814.000 Euro für das Seniorenzentrum auf der Liester

Neubau auf der Liester : Erneuter Zuschuss für Seniorenzentrum

Es ist fast auf den Tag genau sechs Monate her. Ende November wurde der Neubau des Seniorenzentrums auf der Liester von Geschäftsführerin Gabriele Makola ihren Mitarbeitern und den Bewohnern bezogen. Dass die geplante Fertigstellung und damit der Umzugstermin vier Monate später als ursprünglich geplant von statten gehen mussten, war bekannt.

Umso mehr freute man sich auf den Umzug, der auch eine Art Neuanfang hätte sein können. Immer wieder hatte die Einrichtung in der Vergangenheit für Negativschlagzeilen gesorgt. Dabei ging es neben den Anschuldigungen einiger Mitarbeiter gegenüber Makola vor allem um die Finanzen. Doch auch diesbezüglich schien man auf einem guten Weg zu sein. Mit 371.000 Euro sollten die Stadt Stolberg und der Stadtrat, der auch gleichzeitig als Gesellschafterversammlung der Einrichtung fungiert, das Seniorenzentrum unterstützen.

Die Zahlen, die Hauptausschuss und Stadtrat in ihrer Sitzung am heutigen Dienstag genehmigen sollen, haben mit den ursprünglichen Planungen allerdings nicht mehr viel zu tun. Überplanmäßige Haushaltsmittel von 814.000 Euro sollen bereitgestellt werden. Ein Grund: Die Einrichtung ist auch sechs Monate nach dem Umzug nicht so ausgelastet wie sie es eigentlich sein sollte. Doch dazu später mehr.

Es sei eine Situation entstanden, die man nicht mehr „schön reden könnte“, sagt Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger auf Nachfrage unserer Zeitung. Deshalb lautet nun die Devise: „Wir müssen die Einrichtung finanziell auf sichere Beine stellen.“ Eine Situation, die nicht neu ist. Immer wieder stellten Rat und Verwaltung in den vergangenen Jahren entsprechende Mittel bereit, damit die Einrichtung weiter existieren kann. Laut den Wirtschaftsplänen sollte im kommenden Jahr die schwarze Null erreicht werden – eigentlich.

„Wir nehmen die finanzielle Situation des Betriebes sehr ernst und arbeiten seit März mit Hochdruck an Maßnahmen, die kurz- und langfristig zur Stabilisierung der Wirtschaftlichkeit führen sollen und müssen“, erklärt Geschäftsführerin Gabriele Makola auf Nachfrage unserer Zeitung. Ein Problem: Der Wirtschaftsplan für das Jahr 2019 habe auf Daten mit Stand von Ende Oktober 2018 basiert und sei mit vielen Unwägbarkeiten und Risiken einhergegangen, die vorrangig aus den neuen Strukturen des Seniorenzentrums und der Inbetriebnahme von weiteren Fachbereichen resultiert hätten, so Makola weiter.

Für die Auslastung der ambulanten Wohngemeinschaften und der Tagespflege lagen Ende Oktober 2018 fiktive Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Spitzenverbandes zur Grunde. „Nach der Hochrechnung zum ersten Quartal 2019 und der tatsächlichen Entwicklung der neuen Fachbereiche mussten die Zahlen entsprechend korrigiert und neu geplant werden“, erklärt die Geschäftsführerin.

Die neuen Wirtschaftspläne für das laufende Jahr stellt Makola Hauptausschuss und Rat Dienstag vor. Von Seiten der Politik und Verwaltung darf sie wohl mit Unterstützung rechnen. „In der Vergangenheit ist deutlich geworden, dass wir von Seiten der Stadt zu der Einrichtung stehen und die Bereitstellung der Mittel deshalb notwendig ist. Was allerdings nicht bedeutet, dass wir die momentane finanzielle Situation schön reden können“, sagt Voigtsberger. Die Belegung sei derzeit noch nicht so weit fortgeschritten, wie ursprünglich geplant.

Der verzögerte Umzug habe seit August zu einem Aufnahmestopp in der stationären Pflege sowie zu weiteren Kostenverschiebungen geführt, heißt es in der Vorlage. Seit Januar sei das Leistungsangebot zudem um zwei weitere Fachbereiche erweitert worden: Dazu gehöre die Tagespflege mit 20 Plätzen und das Angebot der ambulanten Wohneinheiten mit 24 Mieteinheiten. Zusätzlich gibt es in der Einrichtung Auf der Liester 80 stationären Pflegeplätze. In der einstigen Einrichtung am Amselweg gab es 61 Pflegeplätze, die allerdings nicht mehr den gesetzlichen Standards entsprachen.

69 der insgesamt 80 Plätze im Seniorenheim seien derzeit, laut Makola, belegt. Für zumindest eine ambulante Wohngemeinschaft mit zwölf Wohneinheiten soll sechs Monate nach dem Einzug bereits ein neues Konzept ausgearbeitet werden – vorausgesetzt die Politik stimmt diesem Vorhaben zu.

Laut Makola gibt es noch ein weiteres Problem. „Der kalkulierte Investitionskostensatz wurde von LVR deutlich niedriger beschieden als per 31. Oktober 2018 im Plan angesetzt. Dieser Umstand ist der Aufteilung der anerkannten Pflegeplätze gemäß des Bedarfsplans geschuldet. Unser Seniorenheim hat lediglich 61 Plätze anerkannt bekommen, das bedeutet, dass die restlichen 19 nicht in die Berechnung und Kalkulation der Investitionskosten einfließen dürfen“, erklärt sie.

Die Miete, die die EInrichtung jedoch an den Eigentümer entrichten müsse, basiere auf einer Berechnung mit 80 Plätzen. „Seit 2015 sind alle Beteiligten bemüht, die Anerkennung der verbleibenden 19 Plätze zu erzielen. Bis heute jedoch ohne Erfolg.“

Während sich die Auslastung im Seniorenheim besonders in den vergangenen Wochen positiv entwickelt habe, kämpfe man – wie alle anderen Pflegeanbieter auch – um jede geeignete Pflegekraft auf dem Markt. „Ein Auslastungswachstum geht immer mit steigender Mitarbeiteranzahl einher, um die von Kostenträgern gesetzte Personalquote erfüllen zu können“, sagt Makola. Die Politik habe bundesweit zwar weitere 13.000 neue Stellen geschaffen. „Die Frage ist nur: Wer soll diese Stellen besetzen? Es fehlt an geeigneten Pflegepersonal. Der Markt ist leer“, so Makola weiter. Die Einrichtung habe bereits seine Ausbildungsstellen um weitere drei Plätze erhöht, um der Marktentwicklung in geeigneter Weise entgegen zu wirken.

Auch Voigtsberger ist sich sicher, dass sich die Einrichtung auf einem guten Weg befinde, allerdings nunmehr in den nächsten Wochen und Monaten weitere Schritte zur zukunftsfesten Aufstellung der Einrichtung gegangen werden müssen. Damit eine ähnliche Situation Rat und Verwaltung im kommenden Jahr erspart bleibe.

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