Stolberg-Zweifall: Altes Reitmeisterhaus ist ein Zweifaller Schmuckstück

Stolberg-Zweifall : Altes Reitmeisterhaus ist ein Zweifaller Schmuckstück

Reitmeisterhäuser prägen das Zweifaller Ortsbild. Als Reitmeister wurden die Besitzer der Eisenhütten bezeichnet, deren Manufakturen zur Herstellung und Weiterverarbeitung von Eisen bis ins frühe 19. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil des örtlichen Gewerbelebens waren. Standort zahlreicher Reitmeisterhäuser ist die Döllscheidter Straße, die einst die Hauptstraße des heutigen Stolberger Stadtteils war.

Ein besonders schönes Beispiel für die dortige Reitmeisterarchitektur ist das zweigeschossige Bruchsteingebäude Döllscheidter Straße 13, das Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden sein soll. Vermutlich ist aber der linke, der der Straße zugewandte Teil, älter. Denn auf der Rückseite dieses Bauteils befindet sich ein bemerkenswertes bauhistorisches Detail.

Dort ist ein aus Eichenholz bestehendes Kreuzstockfenster zu sehen, das vermutlich im 16. Jahrhundert entstanden ist. Die obere Hälfte des Fensters, die ursprünglich wohl verglast war, ist kleiner ausgeführt als die untere Hälfte. Auffällig sind in der oberen Hälfte die Segmentbögen der aus Eichenholz bestehenden Fensterstürze.

Im unteren Bereich sind entlang der Rahmen Einkerbungen zu sehen, die wohl dazu gedient haben, das man die Fensterläden bündig abschließen konnte. Vermutlich ist das Gebäude, dessen Mauerwerk überwiegend aus dem örtlich anstehenden rotbraunen Eisenstein besteht, um 1650 umgebaut und erweitert worden.

Denn in diese Zeit weist die aus Blaustein bestehende barocke Türeinfassung an der Vorderfront. Das Türblatt aus Eichenholz ist im Fischgrätmuster verbrettert und mit einer dichten Vernagelung ausgebildet. Über der Eingangstür befindet sich ein Schlussstein, der von einer Inschrift und den Initialen A. H. geschmückt ist. Die Inschrift besitzt den Wortlaut: „Der Herr gesegne und beheutte deinen Auss- und Ingang“. Eine ähnliche Inschrift ist auch über dem Eingangsportal der evangelischen Kirche an der Apfelhofstraße zu sehen.

Den Namen des Bauherren, der die Umbauten und Erweiterungen in Auftrag gab, kennen wir nicht. Der Segensspruch lässt aber die Vermutung zu, dass er ein Mitglied der evangelischen Gemeinde war: Mitglied der evangelischen Gemeinde war der Reitmeister Hilmans, der im 17. Jahrhundert Anteile an der Werkerhütte besaß. Kommt er als Bauherr in Frage, der sich mit dem Anfangsbuchstaben seines Familiennamens auf dem Schlussstein verewigte?

Im Innern besitzt das traditionsreiche Gebäude eine weitere historische Besonderheit. Ein beidseitig nutzbarer Schrank fungiert als Raumteiler zwischen Wohnzimmer (Stube) und Flur. Beide Frontseiten sind von einem reichen Schnitzwerk gekennzeichnet. Der große Schrank ist vermutlich in der Renaissancezeit entstanden. Wahrscheinlich hat das Reitmeisterhaus zu einer geschlossenen Hofanlage gehört, von der aber keine Überreste mehr vorhanden sind. Seit Februar 1984 ist das alte Reitmeisterhaus, das ein Schmuckstück des Stadtteils Zweifall darstellt, in die Baudenkmalliste der Kupferstadt eingetragen.

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