Andrea Prym-Bruck führt über den Kupfermeisterfriedhof

Historische Führung : Auf den Spuren der Stolberger Kupfermeister

Drei Hufeisen und ein Balken, ein Hirsch und ein Schlüssel: Sie alle sind als Familienwappen auf mehr als 300 Jahre alten Grabsteinen auf dem Kupfermeisterfriedhof zu finden.

Die Schrift auf den jeweils rund 500 Kilogramm schweren Steinen, die zum größten Teil flach auf dem Boden liegen und mit Moos bewachsen sind, ist meist verwittert und kaum lesbar. Doch diese wenigen Hinweise reichen aus, um die Steine den Kupfermeisterfamilien in Stolberg zuzuordnen.

Die Schriften wieder lesbar zu machen und die Geschichten dahinter zu erforschen, hat sich Andrea Prym-Bruck zur Aufgabe gemacht. Die Kunsthistorikerin, die in den 80er Jahren damit begonnen hatte, die Steine auf dem Kupfermeisterfriedhof fotografisch festzuhalten, hielt bei zwei Veranstaltungen des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereins Vorträge und führte die Besucher über den Friedhof neben der Finkenbergkirche. Unter dem Motto „Sprechende Steine“ erfuhren die Teilnehmer etwas zur Gründung des Friedhofs, zu den Symbolen auf den Grabsteinen und den Messing herstellenden Kupfermeistern im Allgemeinen.

Aus Blaustein sind die Grabplatten auf dem Kupfermeisterfriedhof gefertigt. Auf jedem Stein ist außer den zwei Wappen – die Kupfermeister wurden gemeinsam mit ihren Frauen bestattet, deren Familienwappen ebenfalls abgebildet ist – das Kupfermeisterzeichen zu finden sowie ein Schriftfeld mit geistlichem Spruch. Außerdem eine Umschrift um den Stein herum, die entweder aus Sprüchen aus dem Alten oder Neuen Testament besteht oder einen Hinweis darauf gibt, wer dort beigesetzt worden ist. Zwar waren die Kupfermeister keine Adeligen, sie schufen sich aber trotzdem Wappen, denn nach Angaben von Prym-Bruck bezeichneten sie sich selbst als das „auserwählte Volk Gottes“. Als am häufigsten auf dem Friedhof vorkommende Familien, die zudem untereinander verwandt seien, zählte die Kunsthistorikerin folgende auf: Peltzer, Schleicher, Lynen, von Asten, Prym, Hoesch, de Blanche, Mewis, Beck und Momma.

Die Kupfermeister als reformierte Gläubige und somit Untergruppe von Protestanten seien aus Aachen nach Stolberg gekommen, berichtete Prym-Bruck. Sie machten sich in Aachen unabhängig von Zünften und deren Regeln und verlegten ihren Arbeitsplatz in die Kupferstadt, was für sie der „Weg ins gelobte Land“ gewesen sei. Der ehemalige – katholische – Friedhof habe sich ursprünglich um die Burgkapelle herum befunden, wo heute die Kirche St. Lucia stehe. Als die Kupfermeister von Aachen nach Stolberg kamen, hätten auch sie irgendwo ihre Toten beerdigen müssen. Es sei zu Streitigkeiten zwischen Katholiken und Protestanten gekommen, die sich darin geäußert hätten, dass Gräber aufgebrochen, Gebeine verstreut und Platten auf die Straßen geworfen wurden. Dies sei schließlich der Grund für die Gründung des Friedhofs neben der Finkenbergkirche gewesen. Die erste Bestattung habe im Jahr 1686 mit dem beigesetzten Kupfermeister Johannes Markant stattgefunden, erzählte Andrea Prym-Bruck.

Das Ende der Belegung des Friedhofs sei mit der Anlage eines Weihers einhergegangen: In den 1860er Jahren habe es eine Untersuchung gegeben und der Verdacht sich bestätigt, dass aus den Gräbern Wasser sickere, sich sammele und ins Grundwasser gelange.

Heute kümmert sich die evangelische Kirchengemeinde um den Kupfermeisterfriedhof: „Sie mäht den Rasen, und die Angehörigen der Kupfermeisterfamilien kümmern sich um die Platten. Aber das alles ist sehr kostspielig“, stellte Werner Schindler, Vorsitzender des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereins, fest.

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