Würselen und Herzogenrath: Keine Einigung bei Gespräch zum Mühlenweg

Zeichen stehen auf Sperrung : Keine Einigung in Zwist um Mühlenweg

Die Zeichen stehen nach einem interfraktionellem Gespräch mit Vertretern aus Herzogenrath und Würselen, an dem sich auch die Bürgermeister beider Städte beteiligt haben, weiter auf Sperrung. Das letzte Wort darüber, ob die Verbindungsstraße wirklich für den motorisierten Verkehr dicht gemacht wird, ist allerdings noch nicht gesprochen.

Die nächste Eskalationsstufe in der Auseinandersetzung zwischen den Städten Herzogenrath und Würselen um die Sperrung der Straße Alte Mühle/Mühlenweg droht. Würselen will die Strecke, die beide Kommunen miteinander verbindet, für den motorisierten Verkehr sperren. Herzogenrath hat daran – zumindest mehrheitlich – überhaupt kein Interesse. In der Zwischenzeit haben sich Frust und Unverständnis Platz in der Auseinandersetzung geschaffen, so scheint es. Herzogenrath hat die Nachbarstadt schriftlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass man „gemäß §7 (4) StrWG Einwendungen gegen das Vorhaben und die beabsichtigte Teileinziehung erhebt“.

Besagte Straße – in Teilen sehr eng und nicht in einer Art ausgebaut, die sie als Hauptverbindungsstraße qualifizieren würde – erfährt von Autofahrern, die in ihr eine schnelle, unkomplizierte Abkürzung zwischen Würselen und Herzogenrath oder umgekehrt erkannt haben, rege Nutzung. Das führt zu gefährlichen Situationen, auch mit anderen Verkehrsteilnehmern wie Radfahrern oder Fußgängern, und es bedeutet für Anwohner eine Belastung.

Aus diesem Grund fiel die Entscheidung in Würselen, wie sie eben gefallen ist. Auf der anderen Seite der Wurm, in Herzogenrath, ist man mehrheitlich der Ansicht, die Straße solle als zusätzliche Verbindung zwischen den Kommunen für alle Verkehrsteilnehmer offen bleiben. Der Verkehr dort werde mit Realisierung der Markttangente in Kohlscheid abnehmen, und die Straße habe für Rettungsfahrzeuge etwa eine ebenso große Bedeutung wie als Ausweichroute bei Straßensperrungen der tatsächlichen Hauptverbindungswege.

In der Hoffnung, dass ein weiteres Gespräch eine Lösung ergäbe, hatte man sich nun kürzlich zu einem interfraktionellen Austausch getroffen, an dem sich neben Vertretern der Ratsfraktionen aus Würselen und Herzogenrath auch die Bürgermeister beider Städte beteiligten. Das Ergebnis fiel offenbar jedoch ernüchternd aus – mindestens aus Sicht der Herzogenrather Abordnung: Die Würselener Politik hält an dem Plan fest, den Mühlenweg dicht zu machen. Auf ein anderes Ergebnis hatten sich die Gesprächspartner nicht einigen können. Zunächst jedenfalls, denn vielleicht hat sich mittelfristig ein gangbarer Weg eröffnet.

Mit dem Bau der Markttangente in Kohlscheid ändert sich dort auch die Verkehrsführung. So wird unter anderem die Straße „Am Wacholder“ abgebunden. Wenn sich der Verkehr auf der Südstraße vom Markt zurückstaut, nutzen Autofahrer diese Straße gerne, um den Mühlenweg zu erreichen und damit den Stau zu umfahren. Mit der Abbindung von „Am Wacholder“ würde sich vermutlich der Durchgangsverkehr auf dem Mühlenweg reduzieren.

Allerdings würde es noch eine Zeit dauern, bis diese Maßnahme umgesetzt wird. Um nun etwas Brisanz aus der Causa „Teileinziehung Mühlenweg“ zu nehmen, erzählt Würselens Bürgermeister Arno Nelles, hätten die Herzogenrather Kollegen zugesagt, die Abbindung von „Am Wacholder“ vorzuziehen. Nelles hofft, dass erste Auswirkungen davon schon zur nächsten Ratssitzung in Würselen spürbar sind. Dann sollen nämlich die Widersprüche gegen das angelaufene Teileinziehungsverfahren des Mühlenwegs beraten werden.

Fehlendes Verständnis

Und wenn die Würselener Politik auch das von ihrem Vorhaben nicht abbringen kann? „Unter Umständen muss man den juristischen Weg als letzte Möglichkeit bestreiten“, sagt Renate Gülpen, verkehrspolitische Sprecherin der Herzogenrather Christdemokraten.

Und: „Ich weiß nicht, warum Würselen da so stur ist.“ Ihrer Ansicht nach verstünden selbst viele Würselener nicht, warum die Straße auf einmal so dringend teileingezogen (Verwaltungsdeutsch für die Sperrung einer Straße für bestimmte Verkehrsteilnehmer) werden müsse. Problematisch sei außerdem, dass in Würselen wenig bekannt sei, was in Herzogenrath in Sachen Stadtentwicklung für Kohlscheid beschlossen worden ist. Deshalb sei offenbar die Sorge bei einigen Anwohnern groß, dass der Durchgangsverkehr über Alte Mühle/Mühlenweg zunehme, wenn an der Markttangente ein Supermarkt gebaut werde. Dabei sei ein solcher Markt längst ad acta gelegt und überhaupt nicht Bestandteil des aktuellen Bebauungsplans.

Mit den CDU-Kollegen aus Bardenberg stünde man in ständigem Austausch und habe deutlich gemacht, dass der Durchgangsverkehr an dieser Stelle mit Fertigstellung der Markttangente obsolet werde statt zunehme. Durch die neue Verkehrsführung sei es nämlich viel aufwendiger, die Hauptverkehrsachse zu verlassen, erklärt Gülpen.

Allerdings arbeiten nicht alle politischen Kräfte in Herzogenrath gegen die Entscheidung aus Würselen. Bruno Barth von der „Unabhängigen Bürgerliste Herzogenrath“ (UBL) sowie Toni Ameis (Die Linke) sind pro Sperrung für den Durchgangsverkehr, weil es nach ihrem Dafürhalten dem Schutz der betroffenen Anwohner auch in Kohlscheid an der Straße „Am Langenberg“ diene und darüber hinaus der Umwelt. Barth: „Die Straße an der ‚Alten Mühle‘ durchschneidet das Naturschutzgebiet Wurmtal, ein Gebiet der Naherholung und der Ruhe. Von allen Natur- und Umweltschutzverbänden wird ein Durchfahrtsverbot schon lange gefordert. Eine öffentliche Diskussion oder einen aktuellen Beschluss in einem Ausschuss oder im Stadtrat von Herzogenrath hat es zu der Frage übrigens nicht gegeben.“

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Einem juristischen Vorgehen gegen die Würselener Entscheidung spricht Nelles nicht viele Chancen zu. „Mir wäre es auch lieber, wir finden zu einer einvernehmlichen Lösung. Ich kann den Herzogenrathern nur empfehlen, die Verkehrslenkungsmaßnahmen möglichst bald umzusetzen.“ Wie schnell das passiert und wie es weitergeht – die nächste Ratssitzung in Würselen am 21. Mai wird es zeigen.

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