Würselener Stadtwald: Die Borkenkäfer-Welle rollt

Stadtwald : Die Borkenkäfer-Welle rollt

Das Wetter hätte am Osterwochenende kaum schöner sein können. Der Mensch verbindet damit vor allen Dingen Annehmlichkeiten wie Ausflüge ins Grüne oder Grillfleischkonsum, für den Borkenkäfer indes sind die hohen Temperaturen in Verbindung mit Trockenheit geeignet, seine Population regelrecht explodieren zu lassen.

Das lässt sich auch im Wald aktuell beobachten. Man muss sagen: leider.

Förster Marco Lacks hatte die nächste Borkenkäferwelle für den Fall eines trockenen Aprils zwar selbst vorhergesagt. Jetzt, da die Befürchtung eintritt, klingt er aber doch ein wenig konsterniert angesichts der Dynamik, die der Borkenkäfer, besonders die Art des Kupferstechers, an den Tag legt: „Im Wald brummt es nur so.“

Lacks ist gemeinsam mit zwei Kollegen für den Stadtwald von Würselen und Eschweiler zuständig, und die vergangenen Wochen hat das Trio vor allen Dingen mit der Beseitigung der Schäden zugebracht, die „Eberhard“ im März hinterlassen hat. Die Bäume lagen wie ein riesiges Mikadospiel kreuz und quer und ineinander verhakt herum und mussten mühsam auseinandergezogen werden.

Rund 500 Festmeter Holz, die das Sturmtief in Form von „Windwurf“ zurückgelassen hat, wurden per Hand mit der Motorsäge aufgearbeitet und die sogenannte Holzrückung vorbereitet, welche ein Unternehmer mit Forstspezialschlepper erledigen wird. Genau dieses Holz ist es auch, das sich der Schädling dieser Tage schmecken lässt und zur Eiablage nutzt, denn er weiß, dass kaum noch Gegenwehr in Form von Harzbildung zu erwarten ist.

Obgleich die Holzrückung, also der Transport des Holzes aus den Fichtenbeständen an die Forstwege, noch Ende dieser Woche beginnen soll, macht sich Marco Lacks keine Illusionen darüber, dass dem Stadtwald ein weiterer harter Sommer bevorsteht. „Die Probleme werden noch größer als 2018“, ist er sicher.

Trotz der Aufräumarbeiten als Folge von „Eberhard“, blieb im Frühjahr auch für erfreulichere Dinge Zeit. 3000 Jungbäume haben Marco Lacks und seine Kollegen gesetzt: Buchen, Küstentannen, Esskastanien, Eichen und Vogelkirschen. Das geschah auch mit Blick auf den Rekordsommer 2018, der viele Trockenschäden an den Bäumen hinterlassen hat. Wie  umfangreich diese sind, wird erst in ein paar Wochen endgültig zu erkennen sein, wenn der Wald sein neues Laub komplett ausgetrieben hat.

Es ist eine schwierige Zeit für Deutschlands Wälder, praktisch flächendeckend klagen die Experten über Probleme wie in Würselen. Und jüngst stufte der Deutsche Wetterdienst auch noch die Waldbrandgefahr in Nordrhein-Westfalen als „mittel bis hoch“ ein.

„Die Waldbrandgefahr ist da“, bestätigt auch Marco Lacks mit Blick auf Würselen. Zwar brachte die zweite Hälfte der vergangenen Woche Abkühlung und Feuchtigkeit. Die Gefahr steige aber mit jedem Tag ohne Regen wieder an, was Grund genug sein sollte, an dieser Stelle auf das im Wald vom 1. März bis zum 31. Oktober geltende Rauchverbot hinzuweisen.

Trotz aller Schwierigkeiten will Lacks auf keinen Fall, dass die Bürger sich die Freude am Stadtwald vermiesen lassen. „Das Frühjahr ist eine sehr schöne Zeit, um in den Wald zu gehen und die Natur zu genießen“, sagt er.

(jpm)
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