Stolberg: Andreas Engelhardt gibt den Vorsitz der Prym-Geschäftsführung auf

Stolberg: Andreas Engelhardt gibt den Vorsitz der Prym-Geschäftsführung auf

Seine Entscheidung ist nicht gegen Stolberg, sondern für eine andere Herausforderung gefallen. Auf diese Feststellung legt Andreas Engelhardt großen Wert. Fast exakt sieben Jahre hat er als Vorsitzender der Geschäftsführung die Geschicke der Prym-Gruppe geleitet und verantwortet.

„Ich möchte noch einmal eine neues Projekt angehen, mich einer neuen Herausforderung stellen”, sagt der 52-Jährige. Diese hat er bei Schüco in Bielefeld gefunden. Vor seinem letzten Arbeitstag am heutigen Freitag und der offiziellen Verabschiedung von der Belegschaft hat er sich im Gespräch mit unserer Zeitung zu einigen in Schlagwörtern zusammengefassten Themen geäußert, die seine Zeit an der Zweifaller Straße geprägt haben.

Familienunternehmen: Sie achten auf nachhaltige Strategien, sind zuverlässig und entscheiden mittel- und langfristig. Familienunternehmen sind das Herzstück der deutschen Wirtschaft. Und da fühle ich mich wohl.

Mario Monti: Er hat uns als EU-Wettbewerbskommissar eine schwere und unangemessene Bürde auferlegt. Jetzt muss er das schwierige Unternehmen Italien sanieren. Dabei wünsche ich ihm aufrichtig viel Glück und Erfolg.

Fashion: Ein Marktführer in seiner Branche, der global sehr gut positioniert ist und tolle Produkte zu bieten hat. Diese Division ist oftmals als Sorgenkind von Prym bezeichnet worden. Ich bin aber davon überzeugt, dass sie eine positive Zukunft haben wird. Auch wenn Mode sicherlich ein schwieriges Geschäft ist.

IG Metall: Ein verlässlicher Gesprächspartner auf Augenhöhe. Die Vertreter der Gewerkschaft haben die Interessen der Arbeitnehmer immer im Blick, ohne dabei aber das Gesamtwohl des Unternehmens zu ignorieren.

Auszubildende: Sie sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Ohne Nachwuchs gibt es keine Zukunft, so einfach ist das. Auszubilden bedeutet, eine betriebliche und soziale Verantwortung zu übernehmen. Wer nicht ausbildet, der begeht unternehmerisch wie auch gesellschaftlich einen schweren Fehler.

Druckknopf: Eine der genialsten Erfindungen für den täglichen Gebrauch überhaupt. Sie ist nach über hundert Jahren aktueller denn je.

Zuversicht: Solange Prym hochsensibel bleibt und somit in der Lage ist, auf die Veränderung der Märkte zu reagieren, bin ich sehr zuversichtlich, dass das Unternehmen seine Position weiter stärken wird - und das weltweit.

Sorge:Die bereiten mir Dinge, die wir nicht beeinflussen können, und die sich schlechter entwickeln könnten als wir das erwarten. Ich denke da beispielsweise an Finanzkrisen oder die Weltwirtschaft. Unvorhersehbare Ereignisse werden die Unternehmen immer wieder vor neue Herausforderungen stellen.

Stolberg: Man braucht ein wenig Zeit, um die Stolberger zu überzeugen. Wenn man das aufrichtig gemacht hat, gehen sie mit einem durch Dick und Dünn. Die Menschen hier stehen in einer bemerkenswerten Art hinter ihrem Unternehmen. Das hat mich ungemein beeindruckt und gibt gerade in kritischen Phasen, wie wir sie ja leider auch erlebt haben, eine unglaubliche Stärke. Es wird ja gesagt, dass man in schwierigen Zeiten enger zusammenrückt. Genau das habe ich hier in Stolberg erlebt. Es war eine spannende und lohnende Zeit. Da spielt sicherlich auch die menschliche Komponente eine große Rolle. Prym ist für mich in gewisser Weise eine Herzensangelegenheit geworden. Ich habe mich zwar aus freien Stücken für einen Wechsel entschieden, werde aber dennoch mit ein bisschen Wehmut die Stadt und das Unternehmen verlassen.

Bielefeld: Mein neuer Arbeitsplatz und Lebensraum. Bielefeld hat eine wunderschöne Altstadt. Und Schüco ist wie auch Prym ein als international Marktführer tätiges Familienunternehmen. Es bietet Produkte und Systeme, die das Thema der Zukunft sind: das Sparen von Energie. Ich freue mich auf den Auf- und Ausbau dieses Geschäftes. Externe Suche nach einemNachfolger

Einen Nachfolger für Andreas Engelhardt gibt es bislang nicht. Anders als zunächst kolportiert wird dieser nun doch extern gesucht. Die Aufgaben des Vorsitzenden sollen bis zum Abschluss des Verfahrens die übrigen Geschäftsführer der Prym-Gruppe kommissarisch übernehmen. „Wir sind ein eingespieltes Team gewesen. Da weiß ich die Verantwortung in guten Händen”, erklärt Engelhardt.

Mit der Schüco International KG hat der 52-Jährige einen Branchenriesen gewählt. Das Unternehmen, das zur Otto Fuchs KG Meinerzhagen gehört, zählt nach eigenen Angaben mehr als 5000 Mitarbeiter in 78 Ländern und generierte 2011 einen Umsatz von 2,23 Milliarden Euro. Zum Portfolio zählen Fenster und Türen, energiesparende Gebäudehüllen und Solartechnologien.