Würselen: Kontaminierter Aushub an Gesamtschule nicht entsorgt

Neue Würselener Gesamtschule : Feierlicher Anlass, schmutziges Problem

Kurz vor der Schlüsselübergabe ist das kontaminierte Erdreich an der neuen Würselener Gesamtschule noch nicht entsorgt. Und die beiden Gerichtsverfahren, die auf Klagen von Anwohnern zurückgehen, laufen nach wie vor.

Wie so viele größere Bauprojekte wurde auch die Entstehung der neuen Würselener Gesamtschule von allerlei Störgeräuschen begleitet, angefangen bei der Standortdiskussion über kontaminierten Bodenaushub bis hin zu zwei nach wie vor laufenden Gerichtsverfahren. Ganz unabhängig davon, wie man zu alldem persönlich steht, ist unterm Strich festzustellen: Das Gebäude ist pünktlich fertig geworden, die Schule ist eingezogen.

Es fehlt also nur noch das Wichtigste: die Schüler. Sie werden mit dem Start des neuen Schuljahres kommende Woche Mittwoch zum ersten Mal in der Krottstraße die Schulbank drücken. Wenige Tage zuvor, am Freitagnachmittag dieser Woche, findet in der Krottstraße die Übergabe an die Stadt Würselen statt. Bürgermeister Arno Nelles (SPD) wird die Schlüssel von Dr. Robin Heidel, Prokurist der ausführenden Firma Goldbeck, in Empfang nehmen. Beginn ist um 16 Uhr.

Wer an der Schlüsselübergabe nicht teilnehmen wird, ist ebenfalls schon klar: die Mitglieder der „Bürgerinitiative Standort
Gesamtschule“. Das macht Klaus Köhler in einem Schreiben deutlich, das als Reaktion auf die Einladung zur Schlüsselübergabe an Bürgermeister Nelles, die Ratsfraktionen sowie die Presse versendet wurde. Die Würselener „und speziell die Bewohner des Drischviertels“ hätten „keinen Grund, etwas zu feiern“, schreibt Köhler. „Eine öffentliche Mehrheit für diesen Standort hat es nie gegeben.“

Die Bürgerinitiative hatte seinerzeit den Rechtsweg beschritten, um gegen den Gesamtschulbau vorzugehen. Erstens wurde am Verwaltungsgericht Aachen gegen die Baugenehmigung geklagt. Und zweitens wurde am Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster ein Normenkontrollverfahren in die Wege geleitet, in dessen Rahmen überprüft wird, ob der Bebauungsplan geltendem Recht entspricht. Die Ingenieure und Bauarbeiter sind allerdings schneller mit ihrer Arbeit fertig geworden als die mit der Sache befassten Juristen: Beide Verfahren laufen noch immer, wann sie abgeschlossen werden, lässt sich nicht absehen, wie Telefonate unserer Zeitung mit beiden Gerichten ergaben. Das OVG legte sich sogar darauf fest, dass es in diesem Jahr zu keiner Verhandlung mehr kommen werde.

Wenn die Kläger in Münster Erfolg hätten, wäre dieser aller Wahrscheinlichkeit nach eher formeller Natur. Fehler in Bebauungsplänen werden durch Gerichte zwar in der Tat relativ häufig festgestellt, jedoch besteht die Möglichkeit, diese nachträglich zu „heilen“, also zu korrigieren. Ungleich problematischer wäre es, wenn das Aachener Verwaltungsgericht den Klägern folgen und die Baugenehmigung für ungültig erklären würde. Dann stünde an der Krottstraße ein Schwarzbau, der abgerissen werden müsste. „So lange  die Baugenehmigung nicht bestandskräftig ist, wird auf eigenes Risiko gebaut“, erklärt der stellvertretende Pressesprecher des Verwaltungsgerichts, Markus Lehmler.

Deutlich praktischerer Natur ist zurzeit ein ganz anderes Problem, das im Zuge des Gesamtschulneubaus entstanden ist. Bekanntlich befand sich auf dem Gelände früher eine Bahnbetriebsanlage, und die ließ kontaminiertes Erdreich zurück. So wuchs praktisch parallel zur neuen Gesamtschule ein Haufen an Aushub, der mit der Zeit eine recht beachtliche Größe angenommen hat. Noch Ende Mai hatte die Stadtverwaltung versichert, dass der Aushub bis zur Eröffnung der Schule „selbstverständlich“ entsorgt sein werde. Allerdings lässt sich der Haufen – mittlerweile mehr oder minder fachmännisch mit Planen abgedeckt, mit Europaletten beschwert und von einem Bauzaun umgeben – auf der Nordseite des Geländes noch immer bestaunen.

Auch der Kunstrasenplatz des VfR Würselen ist fertig und wird am Samstag eingeweiht. Im Hintergrund ist die neue Gesamtschule zu sehen. Foto: Jan Mönch

Die Stadtverwaltung räumte am Mittwoch auf Nachfrage ein, dass der Aushub frühestens im September, womöglich erst im Oktober entsorgt werden könne. Offenbar hatte sich eine übergeordnete Behörde in den Vorgang eingeschaltet. Welche Behörde dies war und was dagegen gesprochen hat, den Aushub vor Schuljahresbeginn zu entsorgen, ließ sich am Mittwoch bis Redaktionsschluss nicht aufklären.

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