Würselen: Zum Frauentag künstlerisch ferne Gefilde entdecken

Würselen: Zum Frauentag künstlerisch ferne Gefilde entdecken

„Der Internationale Frauentag ist im Würselener Terminkalender eine feste Größe. Im Laufe der Jahre ist ein breites Bündnis entstanden, welches verschiedene Aktivitäten, Aktionen und Veranstaltungen rund um diesen Tag organisiert und durchführt”, eröffnete Vize-Bürgermeister Harald Gerling aus besagtem Anlass im Alten Rathaus eine Ausstellung, in der vier Künstlerinnen, Kirsten Müller-Lehnen aus Jülich sowie Monika Petschnigg, Trixi Schröder und Hanne Werhan, unter dem Titel „Unterwegs” ihre Kunstwerke einer breiten Öffentlichkeit präsentieren.

Gerling: „Die Kommune hat den Auftrag, gesellschaftliches Leben zu gestalten. Sie muss sich daher den Auseinandersetzungen mit der Kunst stellen. Ohne eine kulturelle Herausforderung ist eine Gesellschaft langfristig starr und nicht mehr auf der Höhe der Zeit.”

Stimmungsvolle Songs

Mit zwei unterschiedlich stimmungsvollen Songs untermalte die Kölner Chansonsängerin Marion Scholz, die damit Appetit auf ihr anschließendes Musikkabarett „Wahre Lügen” machte, die Vernissage.

Bekannt mit den vier Künstlerinnen machten die VHS-Fachbereichsleiterin Irene Riemann-Kästner und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Silke Tamm-Kanj.

Riemann-Kästner schickte voraus: „Gemeinsam ist ihnen ein langer Schaffensprozess, in dem sie sich auch mit Lebenszusammenhängen von Frauen beschäftigt haben.” Alle waren bereits an einer Vielzahl von Ausstellungen beteiligt.

Freiheit des Spiels

Nach hauptberuflicher Tätigkeit als Innenarchitektin und Soziologin ist Kirsten Müller-Lehnen in die Malerei eingetaucht. Sie möchte herausfinden, was authentisch für sie ist.

Ihre Malerei versteht sie als Freiheit des Spiels auf dem Hintergrund ihrer Erfahrungen. Schrittweise vorwärts zu kommen, bedeutet für sie auch, sich auf Neues einzulassen, neue Erlebnisse zuzulassen. Ihre Wunschliste umfasst „puristische Intensität bis hin zu fröhlich-chaotischer Daseinsfülle”, wie sie sagt. Was am Ende entstehe, bleibe abzuwarten.

Monika Petschnigg ist freischaffende Malerin und Diplom-Kunstpädagogin. Seit vielen Jahren gehört sie „Dreieck”, dem Verein kultur- und kunstschaffender Frauen an.

Malerisch ist sie auch beheimatet im Atelierhaus in Aachen. Unterwegs sein ist für sie Lebensthema, stets „on tour”. Aus dem Koffer leben, ein- und auspacken, mal hier, mal dort - das ist ihre Welt. Dabei möchte sie sich mit dem Unbekannten vertraut machen.

Sich querstellen um Neues zu erfahren, sich ausprobieren und mit anderen verständigen, das möchte sie und das tut sie auch, was sich in ihrer Malerei eindrucksvoll spiegelt. Es entstehen immer wieder andere Zusammenhänge in Form und Farben.

Aus Berlin stammend und seit 2001 in Aachen ansässig ist Trixi Schröder, ebenfalls Mitglied im Atelierhaus Aachen und im Bund Bildender Künstler.

Sie hat zu Beginn eines kreativen Prozesses, wie sie offen bekennt, nie ihr klares, ausgeprägtes Bild vor Augen. Sie fühlt geradezu die Farben, die im Moment des Schaffens wichtig werden. Sie ist eine Reisende, die ihre inneren Quellen auf eigene Weise anzapft, auf Inspiration lauscht und dann ihre Gedanken und Gefühle mit verschiedenen Materialen, Öl, Acryl und Lacke, zu Papier bringt.

Ihre Bilder vollziehen eine Schrittfolge, was heißt: Sie entstehen Schicht für Schicht und erzielen so plastische Effekte, „mit denen Spuren verfolgt, ferne Gefilde entdeckt werden können”, so die Künstlerin.

Als Diplom-Heilpädagogin arbeitet Hanne Werhan, ebenfalls künstlerisch bei „Dreieck” eingebunden, mit dem Schwerpunkt Kunsttherapie. Malerei ist für sie ein Prozess der Auseinandersetzung mit inneren Bildern und organischen Elementen. Wie sie experimentiert, mit den Möglichkeiten einer Komposition spielt, damit fordert sie den Betrachter heraus.

Indem sie Altes verwirft und Neues entwickelt, finden Gedanken, Gefühle und Stimmungen in ihrem Schaffen Ausdruck. Manche Bilder entstehen leicht, vom Herzen heraus über den Pinsel auf die Leinwand. Andere erarbeitet sie sich schwer, sucht, gräbt, zerstört und spielt immer wieder neu mit Linien, Zeichen, Flächen. Das Bild ist dann fertig, wenn sie den Punkt setzt und neugierig zum nächsten schreitet.

Besucht werden kann die Ausstellung dienstags bis freitags von 10.30 bis 13 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr.

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