Altstadt als Filmkulisse

WDR-Produktion : „Unsere wunderbaren Jahre“ in Stolberg

Bei Abels an der Burgstraße gibt es wieder Brötchen. Zumindest im Film. In „Unsere wunderbaren Jahre“ ist die heutige WG die Bäckerei und Conditorei Linz. Die steht im Juni 1948 in den Tagen der Währungsreform im westfälischen Altena an der Lenne.

Entsprechend „Gasthaus an der Lenne“ heißt nun Axel Gesells „Alt Stolberg“, der Bachbalkon des „Raubritters“ dient als Kulisse eines Gemüse- und Colonialwarenhandels.

Die UFA Fiction GmbH aus Potsdem verfilmt im Auftrag des WDR den Roman von Peter Prange, der in der Kleinstadt Altena spielt, als jeder druckfrische 40 D-Mark erhielt. Christel und Eduard Wolf (Katja Riemann und Thomas Sarbacher), ihre drei Töchter Ulla, Gundel und Margot (Elisa Schlott, Vanessa Loibl und Anna Maria Mühe) und deren Freunde sind dabei. Regie führt Elmar Fischer nach dem Drehbuch von Robert Krause und Florian Puchert. Gedreht wird in Solingen, Gummersbach, Düren, Köln – und in der Stolberger Altstadt. Vogelsang- und Finkenbergkirche, Burg- und Klatterstraße sowie der Steinweg sind Locations.

Schattige Plätze unter dem alten Baumbestand an der Vogelsangkirche sind während der Drehpausen gefragt. Foto: Lutz Scheffler

Nicht jeder ist begeistert

Mit kleinem Aufwand wurden die historischen Gebäude in die Zeit vor sieben Jahrzehnte versetzt, obwohl sie heute viel schmucker sein dürften, als sie es damals waren.

Historische Fahrzeuge parken auf dem Steinweg. Foto: M. Vroomen

Der Tross der Filmcrew hat sein Lager auf dem Heinrich-Böll-Platz aufgeschlagen, was nicht jedermann gefällt. „Unser Restaurant ist zugestellt“, klagen Christoph und Harald De Brabander insbesondere über den Toilettenwagen und Müllcontainer vor dem „Deux Ponts“, ausgrechnet in dieser Woche zum letzten Mal öffnet.

Andere begrüßen die Dreharbeiten, wie Frank Krümel. „Hauptsache es geschieht etwas in Stolberg“, sagt der Friseur. Begeistert sind trotz kleiner Einschränkungen viele Altstadtbewohner, die gerne diese nette Abwechselung vom Alltag fotografisch dokumentieren. Zumindest außerhalb der Drehzeiten, dann verbittet sich die Crew jedwede Störung. Aber in den Pausen darf auch der Fotoapparat gezückt werden. Dann gelingt auch schon einmal ein Schnappschuss von den Schauspielern.

Schattige Plätze unter dem alten Baumbestand an der Vogelsangkirche sind während der Drehpausen gefragt. Foto: Lutz Scheffler

Kurzzeitige Sperrungen von Straßen und Brücken werden zumeist gelassen hingenommen – auch wenn man dabei kaum einen Blick auf die eigentlichen Dreharbeiten werfen kann. Es würde schließlich wenig authentisch wirken, wenn ein Golf Cabrio über die Brücke in der Schart im Hintergrund vorbeifährt, wenn auf dem Pont de Valognes in der Burgstraße gefilmt wird.

Gedreht werden nicht nur Außenaufnahmen, sondern auch Szenen innerhalb der Gebäude in der Altstadt. Die haben eigens Gardinen verpasst bekommen und die Bewohner mussten ihre „Stopp Tihange“-Plakate sinnigerweise abhängen. Wer kannte schon 1948 das Örtchen Tihange bei Lüttich? Und das dortige Kernkraftwerk ist schließlich erst ab 1975 ans Netz gegangen. Das alles spielte zu Zeiten der Währungsreform noch keine Rolle. Die Ausstrahlung von „Unsere wunderbaren Jahre“ ist für 2020 in der ARD vorgesehen.

Der Bachbalkon des „Raubritters“ an der Klatterstraße dient als Colonialwarenhandlung. Foto: M. Vroomen
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