Stolberg: An der Bergstraße liegt der neue Zentralfriedhof

Stolberg: An der Bergstraße liegt der neue Zentralfriedhof

Der Zentralfriedhof kehrt zurück in die Innenstadt: Bergstraße statt Buschmühle lautet die Zukunft für das Bestattungswesen in Stolberg. Einstimmig war die Empfehlung des Hauptausschusses für das Konzept von Fachbereichsleiter Josef Braun, das zu deutlichen Kosteneinsparungen im Friedhofswesen führen soll - um der Explosion die Gebühren für Nutzungsrechte und Beisetzungen bei nun zwangsweise kostendeckend durchzuführender Kalkulation im Zaum zu halten.

Die Zustimmung des Stadtrates am 13.Juli gilt nur noch als reine Formsache, zumal das Parlament bereits im Mai auf Basis des Konzeptes die neue Gebührensatzung beschlossen hatte.

Geklärt wurden seitdem einige Details und beteiligt der Behindertenbeirat, der angesichts der topografischen Lage der gewählten zentralen Bestattungsstätte zwischen dem Donnerberg und dem Vichtbach ein gehöriges Wort mitsprechen sollte. Der Behindertenbeirat hat nach einer Ortsbesichtigung einige Wünsche zu einer etwas barrierefreieren Umgestaltung des Friedhofs Bergstraße angemahnt, denen der Hauptausschuss in Gänze gefolgt ist.

Sie hatte die Verwaltung teilweise ohnehin schon auf ihrer Arbeitsliste oder sind mit verhältnismäßig geringem Aufwand umzusetzen - ganz im Gegensatz zu den Investitionen, die eine Beseitigung der hydrologischen Probleme und weitere Belegung des Friedhofs Buschmühle erfordern würde.

Stillegung freier Flächen

Diese erst 1997 eröffnete Einrichtung, die eine ganze Reihe früherer Technischer Beigeordnete gegen das ungute Gefühl des Stadtrates als Zentralfriedhof durchgesetzt hatten, wird zwar weiterhin gepflegt und geöffnet sein. Aber die Stadt vergibt dort keine neuen Nutzungsrechte an Grabstellen. Das bedeutet, dass ein Ende des alten Zentralfriedhofs mit dem Auslaufen der letzten realisierbaren Belegungsrechte aus Wahlgrabstätten in einigen Jahrzehnten absehbar ist.

Bereits heute nicht mehr benötigte Teilflächen soll entwidmet und möglichst veräußert werden; dadurch sinkt der Pflegeaufwand des Technischen Betriebsamtes auf der Anlage.

Doch nicht nur von den freien Flächen des Einrichtung Buschmühle, deren erster Ausbau-Zustand nur etwa ein Drittel der insgesamt planungsrechtlich als Friedhof ausgewiesenen Fläche umfasst, möchte sich die Stadt trennen, sondern auch von der dortigen Trauerhalle. Auch sie soll entwidmet, am besten verkauft oder verpachtet werden - wobei eine zukünftige Nutzung nicht der Würde der Stätte entgegenstehen darf. Außerdem sollten dort weiterhin von Friedhofsmitarbeitern nutzbare sanitäre Einrichtungen vorgehalten bleiben; nicht jedoch genutzt werden dürfen soll die Trauerhalle nach einer Abgabe zukünftig für Bestattungen.

Gestorben sind mit dem neuen Friedhofskonzept auch die Hoffnungen, doch noch Erdbestattungen in den bislang aus hydrologischen Gründen gesperrten Ortsteilfriedhöfen vornehmen zu können. Eine Sanierung oder alternative Bestattungssysteme für die Friedhöfe in Atsch, Büsbach, Münsterbusch sowie Donnerberg wären zu kostspielig. Für diese wie auch alle übrigen Einrichtungen gilt dagegen die neue Prämisse, die Belegung der Fluren so zu konzentrieren, dass die genutzten Friedhofsflächen mittelfristig verkleinert werden können. Und was für die Trauerhalle Buschmühle gilt, hat ebenso für die übrigen Friedhofshallen im Stadtgebiet seine Gültigkeit: Sie sollen verkauft oder verpachtet werden.

Drainage und Neuordnung

Die Konsequenz aus den Einschnitten im Stadtgebiet ist eine wachsende Bedeutung, die der Anlage an der Bergstraße als Zentralfriedhof zukommen wird. Um ihr gerecht zu werden und gleichzeitig den Pflegeaufwand bezahlbar zu halten, müssen die Bestattungsflächen mittelfristig neu strukturiert und auf die örtlichen Gegebenheiten ausgerichtet werden.

Ein Grund dafür sind die auch Anforderungen des Behindertenbeirates: Der historische, aber steile Bereich der Fluren 1 bis 12 soll langfristig außer Betrieb gehen; dazu werden dort keine neuen Nutzungsrechte mehr vergeben. Die Entwicklung des Zentralfriedhofs wird sich oberhalb dieser Fluren abspielen, wo die Bestattungsfelder und Wege so ausgestaltet werden sollen, dass sie von Rollstuhlfahrern befahrbar sind. Das betrifft auch den Eingangsbereich am Halsbrech, wo die Steigung an der Trauerhalle vorbei mehr als barrierefreie sechs Prozent beträgt. Selbstverständlich soll auch die barrierefreie Erreichbarkeit der Fluren ausgeschildert und am oberen Friedhofseingang behindertengerechte Parkplätze eingerichtet werden. Und in der Trauerhalle soll eine behindertengerechte WC-Anlage eingerichtet werden.

Die beschlossenen Auflagen kann die Verwaltung weitgehend mit eigenen Mitarbeitern bewältigen, wobei die in geringem Umfang erforderliche Investitionen ohnehin über den Gebührenhaushalt refinanziert werden.

Voraussetzung für eine intensivierte Erdbestattung ist auch auf dem Bergfriedhof eine Drainage entlang der Malmedyer Straße; rund 380000 Euro müssen dafür investiert werden, in erster Linie das Oberflächenwasser aufzufangen und abzuleiten.

Mittelfristig sollen Bereiche aus dem Friedhof ausgegliedert werden; zuerst der Flur 13 nahe dem Parkplatz, dann schleidend die gering belegten Fluren 14 und 22

Folgende Flurbereiche sind zukünftig vorgesehen für Erdreihengräber (35, 29, 30, 31, 23, 26); Erdreihengräber mit rasenbündiger Gedenkplatte (24, 27); anonyme Erdreihengräber (34); Kinder-Erdreihengräber (32); Erdwahlgräber (18,19, 25); Urnenreihengräber (32); anonyme Urnenreihengräber (24); Urnenreihengräber mit rasenbündiger Gedenkplatte (34, 21); Urnenwahlgräber (28); Aschenstreufeld und Aschenbeisetzung ohne Urne (33).

Muslimische Erdreihengräber sollen an der Bergstraße und auf dem Friedhof Mausbach angeboten werden sowie in Vicht auf dem Gelände an der Johanniskapelle amerikansiche Urnen-Bestattungen, was bereits vom Rat beschlossen worden ist.

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