Würselen-Bardenberg: Angestellte parken „Im Grötchen“ zu

Würselen-Bardenberg : Angestellte parken „Im Grötchen“ zu

Weil man „Im Grötchen“ unbegrenzt und frei parken kann, klagen Anwohner über den Zuschnitt der Parkzonen B1 und B2 in Bardenberg.

Das Ziehen von Grenzen ist so eine Sache. Will man die Dinge nicht im Ungefähren lassen, müssen sie einerseits irgendwo gesetzt werden. Ungleich schwieriger verhält es sich unter Umständen mit der Begründung. Denn wer kann schon dezidiert darlegen, wieso bei Parlamentswahlen in Deutschland eine Fünf-Prozent-Hürde gilt? Täten vier oder sechs Prozent es nicht auch? Oder müssen es fünf sein, weil das so schön rund klingt? Letztlich ist es egal, es gilt schließlich gleiches Recht für alle.

Beim Abstecken von Parkzonen ist die Sache nicht ganz so einfach. Hier kann ein Unterschied von einer einzigen Hausnummer einen ganz erheblichen Unterschied ausmachen. Und gleiches Recht für alle gilt dann eben nicht.

Die Parkzonen B1 beziehungsweise B2 in Würselen-Bardenberg sind so ein Fall. Sie erstrecken sich maßgeblich über die örtliche Hauptstraße „Am Kaiser“ beziehungsweise Heidestraße, auch einige umliegende Straßen wurden bedacht. Auf der Straße „Im Grötchen“ reißt die Anwohnerparkzone jedoch an der Ecke Talstraße unvermittelt ab, auch „An Wilhelmstein“ gilt sie nicht, sondern erst wieder auf der Pleyer Straße (siehe Grafik). Es stellt sich die Frage: Wäre die Sache nicht runder, wenn die Stadt die beiden Straßen komplett mit aufnehmen würde?

Die Straße „Im Grötchen“ in Würselen-Bardenberg: Ab hier, an der Ecke Talstraße, ist freies Parken möglich. Foto: Jan Mönch

Vor Ort gibt es Anwohner, die sich genau das wünschen würden, zum Beispiel die Eheleute Brigitte und Heribert Vorhagen. Im Gegensatz zu vielen anderen Häusern auf der Straße hat ihres keine Garage. Und so konkurrieren sie mit anderen Autofahrern um die auf den Asphalt gemalten Stellplätze. Meist handele es sich nicht um andere Anwohner, sondern um die Angestellten der umliegenden Betriebe, beispielsweise die zweier Banken, haben Vorhagens beobachtet. Die Angestellten nämlich nutzten die nicht vorhandene Regulierung freilich mit Kusshand aus. Während sie ihr Auto einen Steinwurf weiter in Richtung Ortszentrum nicht abstellen können, ohne zu löhnen oder Knöllchen zu riskieren, funktioniert genau das „Im Grötchen“ ja problemlos.

Das stört auch Nachbarin Irene Wild. Sie habe die Stadt vergangenes Jahr schriftlich darum gebeten, die Parkzone auszuweiten, berichtet sie, jedoch weder Antwort noch Eingangsbestätigung erhalten. Müssen etwa Einkäufe ausgeladen werden, wird das für Irene Wild, die am Rollator geht, wie für Vorhagens oft zu einer unnötig umständlichen Angelegenheit.

Die Stadt Würselen macht gegenüber unserer Zeitung deutlich, dass sie eine Ausweitung der Parkzone nicht für notwendig hält. Die Straßenzüge seien unter anderem aufgrund der Entfernung zum Ortskern als Parkraum für Angestellte aus den umliegenden Betrieben „unattraktiv“ und an der Ecke Grötchen/Wilhelmstein auch immer Parkraum vorhanden. Auch seien in der Vergangenheit nur 600 Durchfahrten pro Tag (in beide Richtungen zusammen) gezählt worden und die Unfallstatistik „unauffällig“. Ferner könnten Angestellte gegen eine Gebühr von 30 Euro pro Monat einen Jahresparkausweis für den Parkplatz „alter Schulhof“ erhalten könnten.

Bislang sind allerdings nur ganze 16 dieser Parkausweise vergeben und ein weiterer beantragt, wie die Stadt einräumt. Wer weiß, vielleicht würde die Beliebtheit noch steigen, wenn man sein Auto „Im Grötchen“ nicht mehr gratis und unbegrenzt stehen lassen dürfte.  (jpm)

(jpm)