Würselen: Trauer um Albert Cramer, den "Vater der Jungenspiele"

„Vater der Jungenspiele“ : Würselen trauert um seinen früheren Stadtdirektor Albert Cramer

Es war ein absolut inoffizieller Titel, der Albert Cramer ans Herz wuchs: Als „Vater der Jungenspiele“ ist er in die jüngere Geschichte Würselens eingegangen. „Das ehrt mich, das finde ich toll“, sagte der langjährige Stadtdirektor noch im November in einem Interview mit unserer Zeitung, das er anlässlich seines 90. Geburtstags gab. Nun ist Albert Cramer gestorben. Würselen trauert um den „Vater der Jungenspiele“.

Gebürtig stammte Cramer aus Froitzheim bei Düren, wo er 1928 zur Welt kam. Seine berufliche Laufbahn startete er, noch keine 16 Jahre alt, im April 1944 bei der Stadt Düren, wo Cramer zwölf Jahre später verbeamtet und zum Stadtsekretär ernannt wurde. In den 50er Jahren verließ er die Region in Richtung Märkischer Kreis, wo er seine Laufbahn zunächst in Lüdenscheid fortsetzte, gefolgt von einem kurzen Intermezzo in Altena.

1969 dann begann für Albert Cramer die Zeit in Würselen – und für Würselen die Zeit mit Albert Cramer als Stadtdirektor. Das Amt trat er am 1. April an und füllte es bis zum 31. März 1989 aus – auf den Tag genau 20 Jahre. In diese beeindruckende Zeitspanne fielen unter anderem die kommunale Neugliederung 1972, die für Würselen die Eingemeindung Bardenbergs und Broichweidens bedeutete, und der Bau des Rathauses am Morlaixplatz, das 1986 in Betrieb genommen wurde. Auch im Ruhestand blieb Cramer vielseitig engagiert: als Geschäftsführer des Flugplatzes Aachen-Merzbrück ebenso wie als Freund und Berater der ostdeutschen Partnerstadt Hildburghausen. Ganz folgerichtig war Cramer
Protagonist der Gründung der Freundschaftsgesellschaft. Ein weiteres seiner vielen Betätigungsfelder waren die kommunalen Spitzenverbände – auf Landes-, auf Bundes- und auf europäischer Ebene.

Der Sozialdemokrat trug den Ehrenring der Stadt Würselen ebenso wie das Bundesverdienstkreuz 1. und 2. Klasse. Zum „Vater der Jungenspiele“ wurde er indes durch eine spontane Idee, die er anlässlich der 1100-Jahr-Feier Würselens hatte: Der Poststempel wurde mit dem Slogan „Würselen – Stadt der Jungenspiele“ versehen. Die Jungenspiele hatte es schon vorher gegeben. Sie zur Marke, zum Alleinstellungsmerkmal zu machen, das war Cramers Einfall. Nun hat der Slogan seinen Schöpfer überlebt.

Cramers 90. Geburtstag wurde am 10. November 2018 mit einem Matinee im Alten Rathaus gefeiert. Prominentester Gast war der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz: „Wenn es ein Bild des aufrechten demokratischen Staatsbürgers gibt, das man malen müsste, dann, Albert, würde ich vorschlagen, dass es ein Porträt von Dir sein sollte“, sagte Schulz damals. Mehr Hochachtung für einen Menschen und sein Lebenswerk ist in einem einzigen Satz kaum unterzukriegen.

Albert Cramer war es vergönnt, bis ins hohe Alter bei geistiger Gesundheit zu bleiben. Körperlich hingegen hinterließ sein langes Leben Spuren. Sein Zustand sei „etwas gestutzt“, stellte er vergangenes Jahr nüchtern fest. Dass es nicht gut um ihn stand, mochten Außenstehende ahnen, als einige Monate später die Freundschaftsgesellschaft Würselen-Hildburghausen ihr 25-jähriges Bestehen feierte und ihr Wegbereiter nicht mehr teilnehmen konnte. Die ausgesendeten Genesungswünsche wurden nicht erhört. Am frühen Dienstagmorgen hat der „Vater der Jungenspiele“ die Augen für immer geschlossen.

Albert Cramer hinterlässt seine Ehefrau Marianne, mit der er seit 1951 verheiratet war, zwei Kinder und fünf Enkel und Urenkel.

(jpm)