Stolberg: Abriss: Für das Stellwerk ist der letzte Zug nun abgefahren

Stolberg : Abriss: Für das Stellwerk ist der letzte Zug nun abgefahren

Das Stellwerk „Shf Altstadt“, oder wie es früher hieß „Shf Hammer“, gehört wohl bald schon der Vergangenheit an. Seit einigen Tagen ist es von Bauzäunen umkreist und ein Teil der historischen Zinkblechverkleidung im Obergeschoss wurde bereits entfernt.

Zu Beginn der Woche stand neben dem historischen Relikt der Stolberger Eisenbahngeschichte ein Container. Mitarbeiter einer Baufirma entrümpelten das Gebäude und entsorgten Teile der Inneneinrichtung. Die Vorbereitungen für die Abrissarbeiten haben begonnen.

Das bestätigte am Dienstag auch Thomas Fürpeil, Geschäftsführer der Euregioverkehrsschienennetz GmbH (EVS), auf Nachrfage unserer Zeitung. Den Auftrag habe man an eine Baufirma vergeben. Am Mittwoch und Donnerstag soll abgerissen werden. Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte die Stolberger Stadtverwaltung den Abrissantrag bewilligt. Dass der Abriss erfolgen sollte, war für die EVS klar. Schließlich war die Standsicherheit des Gebäudes nicht mehr gegeben. Außerdem könne und wolle man auf das Bauwerk verzichten, teilte man von Seiten der EVS damals mit. Für den Betrieb der Strecke wird es nicht mehr benötigt, aber der Unterhalt verursache Kosten.

Der vorgesehene Abriss des Stellwerks stieß allerdings nicht überall auf Verstädnis. „Das Stellwerk ist außer des Schienenweges das letzte technische Relikt der Talbahnstrecke von 1881. Alle anderen damals entstandenen Bauwerke sind inzwischen verschwunden und abgerissen worden“, schrieb der Stolberger Historiker Toni Dörflinger zu diesem Thema auf der Facebook-Seite „historia stolbergeriensis“ und setzte sich mit weiteren Geschichtsfreunden für einen Erhalt des um 1909 entstandenen Stellwerks ein. Vergeblich.

Bis ins Jahr 2011 hinein wurden von dem Stellwerk aus die Schranken — bis 2002 sogar noch manuell von Hand — des Bahnübergangs Aachener Straße und die Abwicklung des Zugverkehrs im Bahnhof Hammer betreut. Das geschieht bereits seit einigen Jahren elektronisch vom zentralen Stellwerk im Hauptbahnhof, dem 1888 erbauten und renovierten Betriebssitz der EVS.

Seit Jahrzehnten hat die Stadt ein Auge auf das Stellwerk geworfen. Beim Bau der Rathausumfahrt in den 80er Jahren war es unverzichtbar für die Nato-Transporte auf der Vennbahnstrecke, später beim Umbau des Einmündungsbereiches fehlte der Stadt das Geld, die geplante Rechtsabbiegerspur nach Büsbach dort anzulegen, wo heute noch das Stellwerk steht. Entsprechende Vereinbarungen zwischen EVS und Kupferstadt waren bereits vor dem Betriebsbeginn der Euregiobahn im Juni 2001 getroffen worden.

Allerdings entsprechen die damaligen Straßenplanungen nicht mehr dem heutigen Stand. Die separate Rechtsabbiegerspur nach Büsbach ist kein Thema mehr. Im Rahmen der Umgestaltung des Oberstolberger Marktes soll aber der Einmündungsbereich von Aachener Straße und „An der Krone“ neu gestaltet werden. Auch dabei steht nach aktueller Planungslage das Stellwerk im Weg. Ein Baubeginn im Rahmen des Entwicklungskonzeptes Talachse ist für 2019 vorgesehen. Fest steht: Mit dem Abriss des Stellwerks endet auch eine Ära.

Dann steht „außer dem Empfangsgebäude in Atsch von 1888 kein Bauwerk mehr, das die Eisenbahngeschichte als Teil der großen Industriegeschichte abbildet“, so formulieren es wehmütig die Historiker.

(se/-jül-)