Neubau: Würselener Gesamtschule wächst weiter

Neubau : Würselener Gesamtschule wächst weiter

Gleich zu Beginn nahmen die Gäste der Baustellenführung die Projektleiter und Verantwortlichen ins „Kreuzverhör“. Man hätte erwartet, dass das Bauvorhaben mehr lokale Unternehmen und Zulieferer beauftragt. Lkw-Kennzeichen aus ganz NRW sprächen aber eine andere Sprache.

Im Zuge des „7x-Sommer-Angebots“ unserer Zeitung hatten sich gut 20 Personen an der Zufahrt Krottstraße getroffen. Der Rohbau der künftigen Gesamtschule im Würselener Zentrum sollte genauer unter die Lupe genommen werden.

Bürgermeister Arno Nelles stellte sich zusammen mit Arndt Theisgen und Simon Holkenbrink (Projektleiter des federführenden Bauunternehmens Goldbeck aus Bielefeld) sowie dem städtischen Projektleiter Lothar Winkler geduldig den kritischen Fragen. In Bezug auf beauftragte Firmen sagte der Bürgermeister: „Aus wirtschaftlichen Gründen müssen wir uns an der Angebotspalette orientieren. Wir haben die günstigsten Angebote, nicht aber die billigsten genommen.“

Baukastenprinzip

Die Verantwortlichen konnten vor allem den Anwohnern versichern, dass der Anschluss des neuen Gebäudekomplexes an das Blockheizkraftwerk keine Sperrung des Willy-Brandt-Rings verursachen wird.

Kritisiert wurde seitens der Besucher, dass augenscheinlich anfallender Bauschutt auf dem Gelände unbedeckt transportiert und zwischengelagert wird. Theisgen erklärte, dass die Laboranalyse abgewartet werden müsse. Diese entscheidet, wie der Schutt auf einer Deponie entsorgt wird.

Das Hauptgebäude verläuft in „H-Form“ parallel zur Krottstraße. Bevor es zum Rundgang ging, wurden unsere Leser mit Bauhelmen und Wasservorräten versorgt. Theisgen, Winkler und Holkenbrink erläuterten zunächst anhand von Bauplänen das Konzept der neuen Bildungseinrichtung.

Während Haupteingang, Foyer und Aula im mittleren Verbindungsstück der beiden „H-Schenkel“ ihren Platz finden, werden Klassenzimmer und Fachräume in den beiden weiteren Bauabschnitten untergebracht. Der Rohbau folgte dem „Baukastenprinzip“: Im Werk fertig gestellte Wandteile werden angeliefert und zusammengebaut.

Ein alter Brunnenm und historische Fundamente

Das kursierende Gerücht einer möglichen Erweiterung um mehrere Stockwerke in naher oder ferner Zukunft konnte Winkler ausschließen: „Die Schule wird bei der Eröffnung noch zu groß sein, da die möglichen neun Jahrgänge im ersten Schuljahr noch nicht erreicht werden. Bereits bei der Ausschreibung haben wir großzügig kalkuliert“. Nelles fügte hinzu: „Wir können flexibel auf Eventualitäten reagieren. Wir wollen keinen Leerstand, der zuvor teuer errichtet wurde.

Bereits bei der Errichtung des Fundaments erlebten die Mitarbeiter von Goldbeck die ein oder andere Überraschung. Neben historischer Fundamente, die nirgendwo verzeichnet waren, stieß man auch auf einen alten Brunnen mit gut drei Metern Durchmesser. Vor besondere Herausforderungen stellte es die Bauarbeiter nicht. Dennoch sei es laut Winkler spannend gewesen, in die jüngere Historie der Stadt etwas tiefer einzutauchen.

Die Besuchergruppe stellte sich fast gänzlich aus Mitgliedern der Bürgerinitiative zusammen, welche dem Bau der neuen Schule kritisch gegenüber steht. Sowohl die Verantwortlichen der Stadt, als auch die Bürgerinitiative bedauerten, dass das Angebot nicht von zukünftigen Lehrern, Mitarbeitern oder Schülereltern angenommen wurde. Die anwesenden Bürger und Anwohner nutzten den Rundgang für offene Kritik am Ablauf der Planung und Ausschreibung.

„Es geht uns nicht um finanzielle Mittel, sondern um die Sicherheit der Kinder“, lautete ein Argument. Aus Sicht der Kritiker würde die „gefangene“ Verkehrssituation an der Krottstraße ein deutlich höheres Verkehrsaufkommen erzeugen als der mögliche Standort Tittelstraße. Der Bürgermeister verwies im Gegenzug darauf, dass ein Großteil des Verkehrs zur noch existierenden Realschule schon lange über das Gebiet Krottstraße/Wilhelmstraße fließt.

Barrierefreiheit

Der Tross machte sich ein detailliertes Bild der künftigen Klassenräume. Jeweils zwei Klassenzimmer werden über einen sogenannten Differenzierungsraum miteinander verbunden. In diesen kleineren Räumen können beispielsweise Gruppenarbeiten oder Projekte durchgeführt werden. Die bis zu 60 Quadratmeter großen Klassenzimmer werden mit Heizkörpern ausgestattet. Lediglich im Aula- und Mensabereich wird eine Fußbodenheizung installiert. Für Barrierefreiheit sorgen Fahrstühle und eine Behindertentoilette auf jeder Etage.

Die heftigen Auseinandersetzungen beider Parteien, die von harschen Anschuldigungen der Bürgerinitiative gegen den Bürgermeister geprägt waren, bezogen sich auch auf die geplanten Umbaumaßnahmen der Wilhelmstraße und Krott-straße.

Da der Baubeginn erst nach der Schuleröffnung geplant ist, drohe hier laut der Initiative weiteres Verkehrschaos. Der Bürgermeister warb für mehr Unterstützung des „richtungsweisenden Bauprojekts“ für Würselen: „Der Standort hier ist nicht ideal, aber im Vergleich zur Tittelstraße um einiges besser. Eine Stadt definiert sich immer auch über ihr Bildungsangebot.

Ich denke, dass für Würselen hier ein elementarer Schritt vollzogen wird.“ Seine Kritiker konnte Nelles mit diesen Aussagen nicht besänftigen, dennoch war die Kommunikation zu jedem Zeitpunkt von hohem gegenseitigem Respekt geprägt.

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