Stolberg-Büsbach: 150 Jahre St. Hubertus-Kirche: Ein Rückblick

Stolberg-Büsbach: 150 Jahre St. Hubertus-Kirche: Ein Rückblick

„Die Geschichte der St. Hubertus-Kirche war eine Geschichte ständiger kleiner und oft recht großer Reparaturen und Instandsetzungen, die nur durch die große Opferwilligkeit der Pfarrgemeinde für ihr Gotteshaus ermöglicht wurde“: Das schrieb der Theologe, Pädagoge und Journalist Dr. August Brecher für die Festschrift zum 125-jährigen Bestehen des Gotteshauses, das Büsbach im Juni 1989 feiert.

Die Worte von Dr. Brecher sollen sich als prophetisch erweisen. Bis heute zu ist der „Dom der Voreifel“ nicht nur eine ständige Baustelle, sondern die vergangenen 25 Jahre bringen auch die schmerzhaftesten Stunden für die Gemeinde mit sich, als 1994 der weithin sichtbare Turm des Gotteshauses Stein für Stein abgetragen werden muss. Das Ende eines 25 Jahre währenden Ringens um seinen Erhalt trifft die Büsbacher zwar ins Mark, soll sie jedoch nicht ruhen lassen, bis ein neuer Träger für neue wohlklingende Glocken gefunden ist...

Großen Anteil nahm die Gemeinde am 20. Juli 2003, als Weihbischof Dr. Gerd Dicke in großer Assistenz des Klerus aus der Region das neue fünftonige Bronze-Geläut für St. Hubertus taufte, weihte und segnete. Es stammt aus der evangelischen Kirche in Altena. Foto: J. Lange

Auch wenn morgen die Pfarrgemeinde das 150. Kirchweihfest des heutigen Gotteshauses feiert, so reicht die Geschichte weit zurück bis ins Jahr 1680, als die heutige Pfarrei zum Territorium der reichsunmittelbaren Abtei Kornelimünster gehört. Dort steht mit der Bergkirche St. Stephan die einzige Pfarrkirche des ganzen Münsterländchens, als südlich der heutigen Pfarrkirche direkt an der Hostet­straße die Büsbacher Kapelle errichtet und 1681 durch Abt Freiherr von Hoen-Cartiels geweiht wird.

Auch heute gilt, dass das Gotteshaus eine Baustelle ist. Derzeit sammeln Pfarrgemeinde und Förderverein, damit die historischen Gitterrosetten aus Eisen an den Geländern der Kirchaufgänge detailliert restauriert werden können. Foto: J. Lange

Brecher berichtet, dass „zwei seitliche enge Treppenaufgänge zum Eingang führten. Die Kapelle besaß drei Altäre, zwei Beichtstühle und eine kleine Orgel. Das Altarbild des Hauptaltars stellte die Verkündung an Maria dar. Gegenüber dem kleinen Gotteshaus lag ein von Weidenbäumen umgebener Weiher“.

Als Zeichen der Verbundenheit im „Land ohne Grenzen“ wird der Heilige Hubertus, der als Bischof von Maastricht seinen Sitz nach Lüttich verlegte, als Pfarrpatron gewählt. Als Kurat-Vikarie von Kornelimünster wird die Kapelle von einem Mönch der Abtei bedient.

In Folge der Französischen Revolution, der Besetzung des Rheinlandes und der Neuordnung der kirchlichen Strukturen wird das Bistum Aachen neu errichtet und die Büsbacher Kapelle 1804 zur Pfarrkirche erhoben. Erster Pfarrer ist Johann Adolf Maximin Otten (1804-1831).

Wie später das neue Gotteshaus hat die Büsbacher bereits bei der Kapelle mit Baumängeln zu kämpfen. Anfang des 19. Jahrhunderts gilt sie als baufällig und zu klein für die stetig gewachsene Gemeinde. Sie wird ab 1810 saniert und erweitert, wobei jedoch der Glockenturm einstürzt und das Geläut zerbricht. Daraufhin wird die ganze Kirche aus Bruchstein neu, jedoch nicht größer, aufgebaut. 1820 folgen zwar neue Glocken, aber 1840 auch neue Schäden. Die Schwierigkeiten, die Pfarrer Ritzerfeld im preußischen Staat mit dem Bau der neuen Lucia-Kirche hat, wirken nicht sonderlich ermutigend auf Pfarrer Anton Rick (1832-1853), berichten Chronisten.

So packt erst Pfarrer Jakob Ludwig Massonet (1853-1881) einen Ersatzbau für die Kirche an, die nur 350 Gläubige fasst. Büsbach, das sich von Dorff über Münsterbusch bis zur Mitte Stolbergs an Jordansberg und Eichsfeldstraße über Bernhardshammer, Nachtigällchen bis nach Vicht erstreckt, wächst bis 1871 auf 3831 Katholiken an. Es wird gespart, gesammelt, Komitees gegründet. 1854 fällt die Entscheidung zum Neubau.

Schon die Suche nach dem Standort ist kontrovers. Eine Heide nahe dem fällt die Entscheidung zum Bau neben der alten Kapelle. „Es hätte zu denken geben müssen, dass sich am Bauplatz bei der alten Kirche eine Quelle befand“, schreibt Dr. Brecher. „Man sollte es noch oft bereuen“. Am 19. Januar 1860 legte Landbaumeister Julius Kruse die Pläne vor; 1600 Sitz- und Stehplätze sind vorgesehen. Am 6. November 1860 legt Pastor Massonet den Grundstein.

1862 ist der Neubau mit Ausnahme des Turms unter Dach gebracht; bis 1864 ist das Gotteshaus mit Innenausstattung vollendet. St. Hubertus präsentiert sich als mächtige, dreischiffige Basilika im klassizistischem Stil aus Bruchstein mit zwölf Pfeilern, 54 Meter hohem Westturm, einem Fünfachtel-Chor nebst einem 250 Pfund schweren Turmhahn. Am 23. Juni 1864 konsekriert Weihbischof Dr. Johann Anton Friedrich Baudri die St.-Hubertus-Kirche. „Dieser Tag war für die ganze Gemeinde ein Tag der Feier und der Freude“, registriert seinerzeit Bürgermeister Giesen.

1865 erhält die Kirche Kreuzwegstationen in Fresco-Malerei, und erste Sorgen aufgrund des wasserführenden Schiefers werden sichtbar. Die Malerei ist kaum aufzubringen. Schäden werden instand gesetzt, Luftlöcher angebracht und um die Kirche legt man Rinnen, um das Wasser abzufangen. Es ist nur der Anfang einer nicht abreißenden Sanierung.

1877 verursacht ein Orkan schwere Schäden. Die Sanierung zieht sich bis 1885 hin; dabei soll die Kirche auch trocken gelegt, Mängel bei Putz und Mörtel behoben, der Turm saniert werden. 1894 wird versucht, das Terrain um die Kirche trocken zu legen. Eine Fehlinvestition ist das 1914 angeschaffte elektrische Läutwerk. Die 1918 beschlagnahmten beiden Glocken werden 1922 ersetzt, aber die Sorgen mit dem Wasser blieben. Mal muss das Dach, mal das Mauerwerk saniert werden.

Im Zweiten Weltkrieg leidet die Kirche erheblich unter Artilleriebeschuss. Und so setzt sich in der Nachkriegszeit fort, was zu Anfang begonnen wurde. Das Gotteshaus bleibt eine Baustelle. Gutachten, Sanierungen und das Aufbringen von erheblichen Finanzmitteln begleiten Gemeinde und Gotteshaus ebenso weiter wie Heizung und Orgeln erneuert werden müssen.

Die nächste große Renovierungsoffensive — wie alle stets ermöglicht durch die großherzigen Büsbacher, erfolgt unter Pastor Hans-Georg Stefes (1969-1984). Die Kirche wird komplett innen und außen renoviert, eine neue Wilbrand-Orgel beschafft. Und beim 125. Kirchweihfest blickt die Gemeinde hoffnungsvoll in die Zukunft, die Sanierungsjahre überstanden zu haben und lediglich eine Verschönerung und Gestaltung des Chorraums vornehmen zu können.

Doch auch Jürgen Urth, der als elfter Seelsorger am 28. Oktober 1984 von Dechant Dr. Franz Schleiermacher mit den Worten „Du kommst in ein gelobtes Land“ eingeführt wird und somit in diesem Jahr auf sein 30. Jubiläum als Büsbacher Pastor blicken kann, muss sich schneller als erhofft der Existenzfrage des Gotteshauses stellen. Bereits 1989/90 sind Schäden wieder erkennbar.

Der stark mit Zinkasche durchsetzte Mörtel der jüngsten Sanierung erweist sich als tödlich für die Standfestigkeit des Turms, Schwingmessungen folgen, im Juli 1990 wird der Turm eingerüstet, seit 1991 läuten keine Glocken mehr, das große Turmfenster und die Eckfilialen werden ausgebaut — und händeringend wird nach allen möglichen Lösungen gesucht. Doch die Risse weiteten sich aus.

Das Gutachten des Bistums kommt im September 1993 zum Schluss: „Der Turm ist nicht mehr zu retten“. Und auch eine Erneuerung scheidet aus, weil dann das Kirchenschiff einzustürzen droht. Eine Nachricht die zu großer Bestürzung in Büsbach führt. Im Februar 1994 beginnt das Abtragen des Kirchturms Stein für Stein. Die Glocken werden demontiert. Geläut soll es im nächsten Jahrzehnt nur vom Band geben. 1995 wird der Eingangsgiebel abgesichert. „Ob Büsbach jemals wieder einen Kirchturm haben wird, steht in den Sternen“, sagt da Kirchenvorstand Günter Hoben.

Doch schon ein Jahr später war der Kirchturmbauverein aus der Taufe gehoben. Mit Günter Hoven, Dr. Franz Kallenberg und Albert Kalkbrenner, um nur einige zu nennen, als Aktivposten. Geld wird gesammelt, nach Ölungen gesucht, ein Gestaltungswettbewerb mit der Fachhochschule ausgelobt. 1997 stehen 21 Entwürfe zur Auswahl. In Zusammenarbeit mit unserer Zeitung dürfen die Büsbacher abstimmen, welchen Turm sie haben wollen. Das Ergebnis ist eindeutig: am liebsten den, der am meisten an den alten erinnert.

Doch dieser Wunsch lässt sich weder finanziell noch technisch realisieren. 2002 wird der alternative Weg eingeschlagen, ein moderner Glockenträger neben die Kirche aus Beton gebaut, und in der evangelischen Kirche in Altena, die geschlossen wird, finden die Büsbacher fünf Glocken aus Bronze, die Weihbischof Dr. Gerd Dicke am 20. Juli 2003 feierlich weihen kann. Es ist ein Freudentag: Nach 13 Jahren Geläut vom Tonband rufen wieder Glocken zum Gottesdienst und begleiten die Gemeinde durch den Tag.

Doch auch mit diesem Kraftakt, den die Büsbacher weitgehend finanziell stemmen, sind die Sorgen nicht vorbei. Die Wilbrand-Orgel muss nach dem Turmabriss instand gesetzt und neu angepasst werden. Die bleiverglasten Fenster müssen restauriert und unter einer Schutzverglasung gesichert werden. Und jetzt ganz aktuell harrt das historische Eisengeländer an den Treppenaufgängen zur Hubertus-Kirche einer grundlegenden Restaurierung. Es wird wieder gesammelt in Büsbach.

Nicht zu vergessen ist dabei, dass zwischenzeitlich das baufällige Hubertushaus an der Bischof­straße aufgegeben wird. Mit dem Neubau an der Hostetstraße direkt neben der Kirche wird auch ein Wunsch von Pastor Jürgen Urth und seiner Gemeinde wahr: Die Nähe von Gotteshaus und Pfarrheim beflügelt das Leben in St. Hubertus. Und so freuen sich die Büsbacher darauf, morgen nach dem feierlichen Pontifikalamt ein paar Schritte weiter das 150. Kirchweihfest auch im kommunikativen Rahmen begehen zu können.

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