100 Jahre SG Stolberg : Wie aus Rivalen eine starke Gemeinschaft wird

Zum 100-jährigen Vereinsjubiläum eines Fußballclubs ist es nicht unüblich, dass von ehemaligen Weggefährten, Politik und Verbänden einige Grußworte ankommen.

Bei der SG Stolberg sorgte jedoch ausgerechnet die bekannteste Persönlichkeit für großes Gelächter, denn bei der Präsentation im Vereinsheim musste bei Reinhard Grindel vor die Bezeichnung „DFB-Präsident“ noch ein schnelles „Ex“ geschrieben werden.

Zur Vorstellung der Festschrift, die das Jubiläumsjahr offiziell einläutete, lief ansonsten jedoch alles nach Plan und die blau-gelben Anhänger waren sich einig, dass die Spielgemeinschaft, die aus dem FC Adler Werth und dem SV Gressenich vor zehn Jahren entstand, noch jede Menge Potenzial hat.

Ganz traditionell wollte der Verein mit der Präsentation der Festschrift den Auftakt feiern. Um nicht nur einen Blick in die zusammengerechnet 190-jährige Historie zweier Clubs (siehe Meilensteine) zu werfen, sondern auch die Vorfreude auf die Veranstaltungen zum Geburtstag (siehe Info-Box) und darüber hinaus zu stärken, wie Axel Wirtz, Vorsitzender der SG und prägende Figur des SV Gressenich über viele Jahre, betonte.

„Wir machen das, weil wir hier leben und das unser Wohnzimmer ist“, bekräftige der Politiker und stellvertretende Städteregionsrat, der in jungen Jahren auch als Schiedsrichter aktiv war. Stolz begrüßte er die vielen Gäste im Vereinsheim, darunter den früheren Bürgermeister der Kupferstadt und jetzigen Städteregionsrat Tim Grüttemeier, der die Schirmherrschaft für das Jubiläumsjahr übernommen hat und im Rahmen eines Aprilscherzes auch schon für einen Tag Trainer der SG war.

Nachdem der Schulchor der Grundschule Gressenich die musikalische Einleitung für die Veranstaltung übernahm, nutzte Wirtz die Gelegenheit, die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Dorfgemeinschaft hervorzuheben. Erst kürzlich habe der Verein dafür eine Kooperationsvereinbarung mit der Grundschule und der Kita Parkstraße geschlossen (wir berichteten) und will sich weiterhin für das aktive Vereinsleben in Gressenich und Werth einsetzen, versprach er. Dazu zählt nicht zuletzt der Karneval, dem man durch die KG Adler Werth, die zum Werther Altverein gehörte, besonders verbunden ist.

Der intensive Rückblick auf die Historie in Form einer Präsentation zeigte die bewegte Geschichte der beiden Vereine, in der es neben sportlichen Höhepunkten und großen Feiern, auch immer wieder Tiefschläge gab. Doch obwohl hierbei meist die ersten Mannschaften im Mittelpunkt standen, machte Wirtz klar, dass ebenso die Breitensportler einen großen Anteil am Vereinsleben haben und die Arbeit bei der SG Stolberg, „im Wesentlichen eine Arbeit für die Kinder“ sei.

Bei rund 360 Mitgliedern macht die Jugendabteilung bereits mehr als ein Drittel der Mitglieder aus, und erst im Jahr 2017 wurde der Verein um eine Taekwando-Abteilung erweitert. Ein besonderer Dank galt den vielen ehrenamtlichen Helfern im Verein, denn „ohne diese Leute würde sich nichts bewegen“, betonte Wirtz.

Im Mittelpunkt standen dafür an diesem Abend Chris Zimmermann, Claudia Weber, Heike Kluck und ganz besonders Ehrenpräsident Günter Alt, die in mühevoller Arbeit im vergangenen Jahr die 504 Seiten starke Festschrift verfassten.

Diese basiert auf den Chroniken der Vereine, die zum 75-jährigen Jubiläum herausgegeben wurden, und sind angereichert mit zahlreichen Bildern sowie Geschichten, die die Historie der Clubs beleuchten. „Wir freuen uns, endlich einen gemeinsamen Rückblick anbieten zu können“, so Alt, der die Festschrift auf seiner mechanischen Schreibmaschine verfasste.

Seit 65 Jahren ist der Ehrenpräsident für den Fußball unterwegs und schon immer ein großer Liebhaber von Statistiken. So war es wenig überraschend, dass der bekennende 1860-München-Fan die erste Ausgabe der Festschrift feierlich überreicht bekam. Einen Wunsch für die Zukunft konnte bei der SG auch formuliert werden: Endlich wieder die Rückkehr in die Bezirksliga feiern, in der der SV Gressenich bereits einmal kurz mitspielen konnte. Und so stellte Alt final klar: „Die SG Stolberg ist immer in Bewegung.“

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