Würselen: Spargel ist mühsam und ernten will gelernt sein

Spargelanbau in Würselen : Hinter dem weißen Gold steckt viel Arbeit und Mühe

Spargelsaison in der Region hat begonnen

Auf dem Gut Paffenhof in Würselen-Birk baut die Familie Lamberts seit über 30 Jahren Spargel an. Treue Erntehelfer kommen jedes Jahr aus Rumänien. Aber die Vermarktung wird schwerer.

Nur wenige Zentimeter lugt der frische Spross aus dem Boden hervor. Höchste Zeit, um ihn zunächst mit gespreizten Fingern freizulegen, das gebogene Stecheisen direkt daneben ins Erdreich zu schieben, dann abzuwinkeln und schließlich gezielt zuzustechen. Feingefühl und Erfahrung sind da gefragt, denn der Wurzelstock darf auf keinen Fall beschädigt werden. Das rund 22 Zentimeter lange Gemüse wird in den Korb gelegt, das Loch wieder geschlossen, alles glatt gestrichen – und auf geht’s zur nächsten Stelle, wo sich die Erde angehoben hat und Risse zu sehen sind.

Die Deutschen lieben Spargel, verzehren pro Kopf jährlich rund 1,5 Kilogramm. Das ist viel, wenn man bedenkt, dass die Erntezeit nur rund zweieinhalb Monate beträgt. Mit weit über 23.000 Hektar (Stand 2018) steht dem Asparagus die weitaus größte Gemüseanbaufläche in der Republik zur Verfügung. Doch seine Ernte ist immer noch mühsame Handarbeit – Stange für Stange, in gebückter Haltung.

Empfindsames Pflänzchen

Sobald der Spargel den Erddamm durchbricht, muss er gestochen werden, sonst öffnet sich die Spitze – und das gilt als Mangel. Foto: Beatrix Oprée

Witterungsunwägbarkeiten kommen hinzu, Spargel ist ein empfindsames, wärmeliebendes Pflänzchen. „2018 war ein schreckliches Jahr“, erzählt Walter Lamberts, Spargelproduzent in Würselen. Der Februar war nass, im April hatte es noch Frost und Schnee gegeben, die Ernte konnte daher erst verspätet beginnen. „Uns blieben nur Mai und Juni zum Verkauf, da aber gab es permanent heißes Wetter und geballt große Erträge.“ Denn, wenn der Spargel rausguckt, muss er gestochen werden, sonst treibt er durch. Entsprechend fielen die Preise, konnten die hohen Erzeugerkosten letztlich kaum noch auffangen.

Lamberts bewirtschaftet das Gut Paffenholz mit seiner Frau Angelika und Tochter Liza-Kathrin in fünfter Generation. Und hat schon immer auf Sonderkulturen gesetzt, Einlegegurken, Kürbisse, ein Blumenfeld und eben Spargel. Grüner war es zunächst, 1986 kamen roter und weißer dazu. Über zweieinhalb Hektar hinweg erstrecken sich heute an Birk die typischen Erddämme, die aufgeschüttet werden, um dem Bleichspargel den Weg an die Oberfläche zu verlängern, wodurch er die begehrten weißen Stangen bildet. Schwarze Folie sorgt für die richtige Temperatur.

Auf dem Gut Paffenhof: Angelika und Walter Lamberts betreiben mit Tochter Liza-Kathrin (l.) den Familienbetrieb in Würselen an Birk 80 in fünfter Generation. Foto: Beatrix Oprée

Der Boden rund um Birk ist schwer, nicht so sandig wie im Heinsberger Raum, und erwärmt sich daher schlechter. Mit Heizdrähten und der Abwärme aus der 2007 zur Stromerzeugung errichteten Biogasanlage steuert Lamberts dagegen. Dem Trend, Spargel immer früher im Jahr zu ernten, widersetzt sich der Familienbetrieb allerdings mittlerweile: „Diesen Ehrgeiz haben wir nicht mehr“, sagt Lamberts. „Einmal hatten wir den ersten Spargel schon zu Karneval. Im Februar wollte den aber noch gar keiner, so dass wir ihn schließlich nach Magdeburg verkauft haben.“

Und: Je früher die Ernte, umso höher im Verhältnis die Lohnkosten. Aber zu Ostern, egal ob früh oder spät, ist die Nachfrage immer groß, muss reichlich Nachschub da sein. So hofft Lamberts, dass die Spargelpflanzen in der kommenden Woche richtig loslegen. Dann werden auch die restlichen Erntehelfer erwartet. Drei sind schon da, sechs bis sieben reisen jährlich aus Rumänien an. Die bundesweit auf dem Erntesektor herrschenden Probleme, ausreichend Saisonarbeitskräfte zu rekrutieren,  gibt es an Birk 80 nicht. „Wenn man mit den Mitarbeitern gut umgeht, kommen sie auch immer wieder“, verweist Walter Lamberts auf eine langjährige Stammtruppe, die im Schnitt für zwei Monate auf dem Hof lebt und zu der ein gutes Vertrauensverhältnis bestehe.

Durch den Betrieb von zwei Kühlautomaten können die Kunden an Birk und bei Bauer Drießen in Aachen-Soers frischen Lamberts-Spargel, geschält und ungeschält, rund um die Uhr erwerben. Foto: Stephan Kreutz

Jetzt seien einige altersbedingt, mit Blick auf die verhältnismäßig schwere Erntearbeit ausgeschieden. „Allerdings brauchen wir auch immer weniger Leute“, sagt Lamberts. Denn der Absatzmarkt vor allem für Grünspargel ist schwierig geworden. Unter anderem, weil Großhandelsketten mittlerweile eigene Anbauer haben und nicht mehr über den Großmarkt beziehen. „Das drückt die Preise für die Erzeuger.“ Lamberts hat bereits reagiert, hat von den achteinhalb Hektar Anbaufläche für Grünspargel im vergangenen Jahr fast die Hälfte umgebrochen. Mais, Zuckerrüben, Weizen und Gerste wird er da künftig anbauen.

Weißspargel aber sei unproblematisch. Lamberts setzt auf Direktvermarktung durch den täglich außer dienstags geöffneten Hofladen sowie zwei rund um die Uhr bedienbare Kühlautomaten (an Birk und bei Bauer Drießen in Aachen-Soers).

Allerdings: Dass ein Produzent aus Waldfeucht direkt an der Einmündung zu Birk eine Verkaufsbude aufgebaut hat und dem Lamberts-Hof so die Kunden abfängt, das sei schon ein Problem ...

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