131 Tage ist Bürgermeister Patrick Haas nun im Amt

Stolberger Bürgermeister zieht Bilanz : Nur die neue Couch ist noch nicht da

Seit 131 Tagen ist Patrick Haas mittlerweile Bürgermeister von Stolberg. Zeit, um eine erste Bilanz zu ziehen. Welche Ereignisse haben ihn in den vergangenen Monaten besonders geprägt? Und welche Ziele konnte er schon umsetzen?

Wer das Bürgermeisterbüro betritt, dem wird schnell klar: Hier hat sich in den vergangenen Monaten eine ganze Menge verändert. Bereits im Vorraum fällt auf: Die Holztheke ist weg. Melanie Triebel und Martina Hoffmann empfangen die Gäste nun ohne den hohen Praxistresen. Im nächsten Zimmer geht es weiter. Ein neuer Fußboden wurde verlegt und die Schränke sind nun in Weiß gehalten, textile Raumtrenner in Betondesign teilen den vorderen Bereich mit dem großen Besprechungstisch vom hinteren Bereich, in dem der Schreibtisch platziert ist. Nur Kunst-Huhn „Chantall“ steht noch an seinem alten Platz. Was allerdings nach wie vor fehlt? Die neue Couch. Ausgesucht und bestellt wurde sie bereits – natürlich bei einem Stolberger Möbelhaus, erklärt Bürgermeister Patrick Haas. Wann sie allerdings geliefert werde, könne er nicht sagen. So viel verrät der 38-Jährige aber dann doch: „In Leder, aber keine rote Couch.“

Die neuen Sitzmöbel dürften in den vergangenen Monaten wohl nicht die höchste Priorität gehabt haben. Das wird deutlich, wenn man sich mit Haas über die Zeit, die seit seinem Amtsantritt Mitte Juni vergangenen ist, unterhält. Am Freitag ist der ehemalige Gymnasiallehrer und Familienvater seit genau 131 Tagen im Amt. Eingelebt habe er sich sowohl als Leiter der Ratssitzungen als auch in der Bürgermeisterrunde. „Da fühlt man sich, als würde man im siebten Schuljahr umziehen und kommt in eine neue Klasse, in der sich alle schon kennen“, sagt er und lacht. Dennoch sei er von seinen Mitstreitern „sehr gut“ aufgenommen worden.

Dienstreisen nach München und Südkorea standen dabei ebenso auf seiner Tagesordnung wie das Kennenlernen der Mitarbeiter im Stolberger Rathaus. Letztere Aufgabe habe er noch nicht ganz erfüllen können. Bei fast allen Mitarbeitern habe er sich vorgestellt, nur einige Außenstellen der Verwaltung würden noch fehlen, sagt er.

Bis zu zehn Termine am Tag

Das verwundert kaum, wenn man mit ihm über das Thema Termine spricht. Wie viele in den vergangenen Monaten genau zusammengekommen sind, kann Haas nicht sagen. Bis zu zehn Termine und Besprechungen am Tag seien allerdings keine Seltenheit. Rund zwei Drittel seiner Arbeitszeit verbringe er im Büro, die restliche Zeit über sei er auf Außenterminen unterwegs – und das fast immer mit dem Fahrrad. Er wolle weiterhin für die Stolberger ansprechbar bleiben, erklärt er. So, wie auch vor der Wahl. Wenn es nach ihm gehe, sollen die Stolberger mit ihrem neuen Bürgermeister einen Menschen verbinden, der sich die Sorgen der Bürger weiter anhört und der aktiv ist. „Morgens geht mit mir im Rathaus um 6.45 Uhr das Licht an. Ich glaube schon, dass viele Menschen wahrnehmen, dass da jemand sitzt, der sehr aktiv ist“, sagt Haas.

Dennoch merke er, dass er als Bürgermeister anders wahrgenommen werden. „Ich glaube schon, dass sich einige Stolberger mit mir als Bürgermeister identifizieren“, sagt er. Dass es allerdings auch immer wieder Menschen gebe, die sich im Ton vergreifen würden – vor allem in den Sozialen Medien – ist Haas ebenfalls nicht fremd. „Das gab es auch schon im Wahlkampf. Das sind zwar laute, aber auch wenige Leute“, sagt er.

Und worin können die Stolberger bereits die Handschrift ihres neuen Bürgermeisters erkennen? In den vergangenen Monaten habe man bereits einiges umsetzen können, meint der Verwaltungschef. Zu den größeren Themen zähle ganz klar der Haushalt für das kommende Jahr. Wichtig sei, dass man einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren könne, der auch Themen beinhalte, die dem 38-Jährigen am Herzen liegen. Dazu zählt beispielsweise die Betreuung von Kindern über drei Jahren. Für ihre Eltern sollen keine Kosten mehr anfallen. Und woran muss dann im kommenden Haushalt gespart werden? Man habe die eine oder andere Ausgabe nochmal genauer unter die Lupe genommen, aber: „Mir fällt kein spezielles Projekt ein, das wir nicht untergebracht haben“, so Haas.

Ein Thema, das bald schon für ein kleineres Minus im städtischen Haushalt sorgen soll: das Seniorenzentrum auf der Liester. Diesbezüglich sei man auf einem guten Weg. Eine Interimsgeschäftsführung ist vor Ort. Das Ziel: Bewohner und Mitarbeiter sollen sich dort wieder wohlfühlen. Die Vorwürfe, Haas habe der Gesellschafterversammlung nicht genügend Informationen an die Hand gegeben, weist er zurück. Das beauftragte Gutachten sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig gewesen, aber es wären genügend Informationen vorhanden gewesen, um eine Entscheidung zu treffen. Doch auch, wenn das Thema Seniorenzentrum seine bisherige Amtszeit wohl geprägt hat, meint Haas: „Ich hoffe, dass die Stolberger einiges mehr mit mir verbinden als das Seniorenzentrum.“

Vergabe und Mobilität

Weitere Projekte, die Haas gerne umsetzen würde, sollen folgen. Da gibt es zum einen das Thema Vergabe. „Wir geben im Moment viel Geld dafür aus, dass wir Vergaben vergeben“, sagt der Bürgermeister. Das will er ändern. Auch das Thema Mobilität will er weiterhin verstärkt angehen. Geld für die Entstehung eines Parkplatzes an der Brauereistraße sei im Haushalt verankert. Auf diese Weise könne man Parkraum schaffen, der nah an, aber nicht in der Innenstadt liege.

Auch der öffentliche Nahverkehr spiele eine wichtige Rolle. „Das ist das größte Pfund, das wir haben. Damit die Menschen das Auto stehen lassen, müssen wir ihnen etwas bieten“, ist sich Haas sicher. Größere Erfolge könne die Einrichtung einer Stelle für einen Mobilitätsmanager erzielen. Lasse sich die Koalition darauf ein, könne man dies im Stellenplan verankern. Einen Dienstwagen hat Haas sich mittlerweile auch ausgesucht. „Es wird eine Hybridlösung“, verrät er. Ein Audi A6 sei die preiswerteste Lösung für die Stadt und soll künftig nicht nur vom Bürgermeister, sondern auch von den Dezernenten genutzt werden können.

Und wie schnell hat sich der Gymnasiallehrer in seine neue Rolle als Chef der Verwaltung eingefunden? „Man lernt schnell Chef zu sein, weil man Entscheidungen treffen muss. Nur so gibt es keinen Stillstand“, sagt er. Entscheidungen trifft Haas derzeit gleich für zwei Dezernate – seins und das des ehemaligen Ersten Beigeordneten Robert Voigtsberger. Der verließ Stolberg zum 1. Juli – gerade einmal zwei Wochen nachdem Haas zum neuen Bürgermeister gewählt wurde. Voigtsbergers Dezernat ist bislang nicht neu besetzt. „Zwei Dezernate zu leiten, ist wirklich sehr zeitintensiv“, sagt Haas. Das soll sich allerdings bald schon ändern. In der Ratssitzung am 10. Dezember soll die Politik Voigtsbergers Nachfolger wählen. Bewerbungen „im zweistelligen Bereich“ habe es auf die Stelle gegeben, sagt der Verwaltungschef.

Und auf welche Veranstaltungen freut er sich im kommenden Jahr besonders? Natürlich auf den Neujahrsempfang der Stadt Anfang Januar, die Schlüsselübergabe an Weiberfastnacht oder auch die Feier, die zur großen Eröffnung des Stadions Glashütter Weiher stattfinden soll. „Das sind alles Dinge, die ich dann zum ersten Mal als Bürgermeister erlebe“, sagt Haas. Was im kommenden Jahr zusätzlich auf dem Programm steht? Die Kommunalwahl. Neben den bisherigen Parteien könnten sich dann in Stolberg auch zum ersten Mal Vertreter der AfD aufstellen lassen.

Haas hat dazu eine klare Meinung. „Ich glaube, dass wir keine Alternative brauchen, weil wir sehr gute Politiker im Stadtrat haben.“ Und wie ist es um seine Wahl bestellt? Ist er der Meinung, dass die Stolberger ihn wieder mit genauso vielen Stimmen ins Amt heben würden – wenn morgen die Wahl anstehen würde? Die Antwort  auf diese Frage ist einfach, aber deutlich: „Natürlich“, ist er sich sicher.