Herzogenrath: Zwei Künstler liefern „scharfe Farben“ im Nell-Breuning-Haus

Herzogenrath : Zwei Künstler liefern „scharfe Farben“ im Nell-Breuning-Haus

Wenn Sägeblatt-Arbeiten auf abstrakte Malerei treffen, dann ist klar: Dass sind „scharfe Farben“. Mit dieser Ausstellung im Herzogenrather Nell-Breuning-Haus begeistern Stefan Meister aus Würselen und Bernhard Grotthaus aus Eynatten derzeit die Kunstfreunde.

Bernhard „Ben“ Grotthaus bezeichnet seine runden Werke als „Sawblade“-Kunst, was übersetzt soviel wie „Sägeblatt“ bedeutet. Die Auswahl aus unzähligen Arbeiten im Durchmesser von acht bis 80 Zentimeter ist ihm durchaus schwer gefallen, wie er betont. Seit 15 Jahren widmet er sich dieser kreativen Tätigkeit, ist in den vergangenen drei Jahren besonders schaffensfreudig gewesen.

Der gebürtige Geilenkirchener lebt mit seiner Familie grenznah in Belgien, fährt mit Leidenschaft Motorrad und bereiste viele Länder, was ihm die eine oder andere Inspiration für seine Kunst bot. Als Erzieher arbeitet er im sozialen Bereich und hat unter anderem langjährige Erfahrungen einer Psychiatrischen Klinik gesammelt, wo die Kreativtherapie ein wichtiges Arbeitsinstrument ist.

„Durch die Geburt meiner Tochter bin ich häuslich geworden, besann mich auf meine gestalterische Kreativität. Ich entdeckte das dekorative Potenzial von Sägeblättern und begann, diese zu gestalten“, erzählt Grotthaus. Die Metallblätter werden zunächst geschliffen, dann gespachtelt, beklebt und auch Ätztechniken kommen zum Einsatz. Mit Lack-, Acryl- und Ölfarben bekommen die Scheiben das gewisse Etwas. Für die Ausstellung hat Ben Grotthaus letztendlich einige Unikate in mittlerer Größen ausgesucht. Beispielsweise die Serie „Globe“, die mit den großformatigen Werken seines Künstlerkollegen wunderbar harmoniert.

Stefan Meister, mit Künstlernamen „Garco“, arbeitet abstrakt, lässt wahre Farbexplosionen entstehen, die den Blick des Betrachters förmlich anziehen. „Ich weiß selbst nicht, was aus einem Werk wird, wenn ich anfange. Vor drei Jahren hatte ich zufällig das erste Mal eine Leiwnand in der Hand. Ich arbeite stark gefühlsbetont, das Bild im Kopf entsteht erst nach und nach, zum Beispiel durch spontane Farbverläufe“, erklärt der Künstler die Entstehungsgeschichte seiner Werke.

Auch als Musiker lässt sich Stefan Meister nicht in eine Schublade stecken, spielt Pop und Rock. „Crossover ist mein Ding“, sagt er. Besonders farbintensiv ist ein Werk mit dem Titel „Depaiser“. „Manche Bilder sind nach einer Stunde fertig, andere brauchen Wochen oder Monate. Ich rakele, pinsele, spritze, verwische und vermische Farben, bis das Bild den gewünschten Charakter hat und einen Betrachter nicht einfach weiter gehen lässt“, erzählt Meister.

Der gebürtige Aachener lebt seit 50 Jahren in Würselen. Er ist Inhaber einer kleinen Firma auf dem Flugplatz Merzbrück. „Ein paar politische und sozialkritische Werke sind auch dabei, zum Beispiel über die Flüchtlingskrise und den Kunstmarkt an sich“, erklärt Stefan Meister, der zum allerersten Mal überhaupt einen kleinen Teil seiner Bilder öffentlich ausstellt.

Die Werkschau „Scharfe Farben — Art by Grotthaus & Garco“, ist noch bis Donnerstag, 30. November 2017 im Nell-Breuning-Haus, Wiesenstraße 17, zu sehen.