Würselen: Würselener Sportvereine werden zur Kasse gebeten

Würselen: Würselener Sportvereine werden zur Kasse gebeten

Es hatte sich schon länger abgezeichnet: Nun muss auch die Stadt Würselen die Sportvereine bei der Nutzung der Sportstätten zur Kasse bitten. Wie das in Zukunft geschehen soll, dazu präsentierte die Verwaltung deren Delegierten in einer Informationsveranstaltung des Stadtsportverbandes (SSV) unter Vorsitz von Günter Kuckelkorn ein Modell.

Demnach sollen die Vereine fünf Euro pro Stunde für die Nutzung der Sportstätten „berappen”. Dabei sollen 200 000 Euro zur Deckung der Unterhaltungskosten, nicht aber für neue Investitionen „erwirtschaftet” werden. Dass die Verwaltung für andere Beteiligungsmodelle offen sei, betonte Erster Beigeordneter Werner Birmanns.

Zu bedenken gab er: „Wenn wir das gesteckte Ziel nicht erreichen, dann wird uns vom Land ein Sparkommissar verordnet.” So sieht es jedenfalls das vom NRW-Landtag auf den Weg gebrachte Stärkungsgesetz vor. Birmanns: „An ihm müssen wir teilnehmen, weil uns eine bilanzielle Überschuldung im nächsten Jahr droht.” Das Land greife Würselen zwar zehn Jahre lang mit 3,4 Millionen Euro unter die Arme, dafür müsse die Stadt aber das strukturelle Defizit von 15 Millionen Euro bis 2016 auf Null zurückführen. Birmanns: „Eine schier unlösbar Aufgabe!”

„Wir sitzen hier mit einem unguten Gefühl. Müssen wir Ihnen doch einen Vorschlag machen, wie wir die Unterhaltung der Sportstätten weniger defizitär gestalten wollen”, stärkte Bürgermeister Arno Nelles dem Beigeordneten den Rücken. „Wir müssen das Ruder herumreißen, wenn wir unseren Handlungsspielraum bewahren wollen”, appellierte er an die Vereine, ihre Solidarität unter Beweis zu stellen.

Dabei seien 200 000 Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Nicht jeder, der mit höheren Mitgliedsbeiträgen konfrontiert werde, rutsche ab in die soziale Verelendung”, gab Nelles den Vereinsvertretern mit auf den Weg für die Überlegungen in den Vorständen und den Mitgliederversammlungen.

„Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt”, monierte Ulrich Bergmann (VfR Würselen). Wobei er der Verwaltung vorhielt, nur ein einziges Lösungsmodell entwickelt zu haben. Er riet zum Abschluss von Mietverträgen, weil sie nicht kostendeckend zu sein brauchten. Dass der Spielbetrieb nicht bei der Kostenbeteiligung herangezogen werde, erklärte Birmanns auf Nachfrage von Heinz Albert Hartmann (Weidener Turnverein).

Auch die Nutzung des Aquanas sei in die „Hochrechnung” nicht einbezogen worden. Was der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe, Gerd Debye, wohlwollend zur Kenntnis nahm, zumal ihre Mitglieder über die Parkgebühren zur Kasse gebeten würden. „Wenn wir schon Nutzungsgebühren entrichten müssen, dann muss die Stadt ihre Sportstätten erst einmal in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzen”, echauffierte sich der Vorsitzende des Würselener Turnvereins, Peter Sous.

Ihm schloss sich Friedhelm Pongs (DJK Armada Euchen-Würselen) an: „Wir erbringen heute schon Leistungen, indem wir die Reinigungskräfte bezahlen.”

Eine ungeklärte Frage war auch, ob Kinder und Jugendliche genauso an den Kosten beteiligt werden sollen wie die Erwachsenen. Geld, das Jugendliche aus dem Bildungspaket erhielten, würde über Mitgliedsbeiträge abkassiert, hieß es. Und: „Wenn wir Übungsstunden in den Sommerferien bezahlen müssen, dann möchten wir die Sportstätte auch in dieser Zeit nutzen”, war ein weiterer Knackpunkt für die Verwaltung.

Rasenplätze seien nur bis November nutzbar, wandte der Vorsitzende des VfR Linden-Neusen, René Luchte, ein. Wenn der Verein die höheren Kosten auf die Mitglieder umlege, dann hagele es Abmeldungen, sorgte er sich um dessen Fortbestand. Birmanns: „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir Senioren und Jugendliche heranziehen können.” Dennoch: „Wir müssen einen Weg finden aus unserem Dilemma.”

Fragen über Fragen: „Sollen wir dafür zahlen, dass wir Kinder und Jugendliche vor der Heimunterbringung bewahren?” lenkte ESV-Vorsitzender Gerd Welper den Blick auf die jugendpflegerische Arbeit, die in den Vereinen geleistet wird. „Wir sorgen dafür, dass die Sozialleistungen der Stadt in Grenzen gehalten werden”, gab Pongs ihm Schützenhilfe.

Offen und ehrlich miteinander umzugehen, mahnte der Politiker und Vereinsmensch Hans Carduck (FDP). Er räumte ein, in Würselen jahrelang über die Verhältnisse gelebt zu haben. Und: „Ohne Beteiligung der Vereine an den Kosten wird es nicht mehr gehen.” Beigeordneter Birmanns forderte die Vereine mehrfach auf, Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Da sie jedoch bis zum 16. Mai dem SSV vorliegen müssen, ist Eile geboten. Am 22. Mai sollen sie dann mit der Verwaltung erörtert und umgehend dem Rat zur Entscheidung vorgelegt werden. Noch ein Wort des Bürgermeisters: „Das Wasser steht uns bis zur Oberkante Oberlippe!” Dem war nichts hinzuzu fügen.