Nordkreis: Zum Abendmahl zugelassen? Pastor Ferdi Bruckes begrüßt die Diskussion

Nordkreis : Zum Abendmahl zugelassen? Pastor Ferdi Bruckes begrüßt die Diskussion

Die „Handreichung“ der katholischen Bischöfe während der Bischofskonferenz hin zu einer gemeinsamen Kommunion von konfessionsverschiedenen Ehepaaren in Einzelfällen verlangt nach Erklärungen.

Hatte Papst Franziskus auch der deutschen Bischofskonferenz, bei der sich Vertreter aller 27 Diözesen treffen, eine Entscheidung überlassen, ob evangelische Gläubige am Abendmahl in der katholischen Kirche teilnehmen dürfen, regt sich um den Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki Widerstand.

„Wir haben keine offizielle Anweisung erhalten, dass wir auch evangelische Gläubige an der Eucharistie teilhaben lassen dürfen“, erklärt der Baesweiler Pfarrer Ferdi Bruckes auf Nachfrage unserer Zeitung. Solch eine Anweisung bräuchten aber die Pfarrer, um Kirchenrecht „auszuhebeln“. In der katholischen Kirche sind generell nur die Gläubigen der eigenen Kirche zur Eucharistie zugelassen. Protestanten dürfen nur in Ausnahmefällen die Kommunion empfangen. Die Ausnahmen sind in einem weltweit gültigen Gesetzbuch geregelt. Ausnahmen sind Todesgefahr oder falls eine Notlage dazu drängt, dass nicht katholische Christen das Sakrament erhalten. „Ich begrüße, dass dieses Thema in der Bischofskonferenz diskutiert wird“, sagt Ferdi Bruckes. Er weiß, „dass in der Gemeinde, an der Basis, es schon genauso praktiziert wird: Protestanten bekommen das Abendmahl.“ Der größte Unterschied zwischen dem Glauben der Katholiken und der Protestanten verbiete im katholischen Kirchenrecht aber die gemeinsame Eucharistie, „weil den Katholiken im Brot Jesus Christus begegnet und die Protestanten einfach nur Brot essen“, so Bruckes. Die kritischen Stimmen der Bischofskonferenz, die nun an den Vatikan einen Brandbrief geschrieben haben, versteht Pfarrer Bruckes, „weil wir nicht einfach Kirchenrecht aushebeln können.“

Streit um das Priesterbild

Der evangelische Pastor Ulrich Holste-Helmer, der als Vertretung in der Aachener Region tätig ist, beobachtet die aktuelle Diskussion. „Die Evangelische Kirche im Rheinland lädt seit 2004/2007 zum Abendmahl alle Getauften ein mit der Begründung: Jesus Christus lädt ein, wir Gläubigen sind nur Gäste“, erzählt der Pastor. Dass nun die katholische Bischofskonferenz konfessionsverschiedene Ehepaar als Ausnahmeregelung zur Kommunion zulassen würde, ist für Ulrich Holste-Helmer eine seelsorgerische Entscheidung. Die Kritik der sieben Bischöfe, von denen eine Vielzahl aus Bayern stammt, dass mit dieser Entscheidung die Einheit der Kirche gefährdet sei, folge dagegen dem Kirchenrecht. „Die Einheit der katholischen Kirche zerbreche“, ist in deren Brief an den Vatikan zu lesen. „Stimmt auch“, urteilt Pfarrer Bruckes ganz sachlich, denn in allen Ländern richte sich die Kirche nach Kirchenrecht. „Und so ein Recht ist gut, damit nicht alles kreuz und quer läuft“, sagt der Baesweiler Pfarrer.

Pastor Holste-Helmer sieht den Streit um das Priesterbild. Während Papst Franziskus die Seelsorge, auf den Gläubigen achtend, die Demut im Blick hat, sehen die Vertreter des Kirchenrechts die Priestermacht ganz oben, unumschiffbar. „Nun wird Papst Franziskus unter Druck gesetzt, weil letztlich seine Entscheidung, die Bischöfe selbst entscheiden zu lassen, angezweifelt wird“, sagt Ulrich Holste-Helmer. In der Katholischen Kirche wie auch in der Orthodoxen Kirche sind generell nur die Gläubigen der eigenen Kirche zu den Sakramenten zugelassen, also auch zum Sakrament der Eucharistie. Protestanten dürfen nur in Ausnahmefällen — etwa in bestimmten schweren Notlagen - die Kommunion empfangen; Katholiken ist umgekehrt eine Teilnahme an protestantischen Abendmahlsfeiern untersagt.

Aktuell wird in Deutschland diskutiert, ob bei konfessionsgemischten Ehepaaren der evangelische Partner im Einzelfall im katholischen Gottesdienst mit zur Kommunion gehen darf. Geregelt sind diese Ausnahmen laut Bischofskonferenz im Kanon 844.4 des weltweit gültigen kirchlichen Gesetzbuchs (CIC). Darin heißt es wörtlich: „Wenn Todesgefahr besteht oder wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage (gravis necessitas) dazu drängt, spenden katholische Spender diese Sakramente erlaubt auch den übrigen, nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die ... von sich aus darum bitten, sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind.“