Würselener Stadtwald: Hoffen auf große Mengen Niederschlag

Würselener Stadtwald : Hoffen auf große Mengen Niederschlag

Würselens Stadtwald hat einen weiteren harten Sommer hinter sich. Förster Marco Lacks hofft für die kalte Jahreszeit auf große Mengen Niederschlag. Neben dem Borkenkäfer droht ein neues Problem.

Es war Ostern, als der Sommer dieses Jahr erstmals mit Nachdruck an die Tür klopfte, also eigentlich noch Frühling. Beim Würselener Förster Marco Lacks weckten die herrlichen Temperaturen dabei die schlimmsten Befürchtungen. „Die Probleme werden noch größer als 2018“, sagte er damals.

So früh er begonnen hat, so früh scheint der Sommer dieses Jahr beendet zu sein. Der Blick in den grau verhangenen Himmel lässt daran wenig Zweifel zu, seit Wochen schon. Fragt man Marco Lacks, ob seine Befürchtungen eingetreten sind, antwortet er ganz entschieden mit – „Jein.“ Das klingt erst mal nicht dramatisch. Ruft man sich allerdings in Erinnerung, dass die Situation der deutschen Wälder nach verbreiteter Ansicht seit geraumer Zeit genau das ist – dramatisch –, dann klingt ein „Jein“ sicher nicht nach Entwarnung. Es klingt eher nach: Könnte sogar noch schlimmer sein.

Den deutschen Wäldern haben die hohen Temperaturen der Sommer 2018 und 2019 zu schaffen gemacht. Die größte Plage ist der Borkenkäfer, der sich an von der Trockenheit gebeutelten Bäumen zu schaffen macht, insbesondere an Fichten. Diese können bei Trockenheit nur geringe Gegenwehr in Form von Harzbildung leisten, wenn der Borkenkäfer sich durch die Rinde bohrt. Nach den warmen Ostertagen
geriet der Befall in Würselen zunächst weniger stark, als Marco Lacks befürchtet hatte, denn der Mai fiel verhältnismäßig feucht und kühl aus. „Borkenkäfer in Massen“ habe es erst Anfang August gegeben, natürlich mit den absehbaren Folgen: weitere Fichten starben ab.

Er sorgt sich um den Wald: Förster Marco Lacks. Foto: Jan Mönch

Lacks und seine Kollegen sind zurzeit damit beschäftigt, die Bäume zu entfernen. Rund 1000 Festmeter Holz dürften betroffen sein, was in etwa 1000 Fichten entspricht. Lacks weist aber darauf hin, dass Schätzungen schwierig sind, weil man nie den ganzen Wald auf einmal im Blick haben kann. Ein Bereich, der vor zwei Wochen noch in Ordnung aussah, kann bei der nächsten Inaugenscheinnahme schon Anzeichen von Befall aufweisen.

Ein anderes aktuelles Problem in Deutschlands Wäldern ist die Rußrindenkrankheit. Dabei handelt es sich um eine Infektion durch Pilzsporen, die vor allen Dingen den Bergahorn betrifft. Auch die Rußrindenkrankheit wird begünstigt durch Hitze und Wasserknappheit. In der Nachbarstadt Eschweiler, wo Marco Lacks ebenfalls für den Wald zuständig ist, ist die Rußrindenkrankheit schon aufgetreten, 100 Ahorne mussten gefällt werden. „Der Wald in Würselen hat ein besseres Wasserspeichervermögen als in Eschweiler. Hier ist die Rußrindenkrankheit bisher noch nicht aufgetreten – toi, toi, toi“, sagt der Förster.

Den Wäldern wird in den Medien eine Aufmerksamkeit zuteil, wie es schon lange nicht der Fall war. Vermutlich gibt es kaum eine Regionalzeitung, in deren Einzugsgebiet sich nennenswerte Waldgebiete befinden, die nicht über die praktisch überall akuten Probleme berichtet hat. Und auch die überregionalen Medien griffen das Thema auf – bis in die Hauptnachrichten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Das Werk eines Schädlings: So sieht die Rückseite eines Rindenstücks aus, wenn der Borkenkäfer sich breit gemacht hat. Foto: Jan Mönch

Die Bundespolitik hat mittlerweile reagiert. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will bis zu 800 Millionen Euro durch Bund und Länder bereitstellen lassen. „Eine tolle Sache“, findet Marco Lacks. Wie viel von dem Geld in Würselen ankommen wird, ist allerdings noch abzuwarten. Ebenso begrüßt Lacks das große Interesse an dem Thema, das Medien und Bevölkerung seit dem vergangenen Jahr an den Tag legen. „Es ist gut, wenn darüber nachgedacht wird, dass der Wald ein Wirtschaftsgut ist und sich nicht alles von selbst regelt“, sagt er.

Kurzfristig hofft Lacks im Sinne des Würselener Waldes auf einen Winter mit richtig viel Niederschlag. Und was den Borkenkäfer betrifft, wären schwankende Temperaturen am wünschenswertesten. Bei Frost nämlich falle der Borkenkäfer in eine Winterstarre. Werde er aus dieser herausgerissen, weil die Temperaturen zwischenzeitlich wieder steigen, schwäche ihn das

mehr als anhaltender Frost. Für die Natur als Ganzes wäre es hingegen förderlich, wenn sich wieder ein fester Jahreszeitenrhythmus einstellen würde, erklärt Marco Lacks weiter, mit gemäßigt warmen Sommern und strengen Wintern.

Hoffen darf man ja.