Stolberg-Schevenhütte: Alter Roheisenbarren weckt Forscherdrang

Stolberg-Schevenhütte: Alter Roheisenbarren weckt Forscherdrang

Seit gut zwei Jahren werden sie mehr und mehr: die Hinweistafeln zur Geschichte in Schevenhütte. Mittlerweile sind es schon 29. Wer durch das beschauliche Örtchen Schevenhütte spaziert, kann sie an dem ein oder anderen alten Gebäude gut wahrnehmen.

Der Heimat- und Verkehrsverein Schevenhütte (HVV) arbeitet nach und nach mit viel Leidenschaft und Begeisterung die Schevenhütter Historie auf.

Edi Joßet zeigt es: Gut verständlich sind die Daten auf den Hinweistafeln für alle.

Angefangen hat alles eher per Zufall bereits vor etwa fünf Jahren. In einer privaten Garage wurde ein Roheisenbarren, der schon über Jahrzehnte ohne jegliche Beachtung dort lagerte, von Willi Dantz, Mitglied des Vereins, sichergestellt.

„Wir haben festgestellt, dass es sich hierbei um eines der letzten Roheisenprodukte der Schevenhütter Hüttenindustrie handelt, und das hat sofort unseren Forscherdrang geweckt“, erklärt Architekt Eduard Joßet, Vorsitzender des HVV.

Nach diesem Fund stand für den Heimat- und Verkehrsverein fest, „da machen wir was draus“, ergänzt Joßet strahlend. Von jetzt an wurde heftig recherchiert. Maßgeblichen Anteil an der Recherche und Idee hatte der Hobbygenealoge René Sauer.

Das kleine Örtchen ist durch die damalige Eisengewinnung in Eifel und Voreifel stark geprägt, wie man auch heute noch am Ortsnamen und an manchen Straßennamen erkennen kann. Bis 1850 wurde in und um Schevenhütte in vielen Kleinbetrieben nach Eisenerz gegraben. In einem Hochofen und zwei Frischöfen wurden die gewonnenen Bodenschätze verarbeitet. Und bei dem Roheisenbarren scheint es sich um ein Überbleibsel aus dieser Zeit zu handeln.

Folglich beschäftigt sich die erste Hinweistafel mit den Hochöfen und dem „Hötteplei“ (Hüttenplatz). Die Eisenverarbeitung bestand schließlich aus „Köhlern, Verhütten, Gießen, Recken und Aufbereiten“. Daher sollte dieser Vorgang besonders hervorgehoben werden. Weitere wichtige Stationen der Metallverarbeitung im Dorf sind mit mehreren (nummerierten) Tafeln zu einer Art „Lehrpfad“ verbunden worden.

Allerdings bietet Schevenhütte auch noch viele andere Sehenswürdigkeiten, auf die mit den Tafeln aufmerksam gemacht wird. So finden sich die geschichtlichen Hinweisschilder beispielsweise an Kapellen, der Kirche, einer Spinnerei oder dem alten Schwimmbad im Ort. Weitere sollen noch folgen.

Nicht in Vergessenheit geraten

Der Heimat- und Verkehrsverein sah es als notwendig an, mit diesen Hinweistafeln an ehemalige Sehenswürdigkeiten zu erinnern und die noch existierenden zu beschreiben, damit deren Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

Manchmal ist dafür professionelle Unterstützung notwendig. Wenn der Arbeitskreis des Heimatvereins in der Recherche stecken bleibt, wird Hilfe von außen herangezogen. So sei auch eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stolberger Verwaltung und dem Bauordnungsamt, vor allem mit Engelbert Gey, entstanden, betont Joßet.

Die Tafeln zur Geschichte des kleinen Ortes sollen nicht nur den Bürgern, sondern auch interessierten Touristen und (Jakobsweg-) Wanderern einen Einblick in die Ortsgeschichte geben. Die Stadt kann sich darüber nur freuen; schließlich wird hier der Tourismus in Stolberg deutlich gefördert.

Und dies geschieht in erster Linie mit großer Unterstützung durch die sogenannte „Päddcheskolonn“, einer ehrenamtlichen Truppe, die sich aus dem Heimat- und Verkehrsverein formiert. Sie stellt die Schilder auf, sorgt dafür, dass Wege, Bänke und vieles mehr im Ort sauber und in Ordnung gehalten werden. „Ohne ehrenamtliches Engagement wären solche Projekte gar nicht mehr durchzuführen“, betont Eduard Joßet.

Zu diesem Projekt ist gleichzeitig eine kleine Hochglanz-Broschüre entstanden, worin alle Hinweistafeln sowie ihre Standorte erläutert werden. Diese Broschüre kann zum Preis von 15 Euro bei den Vorstandsmitgliedern Eduard und Anneliese Joßet, Langerweher Straße 37 in Schevenhütte, Telefon 02409/9271, in der „Schlemmerbud“ gegenüber der Pfarrkirche sowie in der Gaststätte „Casino“ erworben werden.