Städteregion: IHK startet in die "Mobilitäts-Testwochen für Betriebe"

Mobilitäts-Testwochen in der Städteregion : Rauf aufs Pedelec, rein in den Streetscooter

Noch vor einigen Jahren handelte es sich bei der Mobilität um ein Thema, zu dem schnell alles gesagt war. Die einen fuhren mit dem Fahrrad, andere mit dem Bus, die allermeisten aber natürlich mit dem eigenen Auto.

Im Wesentlichen ist das noch immer so, es gilt allerdings als ausgemacht, dass es nicht so bleiben kann, die sogenannte Mobilitätswende ist im Gange, heißt es – doch wie soll alles aussehen, wenn sie abgeschlossen ist?

Eine umfassende Antwort darauf hat noch niemand, die Industrie- und Handelskammer (IHK) aber hat in den vergangenen Jahren mit den „Mobilitäts-Testwochen für Betriebe“ ein Angebot geschaffen und Jahr für Jahr weiterentwickelt, das eine erste Orientierung bieten soll. Der Name verrät schon, dass der Weg über die Arbeitgeber führt.

Acht Bausteine, alle kostenfrei

Der Startschuss für die achte Auflage der Mobilitäts-Testwochen fiel nun bei der Lancom Systems GmbH im Würselener Gewerbegebiet Aachener Kreuz. Den teilnehmenden Betrieben und ihren Mitarbeitern sollen Alternativen zum motorisieren Individualverkehr aufgezeigt werden. Das Angebot besteht aus acht Bausteinen, ist kostenfrei und wird in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern auf die Beine gestellt.

Das Potenzial lässt sich am besten in Zahlen ausdrücken: Die IHK geht davon aus, dass Tag für Tag 89.000 Menschen ins Aachener Stadtgebiet zur Arbeit pendeln, 36.000 Menschen verlassen es zum selben Zweck. Mehr als die Hälfte der Pendler nutze für die Anfahrt das eigene Auto. Bei der IHK ist man davon überzeugt, dass es sich für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer lohnen kann, diesen Anteil zu senken.

Der Angestellte spart Sprit und weitere laufende Kosten für das Auto, der Arbeitgeber indes muss beispielsweise weniger Parkplätze bereitstellen. Benjamin Haag, Verkehrsreferent der IHK, verweist außerdem auf Studien, die zu dem Ergebnis gekommen seien, dass radelnde Arbeitnehmer seltener erkrankten.

Als die Aktion vor sieben Jahren zum ersten Mal startete, ging es ausschließlich um Pedelecs, und so hießen die Testwochen auch. Die Resonanz war gut, das Angebot und das Netzwerk wuchsen, und irgendwann war man an dem Punkt, dass die Pedelecs aus dem Namen gestrichen wurden – aus dem Angebot aber natürlich nicht. Die übrigen sieben Bausteine drehen sich um Beratung für Mobilitätsmanagement und Elektromobilität, Elektroautos, Bus und Bahn, E-Lastenfahrräder, Car-Sharing, sicheres Radfahren und E-Nutzfahrzeuge.

In letztere Kategorie fällt der Streetscooter, der als das regionale Aushängeschild in Sachen E-Mobilität natürlich nicht fehlen darf. In den drei anderen Landkreisen des Aachener IHK-Kammerbezirks – Düren, Euskirchen und Heinsberg – werden mittlerweile ebenfalls Mobilitäts-Testwochen ausgerufen, und auch nach Köln wurden sie schon exportiert, was die Macher in Aachen natürlich durchaus als Auszeichnung verstehen. „Das Format funktioniert überall“, ist Benjamin Haag überzeugt.

Wird die 100er-Marke geknackt?

In der Städteregion hätten sich in den vergangenen Jahren stets 25 bis 30 Betriebe beteiligt, für den gesamten Kammerbezirk hofft Haag darauf, dass dieses Jahr die 100er-Marke geknackt wird.

Entscheidend ist aber letztlich, dass das Programm auch eine bleibende Wirkung erzielt. 40 Prozent der Betriebe hätten angegeben, dass die Teilnahme an dem Programm eine langfristige Veränderung in der Mobilität der Belegschaften herbeigeführt habe.

Zu ihnen zählt auch die Lancom GmbH, wo im Nachgang zur Mobilitätswoche im vergangenen Jahr 51 Mitarbeiter ein geleastes Fahrrad beantragt hätten. Angesichts von von 330 Mitarbeitern am Würselener Standort ist das keine schlechte Quote.

(jpm)
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