Chaos und Unklarheiten: Angeklagter aus Eschweiler bestreitet Vorwürfe des Gerichts

Chaos und Unklarheiten : Angeklagter aus Eschweiler bestreitet Vorwürfe des Gerichts

Am 11. März 2019 soll Oliver S. die Zeugin Janine S. (30) mit einem bislang nicht identifizierten Mittäter von der Wohnung einer Verwandten aus zehn Minuten lang durch die Stolberger Innenstadt verfolgt und dann an einer einsamen Stelle gestellt haben. Das bestreitet er allerdings.

Der Angeklagte Oliver S. (37) aus Eschweiler gab alles zu – fast alles. Die ihm vorgeworfene Körperverletzung und Bedrohung einer Frau allerdings nicht. Ja, er habe bei sich zu Hause Drogen vorrätig gehabt. Und ja, er habe sie verkauft und nicht nur selbst konsumiert, antwortete er auf die penible und streckenweise sehr nachdrückliche Befragung durch die Vorsitzende der 9. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, durch Richterin Melanie Theiner.

Er habe Amphetamine und auch Ecstasy im Angebot, beides Drogen, die er gelegentlich selber nehme. Allerdings verabscheue er es, Canabis in jeglicher Form zu sich zu nehmen, davon werde ihm nur schlecht, berichtete der Angeklagte nach anfänglichem Stocken offenherzig und überzeugend der Strafkammer gegenüber.

Doch als die Vorsitzende von den Drogen wegging und auf den wesentlich schwereren Vorwurf der gewalttätigen Einschüchterung einer Zeugin in einem anderen Strafverfahren, das vor einer ebenfalls von Richterin Theiner geleiteten Jugendkammer verhandelt wird, zu sprechen kam, bestritt der Angeklagte ebenso offenherzig wie nachdrücklich jene Tat am Abend des 11. März 2019 in Stolberg.

Denn da soll Oliver S. die Zeugin Janine S. (30) mit einem bislang nicht identifizierten Mittäter von der Wohnung einer Verwandten aus zehn Minuten lang durch die Stolberger Innenstadt verfolgt und dann an einer einsamen Stelle gestellt haben. Wie die Zeugin am Montag selbst berichtete, habe der Täter ihr gedroht, sie solle in dem anhängigen Strafverfahren, in dem sie auch selber angeklagt ist, nicht weiter einen der Hauptangeklagten belasten. „Du nimmst deine Aussage zurück“, habe der Mann sie angeherrscht und ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen. So fest, dass später ihre rechte Gesichtshälfte samt Auge zuschwoll. Dann hätten sie von ihr abgelassen, sie sei weitergegangen.

Was Richterin Theiner merkwürdig aufstieß war die Tatsache, dass die Geschädigte Minuten später bei der Polizei nichts von der brutalen Behandlung berichtete. Denn sie war sowieso auf dem Weg zur Polizeistelle gewesen, um ihren Meldeauflagen „wegen dieser anderen Geschichten“ nachzukommen. Sie ist in dem angesprochenen Verfahren eine Angeklagte, die gegen Auflagen nicht in Haft, sondern auf freiem Fuß ist. Erst als sie wieder zu Hause war, hatte ihre Großmutter die Verletzungen bemerkt und die Polizei gerufen.

Dass sie ein blaues Auge davontrug ist unbestritten. Doch der Angeklagte bestritt diese Tat nachdrücklich, er habe die Zeugin, die er nur einmal flüchtig bei einem Drogendeal gesehen habe, niemals geschlagen, er sei bei seiner Festnahme aus allen Wolken gefallen.

Wie die Zeugin ausgerechnet auf den 37-Jährigen aus Eschweiler gekommen war, konnte sie auch am Montag nicht genau berichten. Die Polizei habe ihr Fotos vorgelegt, darunter auch eins des Angeklagten. Das könnte er gewesen sei, habe sie den Beamten gesagt, vor allem erinnere sie sich an die knallroten Nike-Sportschuhe, doch sie habe allerdings auch ein Muttermal im Gesicht des Mannes bemerkt.

Nun hat der Angeklagte unwidersprochen rote Sportschuhe. Doch ein Muttermal im Gesicht weist er nicht auf, wie auch der erstaunten Zeugin auffiel. Nun wird es bei der Sitzung der 9. Großen Strafkammer am Dienstag darum gehen, ob der Tatverdacht weiterhin bestätigt wird, oder eben nicht.

Der Einschüchterungsversuch der Zeugin hängt mit einem Konglomerat weiterer Delikte in Stolberg und Umgebung zusammen, die in anderen Verfahren gesondert verhandelt werden. Das geht von Drogendelikten bis hin zu Einbrüchen oder Pkw-Aufbrüchen, die von einer fünfköpfigen Gruppe in wechselnder Besetzung begangen wurden, das Verfahren läuft noch vor einer Jugendkammer.

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