmund Projekte vorzustellen. Dort rieten ihr Fachleute, das Studium in Pädagogik aufzunehmen und durchzuführen. Nach dem Abschluss als Diplom-Pädagogin folgte 1985 die Promotion zum Thema „Probleme sozialschwacher Familien: ihre Diskriminierung und Integrationsmöglichkeiten unter Berücksichtigung der Tiefenpsychologie Alfred Adlers“. Nach der Wende 1989 beteiligte sich Dr. Anneliese Frick an der Organisation von Hilfsmaßnahmen des Bundes SkF an den früheren Standorten Gotha und Heiligenstadt, um dort Ortsgruppen wieder erstehen zu lassen. Für ihre Verdienste erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, die silberne Ehrennadel des deutschen Caritasverbandes und die Agnes Neuhaus Medaille des SkF.

Nachdem sie alle Ämter abgegeben hatte, begann sie im Alter von 68 Jahren, die Sinnfrage zu vertiefen. Sie lernte den Arbeitskreis „Freude am Glauben“ kennen, nahm an den ökumenischen „Exerzitien im Alltag“ von Schwester Martina teil, den sie seit mehr als zwanzig Jahren mit neuen Mitgliedern weiterführt, etablierte kurz danach den Bibelkreis „Wort des Lebens“ und arbeitet ebenso mit im Arbeitskreis „Ökumene“ in Stolberg. Für sie sei das Alter jetzt „das Noviziat für das ewige Leben, das Vorzimmer der Ewigkeit“, wie es ein italienischer Priester formulierte. Am Sonntag feiert sie ihren runden Geburtstag im engsten Kreis mit der Familie, zu denen vier Enkelsöhne gehören.

(mlo)
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