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Stolberg: 2400 Liter pro Minute gegen das Feuer

Stolberg : 2400 Liter pro Minute gegen das Feuer

Auf der Rathausstraße ist eine Fahrspur gesperrt, mit 50 Männern und vier Fahrzeugen ist die Feuerwehr vor Ort. Was wie ein Großeinsatz zu abendlicher Stunde aussieht, ist nur eine Übung, aber eine wichtige.

Es geht um den Test einer neuen Form der Wasserentnahme, um im Notfall in der Innenstadt einfacher und schneller den Katastrophenfall zu bewältigen, der hoffentlich nie eintritt.

Tatsächlich mutet der Einsatz am Mittwochabend auf den ersten Blick etwas seltsam, denn das Wasser, das die Männer durch drei 24 mm dicke Rohröffnungen schießen lassen, fließt exakt dorthin zurück, wo es gerade herkommt: in den Bastinsweiher.

Schnell angeschlossen

„Das ist ein Test mit einer ganz neuen Wasserentnahmestelle”, erklärt der Einsatzleiter Herbert Wiese. Diese extra für offene Gewässer konstruierte Entnahmestelle hat die Feuerwehr am Rande des Weihers anlegen lassen, direkt an der Einmündung der Straße Am Bastinsweiher in die Rathaus- bzw. Salmstraße.

Ein Löschfahrzeug haben die Männer der Löschgruppen Stolberg-Mitte, Donnerberg und Büsbach mit Hilfe zweier kurzer Verbindungsstücke an die Entnahmestelle angeschlossen, die Pumpe im Fahrzeug saugt das Wasser aus dem unendlichen Reservoir des von der Vicht gespeisten Weihers an.

Der Vorteil: Das Saugrohr der Entnahmestelle geht durch den Metallzaun um den Weiher hindurch und endet auf niedriger Höhe. „Vorher mussten wir über das Geländer gehen”, erklärt Wiese. „Da hatten wir ein technisches Problem beim Ansaugen, weil das Geländer höher lag als die Pumpe am Fahrzeug.”

Außerdem haben die Wehrleute nun eine enorme Zeitersparnis. Wurden früher Saugrohre über das Geländer gelegt, die erst mühsam angekuppelt wurden, wobei vier Mann das Gerät erst einmal über den Zaun heben und andere den ganzen Vorgang sichern mussten, so geht der Anschluss mit der neuen Technik viel einfacher. „Die Pumpe ist schnell angeschlossen, so kommen wir im Notfall auch viel schneller an das Wasser aus dem Weiher”, sagt Wiese.

Und der Test läuft wie geschmiert. Aus drei B-Rohren gleichzeitig schießt das Wasser in hohen Fontainen in den Weiher zurück. Mit Mundstück hat die Öffnung der Schläuche einen Durchmesser von 16 mm, dann fließen 400 Liter pro Minute aus dem Rohr.

Nimmt man das Mundstück ab, schießen sogar 800 Liter pro Minute aus der nun 24 mm großen Öffnung. „Mit dem Einsatz von drei Rohren gleichzeitig sind wir in der Lage, 2400 Liter Wasser pro Minute zum Beispiel auf ein brennendes Haus zu schießen”, so Wiese.

Und dass das Wasser regelrecht aus den Rohren schießt, ist nicht übertrieben: Bis zu 40 Meter weit reichen die Fontänen. Das spüren auch schnell die Zuschauer der Übung am hinteren Ufer des Weihers, die sich sicherheitshalber schnell mal ein paar Meter zurückziehen.

Geographischer Glücksfall

Im Notfall kann die Feuerwehr so im Umkreis von 300 Metern um den Bastinsweiher binnen Minuten einen großen Löscheinsatz mit unerschöpflichem Wasservorrat starten. Weil nun weitere Entnahmestellen an offenem Gewässer, also vornehmlich am Vichtbach, angebracht werden sollen, ist die Wehr bald in der Lage, die ganze Innenstadt abzudecken. Zumal durch Verlängerung der Schläuche die Reichweite deutlich ausgedehnt werden kann. „Das dauert dann nur länger und bindet mehr Leute”, schränkt Wiese ein.

Finanziert werden die neuen Entnahmestellen von der Stadt. Eine Quelle wie den Vichtbach bzw. den Bastinsweiher mitten in der Stadt zu haben, ist übrigens ein echter Glücksfall. In einer Stadt wie Aachen beispielsweise wäre diese Form der Wasserentnahme nicht möglich. „Ja”, sagt Herbert Wiese, „das ist aus feuerwehrtechnischer Sicht wirklich ein geografischer Vorteil, den wir hier haben.”