Aber was kann der Stadtrat nur tun?

Neues Gutachten : Handlungsbedarf bei Einzelhandel

„Es besteht Handlungsbedarf“: Nahezu jede Fraktion kam im Ausschuss für Stadtentwicklung nach der Vorstellung der Fortschreibung des Einzelhandelsgutachtens durch die Kölner Cima Beratung und Management GmbH zu dieser Einschätzung.

Schonungslos untermauerten die Zahlen, „das, was wir eigentlich wissen“, brachte es Dina Graetz (Grüne) auf den Punkt. „Ein Discounter-Problem an den Randlagen der Stadt“, diagnostizierte Gabi Halili (Linke).

„Entscheidendes nicht gelungen“

„Viele Aspekte“, erkannte Rolf Engels (SPD), der zur Frage kam: „Können wir etwas tun?“ Wobei die Antwort eher ernüchternd ist. Das Einzelhandelsgutachten gilt als Steuerungselement, wenn jemand kommt, der etwas tun möchte. Oder wie Beigeordneter Tobias Röhm formulierte, „um zu wissen, wo brauchen wir was“. Das Konzept ist quasi eine To-do-Liste für die Wirtschaftsförderung und bei der Aufstellung von Bebauungsplänen.

Dabei arbeite die Wirtschaftsförderung rege, und das Bild der Innenstadt werde mit großem Aufwand herausgeputzt, konstatierte Engels: „Aber Entscheidendes ist noch nicht gelungen.“ Das Bemühen, Einzelhandel anzusiedeln, müsse verstärkt werden. Nur wie?

Zumindest müsse die städtebauliche Aufwertung weiter vorangetrieben werden, sagte Günter Blaszczyk (CDU): „Und was noch da ist, müssen wir hegen und pflegen.“ Der Einzelhandel dürfe nicht wegbrechen.

Zentralität gesunken auf 73,3

Aber genau das ist der aktuelle Trend, den die Cima-Gutachter der Kupferstadt bescheinigen. Von 2008 bis 2018 sind die Anzahl der Einzelhandelsbetriebe um 90 auf 236 sowie die Verkaufsfläche um 6937 auf 49.490 Quadratmeter gesunken. Der Umsatz reduzierte sich um 20,4 auf 211,1 Millionen Euro, die Anzahl der Leerstände stieg um 23 auf 109. Während die Verkaufsfläche pro Einwohner um 0,09 auf 0,87 Quadratmeter sank, stieg sie pro Betrieb um 37 auf 210 Quadratmeter – eine Entwicklung, die vor allem durch im Ausbau von Supermärkten begründet ist. Unter dem Strich verzeichnet Stolberg eine schwindende Zentralität. Ihre Kennzahl reduzierte sich um 3,6 auf 73,3.

Und das bedeutet, dass die Kupferstadt weit abgeschlagen hinter Jülich (93), Eschweiler (102) und Aachen (129) rangiert. Bemerkenswert ist, dass in Stolberg die Food- (0,41) und die Nonfood-Verkaufsfläche (0,46) nahezu gleich groß sind. In den Vergleichsstädten rangiert der Lebensmittelanteil deutlich niedriger. Bundesweit liegt er bei 0,43 zu 1,01 bei Nonfood.

Das belegt auch eine Bilanz des Warenbesatzes. Im periodischen Bedarf (Lebensmittel, Körperpflege, Zeitungen, etc.) erwirtschaften 128 Betriebe auf 28.325 Quadratmeter Verkaufsfläche 158,1 Millionen Euro Umsatz. Im aperiodischen Bereich (Bekleidung, Möbel, Schmuck, Haushaltswaren, etc.) kommen 108 Betriebe mit 21.165 Quadratmeter Verkaufsfläche auf 53 Millionen Euro.

Konsum in anderen Städten

Der Kaufkraftkoeffizient der Kupferstadt liegt mit einem Wert von 94,223 rund sechs Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Für den periodischen Bedarf bescheinigt die Cima den Stolbergern ein Kaufkraftpotenzial von 142,7 Millionen Euro, für den aperiodischen Bedarf in Höhe von 145,3 Millionen Euro.

Mit anderen Worten kaufen Auswärtige im Wert von mindestens 12,8 Millionen Euro Waren des täglichen Bedarfs in der Stadt ein, falls die Stolberger ihr Kaufkraftpotenzial in der Heimatstadt komplett decken würden. Aber umgekehrt geben Stolberger zwei Drittel ihres Budgets für Konsumgüter außerhalb der Stadtgrenzen aus.

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